Halveraner misshandelt Kleinkind

HALVER ▪ Mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe kam am Donnerstag ein 25-jähriger Halveraner vor dem Amtsgericht Lüdenscheid davon. Er hatte am 24. September 2011 den dreijährigen Sohn seiner damaligen Lebensgefährtin derart misshandelt, dass der Kleine fünf Tage lang auf der Kinderintensivstation des Klinikums Hellersen bleiben musste. Die Staatsanwältin will das Strafmaß prüfen lassen.

Das Verhängnis hatte seinen Lauf genommen, als die 23-jährige Kindesmutter mittags zur Arbeit ging und der 25-Jährige mit deren Bruder allein in deren Wohnung in Kierspe blieb. Von Anfang an mit dabei war eine Flasche Wodka, die die beiden Männer gemeinsam leerten. Als diese zur Neige ging, kaufte der Angeklagte eine zweite Flasche, und die beiden tranken weiter. Der Blutalkoholgehalt des jungen Mannes stieg dadurch unaufhaltsam der Drei-Promille-Grenze entgegen. Irgendwann am frühen Abend ging der Bruder der Kindsmutter und ließ den Betrunkenen mit dem Kind und der noch nicht ganz geleerten zweiten Wodka-Flasche zurück.

Was dann um kurz vor 22 Uhr geschah, ließ sich vor allem an den schlimmen Folgen ablesen: Der Dreijährige erlitt eine Nasenbeinfraktur, zahlreiche Hämatome, eine Gehirnerschütterung, Platz- und Risswunden.

„Vom Gesicht her würde ich ihn gar nicht erkannt haben“, sagte die Tante des Kindes als Zeugin aus. „Das kann man gar nicht beschreiben.“ „Ich konnte ihn nicht anfassen, weil ihm das alles so wehtat“, berichtete die Kindsmutter. Der Krankenbericht listete neben vielem Anderen ein „tiefblaues Hämatom der gesamten linken Gesichtshälfte“ auf und vermerkte mit einer gewissen Erleichterung, dass weder Gehirnblutungen noch Augenschäden festzustellen waren. Jeden Abend rede der Kleine davon, dass der 25-Jährige ihn geschlagen habe, berichtete die Kindesmutter unter Tränen und nannte den Angeklagten „dieses Monster“.

Nach dem Übergriff auf das Kind trat der Angeklagte die Tür der Nachbarwohnung ein und griff einen 56-jährigen Nachbarn an, der angesichts des Lärms in der Wohnung über ihm um Ruhe gerufen hatte. Bei dem Angriff erlitt der Mann Verletzungen im Gesicht. Die mit einem Messer bewaffnete Hand des Angeklagten konnte er aber abwehren.

Vor Gericht konnte sich der extrem schweigsame Angeklagte an so gut wie gar nichts erinnern. Den Zeugenaussagen über die Folgen seines Wütens folgte er scheinbar teilnahmslos, „Reue“ war ein Fremdwort in dieser Verhandlung.

Das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Jürgen Leichter folgte im Urteil dem Antrag von Verteidiger Bernd Eisenhuth und verurteilte den nicht einschlägig vorbestraften Angeklagten zu einer Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung.

Staatsanwältin Ina Pavel, die eigentlich eine Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten beantragt hatte, kündigte sofort nach dem Urteil an, das Strafmaß von der nächsten Instanz überprüfen zu lassen: „Ich glaube nicht, dass dieses Urteil Bestand haben wird.“ ▪ thk

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