Erstmalig: Kinder wurden an Schule in Oberbrügge abgelehnt

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Der Schulweg und die Wahl der Grundschule ist für Familien mit Kindern, die im Wohngebiet „Neuen Herweg“ wohnen, immer wieder Thema. Dieses Mal geht es vor allem um die Anmeldezahlen an den Grundschulen.

Halver - „Die Situation ist sehr bedauerlich“, sagt Kai Hellmann stellvertretender Fachbereichsleiter Bürgerdienste der Stadt, zur Ablehnung von neun Kindern, die im kommenden Schuljahr die Grundschule Oberbrügge besuchen wollten.

Zum ersten Mal ist diese Situation in Halver eingetreten. Die Eltern sind darüber sehr entrüstet und beschweren sich öffentlich in sozialen Netzwerken. „Es war schon immer so, dass Schüler an den Schulen Vorrang haben, die am nächsten liegen“, sagt Kai Hellmann. Diesmal sei es zum ersten Mal passiert, dass beinahe alle Schüler der kommenden ersten Klasse aus Oberbrügge kommen. Und es sei zudem auch das erste Mal, dass Schüler an der Schule ihrer Wahl nicht angenommen werden konnten. 

Freie Schulwahl 

Bis 2011 gab es drei Schulbezirke: Die darin wohnenden Kinder wurden der entsprechenden Schule automatisch zugeordnet. „Bei der Grundschule in Oberbrügge dienten die Bezirke nur als eine künstliche Methode, um die Schule überhaupt am Leben zu halten“, erklärt Hellmann. Seitdem die Schulbezirke aufgelöst wurden, gibt es in Halver die Möglichkeit der freien Schulwahl. Die Freiheit reicht aber nur bis zu dem Punkt der Aufnahmekapazitäten. Vorteile haben dabei die, deren Wohnort in der Nähe liegt – also ähnlich wie bei Bezirken. Allerdings gehörte das Gebiet „Neuen Herweg“ damals zum Bezirk der Grundschule Oberbrügge, jetzt ist es zu weit von der Schule entfernt. 

Die Ablehnung ihrer Kinder empfinden die Eltern als eine Beschränkung ihrer Wahlfreiheit, vor allem im Hinblick darauf, dass alle Eltern ein Geschwisterkind bereits auf der Schule in Oberbrügge haben. „Wäre es nur ein Einzelfall, könnten wir bestimmt etwas ermöglichen“, sagt Hellmann. „Aber mit allen Schülern geht das nicht.“ Die Grundschule in Oberbrügge ist einzügig, das heißt es wird nur eine neue erste Klasse geben. „Das wurde im Rat so entschieden“, sagt Hellmann. „Es wurde festgesetzt, dass die Grundschule in Oberbrügge einzügig, die Grundschule Auf dem Dorfe zweizügig und die Lindenhofschule dreizügig ist.“ Eine zweite Klasse in Oberbrügge ist nicht möglich und würde auch „unabsehbare Folgen für die Schulen in Halver haben“, die für viele Schüler ausgelegt seien. 

Klassenstärke von 28 Kindern 

Die Schule wird zudem eine Klassenstärke von 28 Kindern bekommen – zusammengesetzt aus 26 Neuanmeldungen und zwei Schülern, die die erste Klasse wiederholen. „28 Schüler ist die oberste Grenze für eine Grundschulklasse. Die übrigen Klassenstärken werden an den Schulen im Durchschnitt 25 Schüler haben.“

„Dass neun Schüler in Oberbrügge nicht angenommen werden können, ist ein unglücklicher Zufall.“ Wenn die Schule noch selbstständig wäre, wären die Schüler ebenfalls abgelehnt worden. „In Halver ist das das erste Mal. In Nachbarstädten tritt dieser Fall aber regelmäßig ein“, erklärt Hellmann. Laut Schulgesetz haben kurze Wege Vorrang. Im kommenden Jahr werde es dieses Problem in Halver allerdings nicht mehr geben, ist sich Hellmann sicher. „Die Geburtenzahlen sprechen für sich.“ Im kommenden Schuljahr werden die Geburtenjahrgänge 2012 und 2013 eingeschult: Die Geburten in diesen Jahren waren zwar mit 146 etwas höher, aber auch nicht so stark wie vor zehn Jahren. „Die Zeiten sind vorbei“, sagt Hellmann. In zwei Jahren würde es dann wieder bergab gehen. Denn dann wird der noch niedrigere Geburtenjahrgang von 2014 mit 101 Kindern eingeschult. Eine Ablehnung an einer Schule würde es dann nicht noch einmal geben, sagt er. 

Unterschiedliche Konzepte an Schulen 

Die Eltern, die ein Kind bereits auf der Grundschule in Oberbrügge haben, sind nun zusätzlich darüber verärgert, dass sie entweder zwei Kinder zu Schulen mit unterschiedlichen Konzepten bringen (siehe Info-Kasten) oder alternativ ein Busticket für rund 60 Euro monatlich bezahlen müssen. 

Und die Kosten dafür übernimmt die Stadt nur, wenn die Schule weiter als zwei Kilometer vom Wohnort entfernt ist. Für die Kinder vom Neuen Herweg würde das also nicht zutreffen. Zur Lindenhofschule sind es 1,4 Kilometer Fußweg, was rund 17 Minuten bedeute. Zur Grundschule Auf dem Dorfe sind es genau zwei Kilometer, die circa 26 Minuten in Anspruch nehmen würden. Sollte die Schule der Wahl nicht die nächstgelegene sein, übernimmt die Stadt nur die Differenz des Weges. Damit hält sie sich an die Schülerfahrkostenverordnung. 

Wie der Schulweg gestaltet ist, spielt dabei keine Rolle. Zwei Kilometer werden den Kindern zugemutet, egal welche Straßen überquert werden müssen. Ausnahmeregelungen gibt es nur im Winter. Für drei Monate bekommen dann auch die Schüler vom Neuen Herweg ein Ticket erstattet, weil der Versuch, die fußläufige Verbindung des Ortsteils mit der Stadt sicherer zu gestalten, scheiterte.

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