Trompeten-Tobi: Retter der Blasinstrumente

Tobias Wagner, besser bekannt als Tompeten-Tobi, hat seine mobile Werkstatt in der Firma von Heribert Janz in Oberbrügge aufgebaut. Noch bis Dienstag können Musiker ihre kostbaren Instrumente dort zur Reparatur abgeben.

Oberbrügge. Eine große Industriehalle an der Oberbrügger Vömmelbach: An den Werkbänken sitzen Männer und bearbeiten akribisch die Oberflächen einiger Spritzgusswerkzeuge. Laut surren die Schleifwerkzeuge. Es riecht nach Metall und Öl. Kein Ort für wertvolle Blasinstrumente? Doch. Denn in einer Ecke hat Tobias Wagner seine kleine Werkstatt eingerichtet.

Er ist hochkonzentriert. Mit seiner schwarzen Schürze und der feinen Brille hebt er sich deutlich von den übrigen Arbeitern im Blaumann ab. Er ist tiefversunken in seine Arbeit. In dem Schraubstock vor ihm steckt auf einem besonderen Halter eine Trompete. Mit winzigem Werkzeug entfernt Wagner die Ventile. „Sie wollen nicht mehr so richtig. Ich werde mal sehen, was dort los ist“, sagt er.

Ventile, die klemmen, gehören zu seinem Alltag. Der Hamburger ist nämlich so etwas wie ein mobiler Instrumenten-Doktor. „Genauer gesagt, bin ich Metallblasinstrumentenmacher – ziemlich komplizierter Begriff, ich weiß.“ Das Problem für die klemmenden Ventile hat er mittlerweile gefunden. Ein wenig Fett wird wohl ausreichen, um das Problem zu beheben. Doch er weiß schon jetzt, nicht alle Probleme werden heute so schnell erledigt sein. Im Empfangsraum der Fabrik stapeln sich bereits die Instrumentenkoffer. Aus dem ganzen Kreis kommen Blasmusiker, um ihre kostbaren Instrumente reparieren zu lassen. Viele haben bereits sehnsüchtig auf den Besuch gewartet. Denn, so sind sie sich sicher, ein Fachmann wie Wagner ist schwer zu finden.

Sein nächster Blech-Patient ist eine Posaune, die hat es schlimm erwischt. Sorgenvoll blickt Wagner auf die Beulen. „Das ist wohl ein Sturzopfer. Da ist es nicht mit ein wenig Fett getan.“ Vorsichtig beginnt er, nach und nach die Beulen zu beseitigen. Fingerspitzengefühl ist gefragt. Schließlich soll der Klang des Instruments keinen Schaden nehmen.

Auch wenn es nicht Wagners Traumberuf ist, wie er offen zugibt, so macht er ihn doch gerne. „Ich spiele selbst Trompete. Ich weiß, wie viel Freude so ein Instrument machen kann.“ Eigentlich wollte er Tischler werden. Allerdings sei das Praktikum nicht so gut gewesen. Über sein Instrument sei er schließlich an den Beruf des Metallblasinstrumentenmachers gekommen. „Besonders viel Spaß macht mir die Arbeit mit den Kunden“, sagt Wagner.

Allerdings, so gibt der Experte zu, sei seine Arbeit manchmal auch ein wenig eintönig. Denn häufig treten die gleichen Probleme auf. Zum Beispiel seien die Züge fest oder eben die Ventile verklemmt. „Das liegt leider oft auch an mangelnder Pflege. Musikschüler lernen manchmal gar nicht mehr, auf was man achten muss“, erklärt Wagner. Blechblasinstrumente seien zwar robust, aber manchmal bräuchten auch sie ein feines Händchen. Aber zur Not gibt es ja auch immer noch den Trompeten-Tobi.

Von Lydia Machelett

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