Mehr Raum für Blüten und Bienen

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Halver - Der Rückgang an Insekten in dramatischem Ausmaß, insbesondere das flächendeckende Verschwinden der Bienenpopulation lässt die Bevölkerung und die Politik aufschrecken. An eigentlich allen Fronten, im öffentlichen und im privaten Raum, müsse auch auf kommunaler Ebene gegengesteuert werden.

Das scheint politischer Konsens auch im Facharbeitskreis Energie und Umwelt zu sein, der in der Regel nicht öffentlich tagt, angesichts des Themas in der vergangenen Woche jedoch öffentlich eingeladen hatte. Folgende Fragen kristallisierten sich im Verlauf der Sitzung heraus:

- Würde es helfen, öffentlich, auch kleine Flächen wie Beete oder Verkehrsinseln, ökologisch sinnvoll zu bepflanzen? Und mit welchen Kosten wäre zu rechnen? 

- Könnte ein Leuchtturmprojekt, sozusagen eine „pädagogische Fläche“, die Akzeptanz in der Bürgerschaft erhöhen, die dann eben mehr Wildnis in der Stadt in Kauf nehmen müsste? 

- Müsste angesichts knapper Ressourcen nicht eher mit geringerem finanziellem Aufwand im Umland in die Fläche gegangen werden, um mehr Wirkung zu erzielen? 

- Und sollte die Stadt vor dieser Überlegung eigene Flächen im Außenbereich zur Verfügung stellen? 

Konkrete Antworten auf die Frage nach der Gestaltung von innerstädtischen Flächen lieferte Andreas Fritz, Betriebsleiter des Stadtreinigungs--, Transport- und Baubetriebes Lüdenscheid (STL) aus eigenen Erfahrungen. Zwei Konzepte verfolgt der STL dort: eine Staudenbepflanzung von Inseln und Straßenrandbegrünung und die Bepflanzung mit Wildblumen. 

„Ganz ohne Pflege geht das nicht“ 

Die Akzeptanz in Lüdenscheid sei verhältnismäßig hoch. Doch die Einstands- und Unterhaltungskosten dürfe man nicht aus den Augen verlieren. „Ganz ohne Pflege geht das nicht“, erläuterte Fritz im Arbeitskreis. Ob das Ziel, Lebensräume für Bienen auf diesem Weg zu schaffen, nicht zudem unverhältnismäßig teuer zu Buche schlage, fragte vor dem Hintergrund erheblicher Herstellungskosten bereits für die Flächen CDU-Ratsherr Andreas Hesse an. 

Eine Testfläche für Halver brachte Klaus Ostermann, Leiter des Baubetriebshofs, ins Gespräch. Allerdings werde es angesichts der Personalsituation des Bauhofs nicht möglich sein, zusätzliche Flächen im erforderlichen Umfang in Schuss zu halten. Zudem seien solche Versuche in der Vergangenheit bereits gescheitert aufgrund von Klagen aus der Bürgerschaft, in der alles andere als topgepflegte Vorstadt-Kleingärten bereits als komplette Verwilderung wahrgenommen würden. Doch auch Hesse konnte Ostermanns Vorschlag folgen. Demnach könnte eine Fläche am neuen Tannenweg oberhalb der Stützmauer naturnah mit Wildblumen eingesät und dann mit möglichst wenig Pflegeaufwand in Ruhe gelassen werden. 

Brachfläche bei Winkhof 

Und nicht zuletzt verständigten sich Fachleute, Verwaltung und Politik darauf, auch eine städtische Brachfläche im Bereich Winkhof in den Blick zu nehmen und sie einer ökologischen und insektenfreundlichen Entwicklung zu überlassen. 

Einsteigen werden nach Aussage von Gabriele Apelt auch Halveraner Landwirte. Um Raum für Insekten, insbesondere Bienen zu geben, wird in Teilen der Maiskulturen eine Untersaat eingebracht. Und zudem würden die Landwirte Ackerstreifen an den Äckern in eigener Regie anlegen. Etwa ein Kilometer Länge bei einer Breite von 1,50 Metern stehe dafür bereits zur Verfügung, sagte Apelt. Eine dauerhafte Unterhaltung sei allerdings durch die Bauern nicht zu gewährleisten. Hier hoffe der Landwirtschaftsverband auf Unterstützung unter Umständen aus der Bürgerschaft. 

1,5 Hektar mit Wildblumen 

Auch Bio-Bauer Henning Wolf aus Oberbrügge hegt konkrete Pläne. Laut Ausschussvorsitzendem Martin Halbrügge wird Wolf rund 1,5 Hektar Fläche mit Wildblumen einsäen mit einer Mischung, die der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland hat zusammenstellen lassen.

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