Interview mit dem Halveraner Musiker

Kultur und Corona: Wie Singer-Songwriter Binyo durch die Krise kommt

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Musiker Robin Brunsmeier (Binyo) entdeckte in der Corona-Zeit, dass durch Social Media eine ganz neue Bindung zu den Fans entstehen kann.

Halver – Noch gerade rechtzeitig vor dem Ausbruch der Corona-Krise in Deutschland brachte Robin Brunsmeier alias Binyo sein drittes Album „Das Wortwal Aquarium“ auf den Markt. Damit wollte der Musiker auf Tour gehen, doch die Pandemie durchkreuzte seine Pläne. Mit AA-Volontär Julian Witzel sprach Binyo über seine derzeitige berufliche Situation, welche positiven Aspekte er aus dieser Zeit mitnimmt und was er sich von der politischen Seite erhofft.

Robin Brunsmeier, was würden Sie gerade beruflich machen, wenn sie nicht durch die Corona-Krise ausgebremst wären?

Wir wären mit unserem aktuellen Tournee gegangen und hätten insgesamt elf Konzerte gespielt. Dabei wollten wir uns bei Veranstaltern für weitere Konzerte anbieten, um unser Netzwerk auszubauen und weitere Verbindungen zu schaffen. Das ist jetzt leider komplett flachgefallen und verschiebt sich vorerst. 

Haben Sie den Fans eine Alternative zu den Konzerten bieten können? 

Ja, wir haben für jede Stadt, in der wir gespielt hätten, einen Internetstream gemacht und somit über die sozialen Netzwerke die Konzerte gegeben. Dabei haben wir zehn Mal hintereinander unterschiedliche Songs ohne eine Wiederholung gespielt. Das war schon sehr spannend, wir konnten unsere Bandbreite zeigen und haben gleichzeitig die Leute binden können. 

Machen Sie sich Sorgen, dass ihre musikalische Karriere durch die Corona-Krise gefährdet sein könnte?

Nein, man spürt, wie wichtig den Menschen die Musik und die Kultur im Allgemeinen ist. Die Sehnsucht nach Konzerten ist sehr groß. Deswegen bin ich mir auch sicher, dass es nach Corona auch weiterhin eine große Nachfrage nach Live-Auftritten geben wird. Wir werden in Zukunft auch weiterhin Streamings anbieten, dadurch können wir die Leute über die sozialen Medien erreichen. Zudem bin ich kein Künstler, der vor 1000 Leuten auftritt, sondern eher vor 100. Dadurch kann ich auch wieder schneller auf die Bühne, das ist schon ein Vorteil. 

Was hat ihnen die Krise mit Ausblick auf die eigene Zukunft gezeigt? 

Vor allen Dingen zeigt mir die Krise, dass es wichtig ist, ein zweites Standbein zu haben. Ich unterrichte nebenbei und bin zudem einmal wöchentlich beim Naturschutzverein an der Heesfelder Mühle aktiv. Dadurch habe ich eine gewisse Sicherheit. Ich habe in den vergangenen Wochen zudem viel gelernt und dazugewonnen. 

Und was genau? 

Ich habe gemerkt, dass ich Spaß daran gefunden habe, mein Social Media Marketing auszubauen. Ich kann auf Instagram gut mit den Fans interagieren und sie mit Dingen aus meinem Leben versorgen. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich da zuvor keinen großen Spaß an dieser Sache. Aber jetzt habe ich doch gemerkt, dass ich Gefallen daran gefunden habe. Natürlich liegt es auch daran, dass ich jetzt mehr Zeit als sonst habe. 

Gibt es weitere Projekte, die Sie in der vergangenen Zeit angeschoben haben? 

Wir möchten vor allen Dingen für das Netz hochwertig produzieren und arbeiten deswegen ständig an unseren Video- und Recordingsachen. Außerdem schreibe ich gerade an einem Songbook mit den bisherigen 42 Liedern als Abschluss für die ersten drei Alben. Das soll ein Gitarrenliederbuch werden, aber bis zur Fertigstellung dauert es noch etwas. (lacht) 

Haben Sie durch die Krise auch Ideen für neue Songs bekommen? 

Ich habe schon einzelne neue Lieder, die ich auch in die Streams gepackt habe. Aber ich wollte diese Songs jetzt nicht extra produzieren. Ich wollte jetzt nicht eigens einen Corona-Song machen, davon gab es in letzter Zeit schon genug. Vielleicht wird es in fünf Jahren Lieder geben, die dennoch diesen Zeitgeist widerspiegeln. 

Abgesehen von der Musik: Wie hat Corona ihrer Meinung nach die Gesellschaft verändert? 

Ich finde, dass die Gesellschaft immer wieder lustige und auch komische Gesichter zeigt, allein die Klopapier-Geschichte war ja sehr skurril. Die Leute sind mehr in der Natur gewesen und nehmen diese jetzt auch anders wahr. Da bleibt sicherlich auch etwas hängen. Generell merkt man, wie viel soziales Engagement bringt. In dem Zusammenhang finde ich auch Denkanstöße wie das bedingungslose Grundeinkommen für jeden begrüßenswert. 

Sind Sie selber auch nicht materialistisch veranlagt?

Nein, ich sehe beispielsweise nicht den Sinn darin, mir einen Ferrari zu holen. Das hätte für mich keinen Mehrwert. Ich mache die Musik nicht, um mich finanziell zu bereichern. Ich würde lieber andere Musikprojekte anschieben und diese fördern. Eigentlich sollte am ersten Augustwochenende (1./2. August) das beliebte Music Fever Festival an der Heesfelder Mühle stattfinden. Sie sind als Mitveranstalter involviert. 

Wie ist der aktuelle Stand? Findet das Festival statt? 

Leider ist unsere ganze Planung durch Corona über den Haufen geworden worden. Es gibt keine Sicherheit, wir hängen in der Luft. Unser aktueller Stand ist, dass wir über ein Streaming-Portal Musik anbieten werden und so für einen Musikfever-Sturm im Internet sorgen werden. Leider alles ohne Zuschauer, aber wir werden das demnächst konkret ankündigen. 

Können Sie unseren Lesern als Musikexperten Tipps geben, mit welchen Alben man die konzertfreie Zeit gut überstehen kann? 

Ein grundsätzlicher Tipp ist, immer up to date zu sein. Ich gucke immer nach links und rechts und würde deswegen ungern Alben oder Musikrichtungen hervorheben, weil ich wirklich viele Genres höre. Aber für mich ist das Peter Fox Album „Stadtaffe“ schon außergewöhnlich gut, ebenso wie das Album „Bambule“ von Absolute Beginner. Die sind für mich wirklich zeitlos gut und treffen auch den heutigen Zeitgeist.

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