Graffiti-Kunst mit Erlaubnis des Bürgermeisters

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Graffiti-Künstler Torben Zilles vor seinem Werk an der Bushaltestelle des Anne-Frank-Gymnasiums.

Halver - Der Halveraner Graffiti-Künstler Torben Zilles sieht seine  Kunst als Ausgleich vom Alltagsstress. Er steht mit dem Gesetz nicht auf Kriegsfuß, da er nur legal sprüht.

Die beiden Kinder Emilio (4) und Eliyah (3) toben durch das Haus und halten die Eltern Torben und Gina Zilles ordentlich auf Trab. Doch die beiden machen einen sehr entspannten Eindruck. „Das ist noch gar nichts“, erklärt Torben Zilles. „Normalerweise sind die beiden noch ein wenig wilder drauf.“ Er weiß, wovon er spricht, schließlich war er bereits mit 22 Vater und musste bereits sehr früh Verantwortung übernehmen. 

Aber ab und an braucht auch er Freiraum („Man braucht einfach auch etwas zum Abschalten“). Wenn dies der Fall ist und Torben Zilles ein wenig Zeit für sich braucht, steigt er ins Auto, fährt zum Anne-Frank-Gymnasium, holt seine Sprühdosen aus dem Kofferraum und besprüht die Wartehäuschen an der großen Bushaltestelle. Legal, mit Erlaubnis vom Bürgermeister Michael Brosch, dem er ausdrücklich dafür dankt („Das ist nicht selbstverständlich. In vielen Städten und Gemeinden ist das nicht der Fall“). Zilles ist Graffiti-Künstler, aber keiner, der mit dem Gesetz auf Kriegsfuß steht und auf den Autobahnen der Nation sein Zeichen hinterlegt, sondern seine Werke als Kunst ansieht. 

Schalksmühle, Bayern und Halver

„Ich bin schon sehr selbstkritisch und im Nachhinein oftmals auch nicht ganz zufrieden“, sagt der 27-Jährige, der als Berufssoldat acht Jahre in Bayern verbrachte und erst im vergangenen Jahr zusammen mit seiner Frau und den beiden Kindern in seine Heimat zurückkehrte, denn Zilles ist in Schalksmühle aufgewachsen. 

Liebesbekundungen für seine Frau Gina in Form eines Herzens sind ebenfalls in Zilles Repertoire vorhanden.

Eine bestimmte Musikrichtung hört der Wahl-Halveraner nicht, wenn er seiner Leidenschaft nachgeht. „Klar, es läuft immer Musik, aber jetzt nichts Bestimmtes.“ Für ihn genießen andere Sachen beim Sprayen eine höhere Priorität: „Ich bin ein Schönwetter-Maler. Ich bin der, der sich gemütlich hinstellt und dabei ein Bier trinkt.“ 

Bereits im Alter zwischen 12 oder 13 Jahren begann Zilles, der eine Ausbildung als Fahrlehrer macht und deswegen jetzt Corona-bedingt seiner Tätigkeit nicht nachgehen kann, mit der Malerei. „Da hatte das aber noch nicht wirklich etwas mit Graffiti zu tun, aber ich habe halt schon sehr früh einfach alles angemalt. Erst nach einem Workshop bei Yves Thomé kam ich zum Grafftiti“, spricht Zilles über seine erste Begegnung mit dem Lüdenscheider Künstler, der auch weiterhin zu seinem Bekanntenkreis zählt. Aber nicht als Vorbild, denn: „Ein wirkliches Vorbild habe ich nicht. Ich habe mehr meinen eigenen Stil und lasse mich da von keinem groß beeinflussen.“ 

Eltern hatten viel Verständnis für das Hobby des Sohnes

Um seinem großen Hobby nachzugehen, benötigte es auch viel Verständnis der eigenen Eltern. „Ich habe im Baumarkt des Öfteren Farbe geholt und meine Wände in meinem Zimmer komplett umgestrichen, um dort meine Motive zu malen und zu verewigen. Meine Eltern waren dabei immer total entspannt und haben mich einfach machen lassen.“ 

Bei seinen früheren Motiven prangte als Erkennungszeichen immer sein Pseudonym Pleasure (englisch: Vergnügen). Dieses kürzte er ab, seit einiger Zeit steht „sure“ („Das ist einfach kürzer und besser unterzubringen“) auf den Motiven. Eine besondere Vorliebe hat Zilles bei seinen Arbeiten für Charaktere, beispielsweise Buzz Lightyear aus dem Animationsfilm Toy Story, aber auch andere Themengebiete wie die aktuelle Corona-Krise werden abgedeckt: „Ich habe häufig aber auch eine Idee, die politisch angelehnt ist und diese setze ich dann dementsprechend um.“ Liebesbekundungen für seine Frau in Form eines Herzens sind ebenfalls in seinem Repertoire vorhanden. 

Falls das Wetter so sonnig bleibt, wird Zilles in nächster Zeit mit Sicherheit wieder häufiger seinem Hobby nachgehen und vor allen Dingen an der Bushaltestelle am AFG zu sehen sein. Nur eine Sache gefällt ihm überhaupt nicht: „Es gibt Leute, die beschmieren andere Arbeiten mit dummen Sprüchen und versauen es damit. So etwas braucht kein Mensch.“

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