150 Plätze für Flüchtlinge fehlen noch

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Auch das Haus Marktstraße 16 wird Unterkunft.

Halver - Die Stadt Halver rechnet damit, dass in diesem Jahr noch 150 zusätzliche Plätze für Flüchtlinge geschaffen werden müssen. Damit würden zum Ende des Jahres stadtweit 600 Plätze zur Verfügung stehen.

Den aktuellen Sachstand zu Flüchtlingszahlen und Unterbringungsmöglichkeiten fasst Thomas Gehring, Fachbereichsleiter für Bürgerdienste, in einer Beschlussvorlage zusammen, die am Donnerstag, 18. Februar, 17 Uhr im Ratssaal,  dem Ausschuss für Kultur, Soziales und Sport zur Entscheidung vorliegt.

Wie viele Flüchtlinge leben in Halver?

Zum Jahresende hielten sich 170 zugewiesene Flüchtlinge in Halver auf. Weitere 150 leben in der Notunterkunft von Kreis und Land an der Susannenhöhe. 30 Personen beträgt das Aufnahmesoll, so dass die Zahl der Flüchtlinge bei 350 lag.

Aus welchen Ländern kommen die Flüchtlinge nach Halver?

Unter den in Halver lebenden registrierten Flüchtlingen und denen, die nach Abschluss des Verfahrens geduldet und nicht abgeschoben werden, ist die größte Gruppe (51) die der Syrer. 33 kommen aus dem Irak, 27 aus Albanien, 16 aus Serbien, 14 aus Eritrea und jeweils zwölf aus dem Kosovo und dem Libanon, zehn aus Afghanistan. Jeweils fünf Flüchtlinge stammen aus Aserbaidschan und Marokko. Insgesamt kommen sie aus 26 Nationen.

Wo sind die Menschen aktuell untergebracht?

Die Stadt Halver hat bislang auf eine dezentrale Unterbringung gesetzt. Zur Verfügung stehen 270 Plätze, davon 100 am Bahnweg 6, 45 Plätze am Bahnweg 9, 45 Plätze am Kirchlöher Weg 19 und demnächst 30 Plätze im Haus Marktstraße 16. In weiteren einzeln angemieteten Wohnungen stehen 50 Plätze zur Verfügung.

Was erwartet die Stadtverwaltung für 2016 zur weiteren Entwicklung der Zahlen?

Die Kalkulation ist extrem schwierig. „Es gibt auf Bundesebene keine verlässlichen Zahlen“, heißt es in der Vorlage. NRW muss nach dem allgemeinen Schlüssel 21,2 Prozent der gesamten deutschen Flüchtlingszuwanderung aufnehmen. Der Anteil Halvers wiederum beläuft sich auf 0,1 Prozent – einer von 1000 Flüchtlingen in NRW müsste demnach in Halver untergebracht werden. Die Stadt rechnet für das Jahr 2016 mit 250 Plätzen, die neu zu schaffen sind. Bei Auflösung der Notunterkunft an der Susannenhöhe, die dem Halveraner Kontingent zugerechnet wird, müsste innerhalb von fünf Monaten Ausgleich geschaffen werden. Bei 270 vorhandenen Plätzen und einem Soll von 600 zum Jahresende fehlen danach 330 Plätze.

Wie und wo werden die fehlenden Plätze geschaffen?

Die Stadt hat im Januar das frühere Hotel Frommann erworben. Es bietet durch den Zuschnitt die Möglichkeit zur Schaffung kleiner Wohneinheitenmit vorhandenen Nasszellen. Zudem verfügt es über zwei Aufenthaltsräume und einen Küchenbereich. Auf diese Weise sollen 60 Plätze geschaffen werden. Diese Lösung verursache lediglich die Hälfte der Kosten, die bei der Anmietung von mobilen Einheiten oder Hallen entstehen würden. Der letzte Fall wird mit 15 000 Euro pro Platz und Jahr kalkuliert. Nach Aufgabe der Notunterkunft an der Susannenhöhe durch den Kreis könnte auch die leerstehende Schule als Notunterkunft genutzt werden. Bei einer dauerhaften Unterbringung von Menschen würden allerdings lediglich 80 Plätze eingerichtet werden können. Weitere 40 Plätze will die Verwaltung auf dem freien Wohnungsmarkt beschaffen, so dass 180 Plätze zur Verfügung stehen. Es bleibt ein Defizit von 150. Dafür gesucht werden freie Immobilien wie Wohnhäuser oder Gewerbehallen.

Wie wird das finanziert?

Die finanzielle Ausstattung der Kommunen ist in Verhandlungen mit dem Bund zwar verbessert worden, aber auch 2016 bei Weitem nicht ausreichend. Die Zuweisung von 10 000 Euro pro Flüchtling beziehe sich auf die Basis der am 1. Januar 2016 gemeldeten Zahlen, wonach Halver etwa 2 Millionen Euro erhalten würde. Für das vergangene Jahr gibt Gehring ein Defizit von rund 250 000 Euro an, dass ohne eine „Sonderentlastungszahlung“ noch 400 000 Euro höher ausgefallen wäre.

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