Wer entscheidet, wo geblitzt wird?

Halveraner klagen über Radarmessung - Polizei: "Wirkung geht vor Geld"

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Klassiker bei den Messungen ist die Schulwegsicherheit. Der Bächterhof ist der Weg zum Schulzentrum. Wo gemessen wird, teilt die Polizei im Vorfeld mit, reagiert aber flexibel. „Für Hinweise sind wir dankbar“, sagt Polizeisprecher Dilling.

Halver - „Du bist Halveraner, wenn dich auch ärgert, wie hier einige Straßen als Rennstrecke genutzt werden. Zur Info, die Mühlenstraße ist stadteinwärts und stadtauswärts eine 30er-Zone.“ Ein zorniger Post auf Facebook, eine Reihe verärgerter Kommentare und darunter die Klage, dass die Polizei tatenlos zuschaut und lieber dort blitzt, wo viele Autos in die Messstelle hineinrauschen. Doch wer entscheidet überhaupt, wann und wo geblitzt und gelasert wird? 

„Wirkung geht vor Geld“, sagt dazu Marcel Dilling, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde. Ziel für die Kollegen sei in erster Linie, Gefährdungen zu minimieren und eine präventive Wirkung zu entfalten. 

Wer bereits weiß, dass auf seinem Arbeitsweg Blitzer stehen könnten, fahre automatisch an die Vorgaben angepasst. Und klassische Stellen seien zudem Schulen, Kindergärten, Senioreneinrichtungen und bekannte Unfallhäufungspunkte. Der Ertrag spiele bei der Abwägung, wo man sich postiert, überhaupt keine Rolle, stellt der Polizeisprecher eindeutig klar. 

Unterschiede in der Wahrnehmung

Ob man der Beschwerde der Anwohnerin der Mühlenstraße konkret nachgehen werde, lässt er im Gespräch mit dem Allgemeinen Anzeiger offen. Denn die Messeinrichtungen der Kollegen könnten nicht an beliebigen Standorten stehen. Das gelte für die Laserstative der Polizeiwache ebenso wie für die Radaranlagen, die in den Autos des Verkehrsdienstes wie des Märkischen Kreises installiert sind. 

Messfehler müssten ausgeschlossen werden, um die Ergebnisse gerichtsfest zu machen. Unabhängig von den genauen Verhältnissen an der Mühlenstraße, macht Dilling auch auf die Unterschiede zwischen subjektiver Wahrnehmung und der tatsächlichen Geschwindigkeit aufmerksam. „Wenn jemand mit Tempo 30 oder knapp darüber durch eine winklige Wohnstraße fährt, nimmt man das anders wahr.“ 

„Flexibel und spontan“ 

Trotzdem bestehe für jeden Bürger die Möglichkeit, sich an seine jeweilige Wache zu wenden, wenn es zu Auffälligkeiten kommt. Neben den im Vorfeld geplanten Messpunkten, die auch regelmäßig über die Zeitung mitgeteilt werden, seien die Kollegen „flexibel und spontan“. 

Hilfreich sei, wenn die Beobachtungen möglichst präzise weitergegeben würden, beispielsweise mit typischer Uhrzeit oder Ähnlichem. Kritik, die Polizei blitze und lasere verstärkt dort, wo das Verkehrsaufkommen und damit auch die Treffsicherheit hoch sei, entkräftet Dilling aber noch mit einem anderen Argument. 

Eine Messstelle an einer stark befahrenen Bundes- oder Landesstraße wirke in präventiver Hinsicht auf viel mehr Autofahrer ein als eine an einer Nebenstraße mit minimalem Verkehrsaufkommen.

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