Nach vier Jahren letztes Urteil für Raubüberfall

Für gemeinschaftlichen Raub kassierte eine Halveraner am Mittwoch vor dem Amtsgericht eine Bewährungsstrafe.

HALVER ▪ In Handschellen wurde ein 25-jähriger Halveraner am Mittwoch in den Sitzungssaal des Lüdenscheider Amtsgerichts geführt. Dort musste sich der Mann wegen gemeinschaftlichen Raubes verantworten. Am Ende des Prozesses verließ er den Saal ohne Handschellen und mit einer einjährigen Bewährungsstrafe plus 500 Euro Geldbuße im Gepäck.

Auf der Anklagebank zeigte sich der Halveraner sofort geständig. Er gab zu, 2008 gemeinsam mit drei gesondert verfolgten und bereits verurteilten Freunden einen Mann in dessen Wohnung überfallen zu haben. Das Opfer sei den Tätern vorher bekannt gewesen. So habe das Quartett gewusst, dass der ältere Mann „geistig eingeschränkt„ war, mehrere Renten bezog und meist einen größeren Bargeldbetrag bei sich trug.

Am Tattag habe sich das Opfer in einer Gaststätte befunden. Einer der Täter habe es aus dem Lokal gelockt und den Mann in dessen Wohnung begleitet. Dort seien die anderen drei schließlich dazu gekommen. Gemeinsam hätte man mit dem Opfer etwas getrunken, sein Vertrauen gewonnen. Schließlich seien die Täter auf den inzwischen angetrunkenen Mann losgegangen. Dabei hätte ihm der Angeklagte ein Bein gestellt, um das Opfer zu Boden zu bringen. Dort hätte man ihm dann die Geldbörse entwendet. Beute: knapp 100 Euro. Anschließen seien sie alle in einen Wald geflohen und hätten das Geld aufgeteilt.

Vor Gericht gab der Angeklagte am Mittwoch an, zur Tatzeit arbeitslos gewesen zu sein und auf der Straße gelebt zu haben. Ein als Zeuge geladener Mittäter bestätigte am Mittwoch die Angaben des Halveraners.

Der Staatsanwalt erklärte in seinem Plädoyer, dass es sich bei dem Geschädigten unter anderem wegen des zuvor konsumierten Alkohols um ein leichtes Opfer gehandelt habe. Zu Lasten des Angeklagten führte er an, dass eine Gewaltanwendung, wenn auch im unteren Bereich, stattgefunden habe: „Vier junge Leute entschließen sich, auf einen älteren, geistig eingeschränkten Mann loszugehen.“ Für den Angeklagten spreche sein Geständnis und der Umstand, dass die Tat schon vier Jahre zurückliege. Schließlich forderte der Staatsanwalt ein Jahr Haft auf Bewährung und eine Geldbuße von 800 Euro.

Der Angeklagte nutzte das ihm zustehende letzte Wort, um sich für sein Verhalten zu entschuldigen: „Ich bereue die Tat. Ich hätte mich heute beim Geschädigten entschuldigt, wenn er dagewesen wäre. Ich hoffe, dass ich mit einer Bewährungsstrafe nach Hause gehen darf.“

Seine Hoffnung erfüllte sich. Der Richter schloss sich den Ausführungen des Staatsanwalts an und verurteilte den Halveraner zu einer einjährigen Bewährungsstrafe und verhängte als Auflage eine Geldbuße in Höhe von 500 Euro. Durch das Geständnis sei es dem Gericht möglich gewesen, die Strafe am unteren Rande festzulegen. Schwer wiege der Umstand, dass der Angeklagte das Vertrauen des Opfers missbraucht hatte. „Immerhin hat der Mann die Leute in seine Wohnung gelassen“, betonte der Vorsitzende.

Dass die Verhandlung erst vier Jahre nach der Tat stattfinden konnte, war dem Umstand geschuldet, dass der Angeklagte immer wieder seinen Aufenthaltsort verschleiert hatte. Um sicher zu gehen, dass er zum Verhandlungstermin am Mittwoch auch anwesend sei, war der 25-Jährige am 29. August dieses Jahres in Haft genommen worden. Seine drei Freunde mussten sich bereits vor ihm vor Gericht verantworten. Da zwei von ihnen zur Tatzeit Jugendliche waren, kassierte einer einen einwöchigen Dauerarrest, der zweite Täter einen Freizeitarrest. Der Dritte im Bunde wurde zu einer dreimonatigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Der Halveraner akzeptierte sein Urteil und ließ es rechtskräftig werden. Zahlt er die 500 Euro Geldbuße nicht oder wird er erneut straffällig, wird die Bewährung widerrufen. ▪ jape

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