37-Jähriger verfolgt Ehefrau mit Auto

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Einstellung des Verfahrens vor Schöffengericht.

Halver/Lüdenscheid - Im Kampf Audi gegen Polo würde man wohl eher auf das Produkt der Ingolstädter setzen. Doch als ein 37-Jähriger aus Halver seinen Audi am 8. August 2016 in das Auto seiner neben ihm auf der Hagener Straße fahrenden Ehefrau lenkte, war sein Auto nicht mehr fahrtüchtig und letztlich schrottreif. Der Polo hingegen war nach einem Radwechsel noch für zwei Wochen auf der Straße.

Wie aber war es dazu gekommen, dass nachts um 1 Uhr Mann und Frau nebeneinander fuhren und letztlich ineinander krachten? Die Staatsanwaltschaft sah nach den Ermittlungen Anlass für eine Anklage des 37-Jährigen wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Für den Missbrauch eines Autos als Waffe sieht das Gesetz eine Mindeststrafe von einem Jahr vor. Dazu kam der unerlaubte Besitz einer Schreckschusspistole, die der Mann nach dem Unfall auf sich selber gerichtet hatte.

„Ich wollte mit ihr reden, doch sie ist ins Auto gestiegen und losgefahren“, begründete der Angeklagte im Amtsgericht Lüdenscheid seine nächtliche Verfolgungsfahrt, die in ein Nebeneinanderfahren mit heruntergelassenenen Scheiben mündete. Mit 70 Stundenkilometern, wie der Angeklagte vermutete. „Schneller als 50 war es auf keinen Fall“, versicherte die 38-jährige Zeugin, die mit ihm noch verheiratet ist. „Das kenne ich nur aus amerikanischen Krimis“, würdigte Richter Thomas Kabus die Nummer. 

„Absolut keine Absicht“ im Spiel gewesen 

Bei der Kollision sei „absolut keine Absicht“ im Spiel gewesen, beteuerte der Angeklagte. „Ich hätte ihr nie irgendetwas getan. Ich war selber schockiert, dass das passiert war.“ Die ungeladene Waffe habe er sich „aus Verzweiflung“ in die Tasche gesteckt – „aus Verzweiflung, weil sie nicht mehr mit mir redete“. Warum aber kam es zu dem Unfall, wenn keine Absicht im Spiel war? Der Angeklagte bemühte einen intensiven Kontakt seines Fahrwerks mit einem Bordstein zwei Tage zuvor. 

Unfallgutachter Lutz Bölter erklärte hingegen, dass eine Vorschädigung der Radaufhängung mit Sicherheit nicht der Grund für den Unfall gewesen sei. „Eine Fahrbewegung nach rechts hat dieses Fahrzeug auf jeden Fall ausgeführt.“ 

Beendigung des Strafverfahrens 

Doch seine Ausführungen boten dem Angeklagten und dem Schöffengericht eine goldene Brücke zur Beendigung des Strafverfahrens: Bei einer derartigen Parallelfahrt zweier Fahrzeuge sei ein Wegdriften in Richtung des anderen Fahrzeugs möglich, erklärte der Unfallexperte. Damit war ein nachweisbarer Vorsatz vom Tisch. „Wir können hier nicht nachweisen, dass Sie Ihre Frau von der Straße schießen wollten“, stellte Richter Thomas Kabus fest und setzte hinzu: „Aber so fährt man eben auch nicht – mit 50 Stundenkilometern auf der Gegenfahrbahn.“

Und so gab es die Einstellung des Verfahrens vor dem Schöffengericht nicht zum Nulltarif: Der Angeklagte verzichtete auf eine Entschädigung wegen der vorläufigen Entziehung der Fahrerlaubnis und zahlt 600 Euro Geldbuße. Im Gegenzug wird das Strafverfahren endgültig eingestellt. Den Führerschein bekam der 37-Jährige noch im Gerichtssaal zurück. „Gucken Sie, dass Friede in der Familie herrscht“, gab der Richter ihm einen letzten Rat mit auf den Weg.

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