Schockierende Worte im Gericht

Eingetretene Türen, Erpressung: Blutstropfen verrät Täter

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Die Einbrecher gelangten durch das Einwerfen einer Fensterscheibe in das Halveraner Haus.

Mit einem vielfältigen Beweisprogramm ist der Prozess gegen die Erpresser und Einbrecher aus Altena und Halver auf die Zielgerade eingebogen: Weitere Zeugen berichteten von eingetretenen Türen, eingeschlagenen Fenstern und verschwundenem Eigentum.

Halver - Beim Anblick der Tatortfotos aus ihrer Wohnung brach eine ältere Altenaerin in Tränen aus. Sie war noch sichtlich mitgenommen von einem Geschehen, von dem sie wiederholt bemerkte, das es ihr so in ihrem Leben noch nicht passiert sei. Vieles in ihrer Wohnung sei nach dem Prinzip „Aus Alt mach Neu“ wiederaufgearbeitet worden, und sie danke Gott, dass diese Dinge nicht verschwunden waren und ihre Wohnung nicht völlig verwüstet war. Und so verabschiedete sie sich mit einer klaren Ansage: „Wiedersehen sag’ ich nicht - ich möchte nicht noch mal wiederkommen.“ 

Ihr Wohnungsnachbar hatte robustere Nerven, blieb aber auf seinem Schaden sitzen, weil sein Hausrat nicht versichert war. Ein mutwillig kaputt getretener Fernseher und die Kosten für eine eingetretene Tür schlugen stärker zu Buche als die entwendeten fünf Stangen Zigaretten, eine Flasche Jägermeister, ein Tablet-PC und ein Handy. „Ich hatte keine schlaflosen Nächte – da bin ich ein bisschen anders.“

Ein Ehepaar aus Halver war Einbruchskummer schon gewöhnt: „Es war schon das vierte Mal, dass bei uns eingebrochen wurde“, erklärte der 62-jährige Zeuge. Ihm wurden eine elektrische Gartenschere, eine Motorsäge und ein Laubgebläse gestohlen. Seine Frau vermisste ihre knapp 900 Euro teure Gleitsichtsonnenbrille. 

Angeklagter schämt sich für Tat

Freundlicherweise ließen die Einbrecher nach dem Einwerfen einer Fensterscheibe in dem Haus in Halver einen Blutstropfen zurück, was als Beweismittel bekanntlich sehr willkommen ist. Aufzeichnungen aus der Telefonüberwachung des 22-Jährigen vermittelten einen Eindruck davon, wie er in Gesprächen mit seinen Mittätern die Erpressung eines Altenaer Fabrikanten plante und vorbereitete. Ihm ging es vor der Entgegennahme von 4900 Euro darum, dass weitere falsche Zeugen bestätigen würden, dass der 61-Jährige die Freundin des Erpressers belästigt habe.

Die Gespräche vermittelten den Eindruck einer scheinbar heiteren Geschwätzigkeit, aus der diverse Gewaltandrohungen und immer wieder das f…-Wort als prominentestes Verb herausstachen. Beim erneuten Anhören veranlassten die Aufzeichnungen den 22-Jährigen immerhin zu einer Distanzierung: „Ich schäme mich – jetzt, wo ich keine Drogen mehr nehme.“

Schockierende Worte im Gerichtssaal

Das Ganze sei „ziemlich asozial“ gewesen, ergänzte er und verbarg sein Gesicht erneut auf seinen Unterarmen. Gute Gründe, sich zu schämen, hatte er auch, als ein noch ganz frischer Brief an seine Freundin verlesen wurde, den die Gefängnisverwaltung abgefangen hatte. Darin beschimpfte er eine Frau, die ihm angeblich noch 5000 Euro zurückzahlen müsse, als „kleine Heroin-Nutte“ und „Scheiß-Schulden-Opfer“. Sie müsse zahlen – „sonst stecke ich ihr eine Nadel in den Hals und schicke sie auf eine Autobahnraststätte“.

Es ist nicht die Aufgabe des laufenden Strafverfahrens zu klären, was hinter diesen Drohungen steckt. Der Angeklagte behauptete, dass er der Zeugin 5000 Euro „Urlaubsgeld“ geliehen habe, damit sie in Urlaub fliegen könne. „Wir lassen das mal so stehen“, erklärte die Vorsitzende Richterin Dr. Bettina Wendlandt, nachdem sie über diesen Luxusurlaub gestaunt hatte.

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