Halveraner Grüne kritisieren „Gülle-Tourismus“

- Symbolbild

Halver - Seit geraumer Zeit nehmen Beobachtungen der Halveraner von zunehmenden Gülleausbringungen auf Wiesen und Feldern zu. Anwohner hatten sich nun erneut auch beim Allgemeinen Anzeiger gemeldet und von Güllefahrten berichtet, bei denen auffallend oft Fahrzeuge mit niederländischen Kennzeichen bis spät in die Nacht ganze Wiesen „unter Jauche gesetzt“ hatten.

Bereits in der Vergangenheit hatte das Thema „Fremdgülle“ öfter für Aufregung gesorgt (wir berichteten). Auch in der kommunalen Politik wurde das Thema heiß diskutiert. Die Grünen haben das Thema nicht zuletzt aufgrund der jüngsten Vorkommnisse nun wieder in den Fokus gerückt und aufgrund des vermehrten Gülle-Importes in Halver einen Brief an den NRW-Landwirtschaftsminister Johannes Remmel geschrieben.

Darin schreiben sie, dass sie den zunehmnenden „Gülle-Tourismus“ in Halver und der heimischen Region sehr kritisch sehen. „Die Entwicklung der industriellen Landwirtschaft als Ursache für die Entstehung finde ich besorgniserregend“, sagt Fraktionsvorsitzender Karl-Friedrich Osenberg im Gespräch mit dem AA. Allein im Jahr 2012 seien 1,4 Millionen Tonnen Gülle aus den Niederlanden auf heimischen Flächen in NRW ausgebracht worden.

Grund sei die industrielle Schweine- und Geflügelfleischproduktion in Teilen Nordwestdeutschlands und den Niederlanden, mit der eine der höchstern Tierkonzentrationen Europas einhergehe. Die vorhandenen landwirtschaftlichen Flächen reichten als Futtergrundlage nicht mehr aus, Futter werde, so Osenberg, aus der ganzen Welt zugekauft und importiert. „Das Gleichgewicht zwischen Tierhaltung und landwirtschaftlicher Fläche ist aus dem Gleichgewicht geraten“, erläutert der Fraktionsvorsitzende. Das habe eine große Masse an Mist und Gülle zur Folge. Es sei eine Branche entstanden, bei der die Entsorgung der anfallenden Gülle auf fremden Flächen finanziell honoriert werde.

Da das Ausbringen großer Mengen an Dünger im Umfeld der „Agrarfabriken“ durch Rechtsverordnungen mit Ausbringungsobergrenzen verboten sei, werde die Gülle nun großräumiger verteilt, unter anderem auch vermehrt auf Halvers Wiesen und Feldern. „Zunehmend wird hier Importgülle wie Gärsubstrat ausgebracht“, schreiben die Grünen in ihrem Brief an Remmel. Von ihm erhoffen sich die Parteimitglieder im Rahmen eines Treffens am kommenden Freitag Antworten auf die Fragen zur Überprüfung der Einhaltung der Ausbringungsverordnung und der Erstellung und Umsetzung der Nährstoffbilanz. Gelänge dies nicht, so Osenberg, drohe zumindest punktuell Überdüngung mit Gefahren für das heimische Trinkwasser.

Auch aus möglichen Medikamentenrückständen in Schweinegülle und im Geflügelkot könne eine Gefahr ausgehen, so die Grünen, die sich auf „ernstzunehmende Initiativen von Human- und Veterinärmedizinern“ berufen und auf eine Beurteilung des Ministers hoffen.

„Die Landwirtschaft in unserer Region wird bäuerlich betrieben und hat noch eine hohe Akzeptanz“ so Karl-Friedrich Osenberg. Und das, so die Grünen, solle so bleiben. Man wolle, dass durch die Ausbringung importierter Gülle keine Risiken eingegangen werde und Imageschäden heimischer Landwirte in Kauf genommen werden müssten. „Geld von Entsorgern für vor Ort ausgebrachte Gülle schafft Anreize zur Überdüngung. Das gilt es durch wirksame Kontrollen der Behörden zu verhindern“. - von Friederike Domke

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