Domain-Odyssee: Von Halver über Auckland bis Osnabrück

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Sabine und Wolfgang Stroese vor ihrer – wieder freigeschalteten – Homepage mit neuer Adresse: Das Ehepaar aus Anschlag ist offenbar Opfer von „Domaingrabbern“ geworden.

HALVER - Kein Unternehmen ohne eigenen Internetauftritt: Das dachte sich auch Sabine Stroese, nachdem sie sich im Jahr 2005 mit ihrer psychologischen Beratung in Halver selbstständig gemacht hatte. Im vergangenen Jahr jedoch wollte sie den Provider – also den Anbieter, über den ihre Adresse (Domain) angemeldet ist – aus Kostengründen wechseln. Ein einfacher Klick zog eine wahre Odysee nach sich. Und eine Menge Ärger.

Seit 2008 war das Beratungsangebot unter www.psychologische-beratung-halver.de zu finden. Das sollte auch so bleiben, jedoch wollte Stroese die Domain nicht mehr von der Telekom bereitgestellt haben, sondern vom Anbieter 1&1. Dieser Provider sollte die Adresse dann in das dort bereits bestehende Angebotspaket ihres Mannes Wolfgang integrieren. So weit, so gut. Und weil alles professionell ablaufen sollte, legten die Stroeses diese Aufgabe in die Hände eines Dienstleisters, der am 13. Februar ans Werk ging: Wie Wolfgang Stroese im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt, wurde die Domain zunächst beim neuen Anbieter vorgemerkt, ehe sie – um den Prozess abzuschließen – beim alten Anbieter gelöscht wurde. Und das war offenbar ein folgenschwerer Fehler.

Beim Versuch, die Adresse schließlich neu anzumelden, stellte das Ehepaar fest, dass diese nicht mehr verfügbar war. Nur wenige Minuten nach der Löschung bei der Telekom war die Adresse www.psychologische-beratung-halver.de „ausgewandert“: Wie Wolfgang Stroese berichtet, ging sie auf die Firma „PGR Property Trust“ über. Deren Sitz: Auckland, Neuseeland. Doch damit nicht genug: Bereits am Tag darauf war der Preis der Domain rasant gestiegen. Über eine weitere, deutsche Internetseite stand plötzlich ein Kaufpreis von 1219 Euro im Raum. Wer bereit war, Geld für die Internetadresse auszugeben, konnte an einer Versteigerung teilnehmen, die sich in Zehn-Euro-Schritten diesem Endpreis näherte. „Wir haben unseren Dienstleister beauftragt, die Adresse verdeckt für uns zurückzukaufen. Aber der Preis ging immer höher und irgendwann wurde es einfach zu teuer“, berichtet Wolfgang Stroese.

Wer den Zuschlag erhielt, spielte letztlich keine Rolle mehr. Denn: Laut der Versteigerungsplattform wurde das letzte Gebot „zurückgezogen“ – und plötzlich landete die Domain bei einer in Internetforen einschlägig bekannten Firma mit Sitz in Osnabrück, die den Stroeses nach deren Kontaktaufnahme zwei Angebote unterbreitete: Zunächst sollte das Halveraner Ehepaar die Domain für 450, später für 350 Euro zurückkaufen können. Doch darauf wollten sich die Geschädigten nicht einlassen. „Schließlich ist das nichts anderes als Hehlerware, die dort an uns verkauft werden soll“, sagt Sabine Stroese. Und doch unterbreitete man dem Internetadressenhändler ein „Friedensangebot“ in Höhe von 200 Euro – das dieser brüsk ablehnte. In einer E-Mail wehrt sich der Geschäftsführer des Anbieters gegen die Behauptung, sein Unternehmen würde mit gestohlenen Domains handeln. „Dies ist eine dreiste geschäftsschädigende Unterstellung, die jeglicher Grundlage entbehrt.“ Aus diesem Grund wolle man das Angebot zurückziehen, und weiter heißt es: „Wenn Sie Ihren Anwalt beauftragen wollen, dann machen Sie das. Aber Geschäfte machen wir mit so jemanden wie Ihnen nicht.“

Damit ist die Adresse www.psychologische-beratung-halver.de aber nicht Geschichte: Sie dient nun als Werbeplattform für diverse, mehr oder weniger seriöse Angebote. Und die Opfer dieser gemeinhin als „Domaingrabbing“ bekannten Masche haben gehandelt: Sabine Stroeses Angebot ist nun unter www.halver-psychologische-beratung.de zu finden. Doch auf den Kosten für die neu zu druckenden Flyer, Visitenkarten und das Firmenschild bleibt sie sitzen. „Das geht in den vierstelligen Bereich.“ Wenn sie auch den virtuellen, teils illegalen Handel mit Internetadressen nicht verhindern kann, so will Sabine Stroese mit dem Gang an die Öffentlichkeit doch alle anderen Domain-Inhaber warnen.

Vom aktuellen Besitzer der nun für Stroese verlorenen Adresse gab es gestern bis Redaktionsschluss übrigens keine Stellungnahme zu den genauen Hintergründen des An- und Verkaufs. - Frank Zacharias

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