Nach trockenem Sommer: Stadtbäume leiden unter Wassermangel

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Folgen der Trockenheit: Drei Buchen an der Howarde tragen kein Laub.

Halver – Durch die langen Trockenperioden sowohl im vergangenen als auch in diesem Jahr leiden einige Bäume gerade im städtischen Bereich unter Wassermangel. Klaus Ostermann, Leiter des städtischen Bauhofs erklärt, wie es den Stadtbäumen insgesamt geht und wie man ihnen mehr Wurzelraum geben könnte.

Nicht überall sind die Anzeichen für Wassermangel das so deutlich wie an der Ecke Hälversprung/Howarde. Vier große Rotbuchen stehen dort, bei dreien sind die Kronen aufgrund des Wassermangels völlig kahl. „Die haben schon am Anfang des Sommers ihr Laub abgeschmissen“, sagt Ostermann. Noch sei die Standfestigkeit der Bäume aber nicht gefährdet. „Wenn sie nicht wieder grün werden, dann würden sie erst anfangen abzusterben.“ Dann könnte auch eine Gefahr auftreten. Deswegen beschloss der Ausschuss für Planung und Umwelt in der zurückliegenden Woche, die Bäume zu fällen, wenn sie im kommenden Frühjahr nicht wieder austreiben.

Trockenes Holz in den Baumkronen

Bei anderen Bäumen sind die Anzeichen weniger deutlich. Wenn ein Baum in der Krone blattlose Äste nachschiebe, sei das ein untrügliches Zeichen für Wassermangel. „An der Von-Vincke-Straße kann man an einigen Bäumen erkennen, dass sie immer mehr trockenes Holz haben oder laublos sind.“ Auch die große Linde an der Marktstraße sei ein Beispiel für Bäume, die unter Wassermangel leiden. An der Hagener, der Berg- und der Lohstraße machten die Bäume dagegen einen guten Eindruck.

Auch an der Von-Vincke-Straße sind Kronen teilweise blattlos.

Das Grundproblem, das Bäume inner- und außerhalb der Stadt gleichermaßen betrifft, sind die zwei aufeinanderfolgenden trockenen Sommer. Schon unter der langen Trockenheit im vergangenen Jahr hätten viele Bäume gelitten. „Dadurch, dass wir auch kaum Schmelzwasser im Winter hatten, ist die Erde nicht richtig nass geworden“, Ostermann. Zu wenige Feuchtigkeit in immer größeren Tiefen, absackendes Grundwasser – das betreffe alle Bäume, egal ob in der Stadt oder nicht. „Stadtbäume sind eigentlich sehr robust und sehr widerstandsfähig, weil sei es von klein auf gewohnt sind, mit wenig Wurzelraum auszukommen.“ Auch an Wassermangel seien sie daher eher gewöhnt.

In Trockenperioden die Bäume mit Wasser zu versorgen, sei schwierig bei mehr als 4000 städtischen Bäumen, für die der Baubetriebshof im Stadtzentrum sowie in Siedlungen und an Straßen im Außenbereich zuständig ist. „Bei den vielen Stadtbäumen, die wir haben, ist es fast ein Ding der Unmöglichkeit, sie alle ausreichend zu bewässern“, sagt Ostermann. Und das, obwohl die Freiwillige Feuerwehr Halver den Bauhof bei der Bewässerung während der trockenen Periode unterstützte. „Bei kleinen Baumscheiben ist das Problem, dass wir kaum Wasser draufgießen können“, sagt Ostermann. Wenn jeder Anwohner am Tag ein bis zwei Gießkannen wässern würde, würde das den Bäumen reichen. Vom Bauhof sei das bei der Vielzahl der Bäume nicht zu leisten. Man müsste in kurzer Zeit viel Wasser draufgießen. Vorm Rathaus sei das beispielsweise möglich, aber dort wo um die Bäume herum gepflastert ist, nicht.

Eine kahle Krone weist dieser Baum an der Leye auf. Der Baum gegenüber hat dagegen noch volles Blattwerk.

Kleine Baumscheiben stellen aber nicht nur ein Problem bei der Bewässerung dar. Da die Bäume die Gehwege um die Baumscheiben herum durchwurzeln, werden die Wege für viele Personen schlecht passierbar. „Die Wurzelspitze sucht sich immer den leichtesten Weg zum Wachsen“, erklärt Ostermann. „Bei einer Pflasterung ist das der Bereich zwischen Pflaster und Schotterunterbau.“ Dort wachse die Wurzel dann hinein und schiebe alles beiseite, sodass Pflastersteine nach oben und zur Seite gedrückt würden. „Das würde verhindert, wenn man den Wurzeln mehr Raum geben würde.“ Ob man Bäume in der Stadt wolle oder breitausgebaute Gehwege, sei dabei eine generelle Frage. „Man muss sich überlegen, wie sähe eine Straße wie die Lohstraße aus, wenn da keine Bäume ständen“, sagt Ostermann. „Es hat ja auch Lebenskultur für die Leute, die dort wohnen oder entlangfahren.“

Um Bäumen im städtischen Bereich mehr Platz zu geben, sei grundsätzlich vieles denkbar, sagt Ostermann. „Man könnte den Gehweg auf die andere Baumseite verlegen und in die Fahrbahn reingehen – dabei gingen natürlich Parkplätze verloren.“ Es sei auch möglich, den Gehweg zu entfernen, sodass Fußgänger die andere Straßenseite nutzen müssen. Genauso sei es denkbar, ganz auf einen separaten Gehwegbereich zu verzichten, sodass – wie etwa am Mühlengrund – alles zur Verkehrsfläche wird, in der man dann größere Baumscheiben anlegen könnte. „Man kann auch die Baumscheiben auf beiden Seiten größer ziehen und die Straße zur Einbahnstraße machen – den Gedankenspielen sind da keine Grenzen gesetzt.“

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