Halveraner Familie Kerspe rettet kranken Greifvogel

Der Uhu von der Haltestelle

Dieses geschwächte Uhu-Weibchen brachte die Familie Kerspe in Sicherheit. Wenn es aufgepäppelt ist, wird es ausgewildert.
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Dieses geschwächte Uhu-Weibchen brachte die Familie Kerspe in Sicherheit. Wenn es aufgepäppelt ist, wird es ausgewildert.

„Da sitzt ein Uhu im Wartehäuschen.“ Hugo Kerspes Reaktion auf den Anruf am Sonntagmorgen war zunächst eine nicht einmal geringe Irritation. Ein Uhu also? Und im Buswartehäuschen?

Halver - Die Anruferin war die Halveranerin Dorothea Turck-Brudereck, unterwegs nach Halver. An der Haltestelle, wo die kleine Straße in die Löhbach von der Landesstraße 528 abknickt, hatte sie das Tier entdeckt und Kerspe angerufen. Wohin der Uhu wollte, der dort auf dem Boden hockte, und mit welcher Buslinie, ist bis heute nicht klar.

„Aber wann hat man schon mal einen Uhu?“, fragte sich Kerspe, Mitjäger im Revier Brenscheid, der sich darauf mit seinem Sohn Philipp, ebenfalls Jäger, ins Auto setzte, um der Sache mit dem Vogel auf den Grund zu gehen. Und das Tier saß noch da.

Hugo Kerspe mit Enkelin Isla und dem Fundvogel.

Auch über 40 Jahre Jagd- und mehr als 70 Jahre Lebenserfahrung machen nicht allwissend, stellte Kerspe nun fest, der plötzlich in der Verantwortung stand für den Fundvogel. Immerhin funktionierte aber das Smartphone, und damit hatten die Kerspes immerhin eine Adresse im Internet gefunden. Die Vogelpflegestation des Nabu in Dortmund erwies sich auf Anhieb als wichtige und richtige Anlaufstelle: Ja, natürlich könnten sie den Vogel anfassen, erfuhren Hugo und Philipp Kerspe, die vor dem kräftigen Schnabel und den mächtigen Fängen gebührend Respekt entwickelt hatten.

Dass der Uhu, mit 1,70 bis 1,80 Metern Spannweite der größte Eulenvogel der Welt, das mit sich machen lässt, liege daran, dass er am obersten Ende der Beutekette fliegt. Ohne natürliche Feinde fehle ihm die Erfahrung, überhaupt angegriffen zu werden, erweiterten die Vogelfreunde am Telefon das Wissen der Jäger. Und Gudrun Hartisch und Ingo Lukschütz von der Nabu-Station fragten, ob die Halveraner mit dem Tier vorbeikommen könnten. Die Kerspes konnten.

Als praktisch erwies sich dabei die jagdliche Begleitung. „Watson“, der sonst Philipp Kerspe begleitet, räumte für den Uhu seinen Käfig im Kofferraum des Kombis, der dann über Land Richtung Revierstadt rollte. Beim Zwischenstopp in Breckerfeld eingesammelt wurde noch Enkelkind Isla, die im Begriff ist, sich auf ihren Fachvortrag zum Thema Vögel vorzubereiten, und damit den Vorzug erhielt vor weiteren interessierten Enkelkindern, die ebenfalls gerne mitgekommen wären.

Der Vogel im Hundekäfig auf dem Weg zur Pflegestation.

Am Ende dürfte die Geschichte gut werden. Aufgepäppelt wird die Uhu-Dame zurzeit in Dortmund. Tierarzt und Labor kümmern sich um die Befunde. Offenkundig sei, dass der Vogel, von Durchfall geplagt, wohl von Parasiten befallen ist und somit entsprechend geschwächt sein dürfte.

Anfangs mochte er nicht fressen. Die Rückmeldung am Montagmorgen allerdings war positiv. Acht frisch geschlachtete Mäuse habe er die Nacht über verdrückt, war die Nachricht aus der Vogelstation, wo der Uhu auch auf die Waage kam: 1,7 Kilogramm hatte er zum Zeitpunkt des Auffindens, 2,5 Kilo sollten es eigentlich sein. Darum gibt es jetzt weitere Mäuse. Und dann, das ist das Ziel, eine gesunde Uhu-Dame, die nachts über den Wäldern und Wiesen des Hürxtals ihre Kreise zieht. Genau dort, das ist der Plan, wird sie auch wieder ausgewildert.

„Wir wollen dabei sein“, sagt Kerspe, der mit den Vogelschützern aus Dortmund den Kontakt hält nach der sonntäglichen Rettungsaktion für den großen, leisen Gleiter.

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