Beim Borkenkäfer geht es nur noch um Schadensbegrenzung

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Wegen Borkenkäferbefall musste in manchen Waldbereichen rund um Halver in diesem Jahr schon mehrmals Holz geschlagen werden.

Halver – Zwar hat es nach langer Zeit wieder ein wenig geregnet, aber die lange Trockenheit zuvor hat die Ausbreitung des Borkenkäfers auch in diesem Jahr begünstigt. „Es geht nur noch um Schadensbegrenzung“, sagt Förster Ulrich Ackfeld.

In den Fichten-Monokulturen finden die millionenfach herumfliegenden Borkenkäfer ideale Brutbedingungen vor. Die lange Trockenheit in diesem Jahr hat die Bäume, die noch aus dem vergangenen Jahr angeschlagenen waren, weiter geschwächt und ist für die extrem hohe Käferpopulation ein „leichter Gegner“.

Bäume leiden unter der Trockenheit

„Der Boden ist über den Winter nicht aufgefüllt worden und was wir bisher an Regen gehabt haben, war nur Makulatur“, sagt Ackfeld. Der Boden sei ab einer Tiefe von etwa 30 bis 40 Zentimeter pulvertrocken. Die noch vorhandene Feuchtigkeit liegt tief, derzeit vielfach zu tief für das Wurzelwerk vieler Bäume.

Das Problem ist auf Bergkuppen besonders akut, aber sogar in Talbereichen, in denen sich sonst die Feuchtigkeit sammelt, sei es nun trocken. „Deswegen haben wir inzwischen auch in Senken ein Borkenkäferproblem, wo wir es noch nie hatten“, beklagt der Forstbeamte. Es deprimiert ihn, dass er derzeit nicht mehr agieren, sondern nur noch reagieren könne.

Frischer Borkenkäferbefall ist nicht leicht zu entdecken.

Gerade einen frischen Befall könne man häufig nur durch Zufall feststellen – anhand der kleinen Löcher im Stamm und Bohrmehl am Stumpf. An immer neuen Stellen würde Borkenkäferbefall festgestellt, in manchen Bereichen wurde schon mehrmals in diesem Jahr Holz geschlagen, neben den Wegen lagern Polter nicht nur von Käferholz aus diesem, sondern auch noch aus dem Befall des vergangenen Jahres.

Bei der Vielzahl der befallenen Stellen muss abgewogen werden, wo Holz eingeschlagen wird. Priorität haben dabei die Stellen, an denen der Borkenkäferbefall frisch ist und noch großen Schaden anrichten kann. Zurückstehen müssen dagegen solche Stellen, an denen der Borkenkäfer bereits wieder ausgeschwärmt ist. „Für manchen Waldbesitzer ist das schwer einzusehen, aber wir können nicht mehr alles bedienen“, sagt Ackfeld.

Momentan gebe es überall Kapazitätsprobleme, angefangen vom Einschlag und dem Rücken der Bäume, über die Unternehmen, die Polterspritzungen durchführen dürfen, bis hin zu Sägewerken und den Fuhrleuten, erklärt Ackfeld: „Wir sind an der absoluten Belastungsgrenze.“ Trotzdem versuche man, das Möglichste für die Waldbesitzer herauszuholen und die Kapazitäten in den Sägewerken der Region auszuschöpfen, aber bald müsse man auch in Halver in den Übersee-Export einsteigen.

Befallene Bäume sind markiert: Allein an dieser Stelle müssten 200 bis 300 Festmeter Fichtenholz geschlagen werden.

Seit zwei Jahren nur noch Kalamitätsholz

Seit Januar 2018 habe man im Bereich Halver 18.000 Festmeter Kalamitätsholz geschlagen – ein Teil davon Sturmwurf durch Orkantief Friederike Anfang 2018, das meiste aber Käferholz. Auch in diesem Jahr würden noch 6000 bis 7000 weitere Festmeter Käferholz hinzukommen, schätzt Ackfeld. Der Holzeinschlag aus zwei Jahren bestehe dann nur aus Kalamitätsholz. Entsprechend sei der Holzpreis im Keller. „Vor zwei Jahren hätte man im Verkauf mindestens das Doppelte bekommen.“

Für die Waldbesitzer sei das eine Katastrophe, sagt Ackfeld, die vom Land bereitgestellten Hilfen seien da nur ein Tropfen auf dem heißen Stein: „Die Sparkasse des Waldes verschwindet für einige Waldbesitzer, weil sie ihr Holz für’n Appel und’n Ei verkaufen müssen.“

Die immensen Schäden durch die Massenvermehrung des Borkenkäfers werden auch langfristig Folgen haben. „Der Wald hat und wird sich weiter verändern, an vielen Stellen werden wir die Fichte langfristig verlieren“, sagt Ackfeld. Den standort- und klimagerechten Umbau des Waldes, mit dem man vielerorts sichtbar bereits nach Kyrill aktiv begonnen habe, werde man weiter vorantreiben müssen. „Dazu müssen wir die entstandenen und entstehenden Lücken im Fichtenbestand mit anderen Baumarten auffüllen, etwa Eiche und Buche aber auch mit Nadelhölzern wie Douglasie und Lärche.“

Diese Arten können langen Trockenheits- und Hitzeperioden, mit denen angesichts des voranschreitenden Klimawandels noch häufiger zu rechnen ist, besser standhalten als die Fichte. Ein Umdenken hin zu einem stärker durchmischten Baumbestand sei laut Ackfeld also wichtig, um den Wald sowohl als Naherholungsraum, aber auch für die Nutzung durch die Waldbesitzer zu erhalten.

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