Landwirtschaft unter Druck

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Laut Studien sind Landwirte hauptverantwortlich für das Insektensterben – dafür stehen sie vielerorts in der Kritik. Die einseitige Berichterstattung missfällt Michael Loitz, Besitzer eines Hofs in Halver.

Er erinnert an Folgendes: Der Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz ist besonders für die kleineren Betriebe unglaublich schwer. Insgesamt 54 Hektar Ackerland bewirtschaftet Michael Loitz. „Das sind 14 Einzelfelder mit neun verschiedenen Besitzern, von denen ich die Einheiten gepachtet habe.“ Und er betont: „Acker ist in Halver ein knappes Gut.“ Dementsprechend müsse man die Äcker „sinnvoll bewirtschaften. Auch weil wir ja eine Pflicht gegenüber dem Verpächter haben.“ 

Für Michael Loitz bedeutet das: 35 Hektar Silomais, zehneinhalb Hektar Winterweizen und achteinhalb Hektar Wintergerste. Der hohe Maisanteil habe einen speziellen Grund: Die Pflanze enthalte viel Stärke und sei somit ein sehr gutes Futtermittel für die Kühe auf seinem Hof. „So müssen wir auch keine Futtermittel importieren.“ 

Zwischenfrüchte auf den Äckern 

Das Getreide und den Mais behalte er auf dem Hof. Wenn die Felder abgeerntet sind, bestelle er sie mit Zwischenfrüchten. „Meist mit Senf oder einer Gras-Klee-Mischung.“ Dafür erhalte er Fördermittel. Dies sei allerdings nicht der Grund, warum er diese Zwischenfrüchte aussäe. „Das eigentliche Fördergeld brauche ich bei der Bewirtschaftung fast vollständig auf. Es geht vielmehr darum, die Nährstoffe im Boden zu binden.“ Denn das fördere eine ertragreichere Ernte im darauffolgenden Jahr. 

Die oft geforderten Blühstreifen sieht er kritisch. Vor drei Jahren habe er selber Blühstreifen angelegt. Doch zum einen habe man besonders in den Folgejahren enorme Probleme: „Die Samen fallen auf den Boden, und im kommenden Jahr hat man wieder diese Pflanzen an der Stelle.“ Die Fläche wäre so dauerhaft nicht nutzbar. Zum anderen machte Loitz bereits die Erfahrung, dass Spaziergänger die Blühstreifen „als Selbstbedienungsladen“ begreifen würden. 

Landwirtschaft in Gefahr 

Die Berichte über das Insektensterben hat der Imker ebenfalls mit Sorge zur Kentniss genommen. Doch am Ende gehe es auch um das Überleben der kleinen landwirtschaftlichen Betriebe. „Gucken Sie sich an, was auf riesigen Höfen beispielsweise in Brandenburg geschieht. Das sind ganz andere Dimensionen.“ Höfe wie seinen sieht er „hinten an“. Am Ende nütze es wenig, wenn er alleine Umweltmaßnahmen auf seinen Feldern durchführe. „Es gibt nun einmal gewisse wirtschaftliche Zwänge für uns.“ Der Rahmen, in dem sich die Landwirte bewegen, sei deswegen sehr schmal.

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