Die Last der Kultur auf kreative Schultern verteilen

Hand in Hand für ein starkes Kulturprogramm(v.l.): Meike von Dijk unterstützt die Vermarktung und den Druck der Programme, Ingeborg Zensen, Hauptorganisatorin, sowie Helene Schölzel, Aldona Weiß und Thomas Gehring vom Kulturreferat der Stadt.

Halver -  Täglich klingelt das Telefon bei Ingeborg Zensen. Agenten versuchen, Sie für einen neuen Künstler zu begeistern. Denn Halver ist als Spielstätte beliebt. Seit Jahren hat die Stadt im Grünen kulturell einiges zu bieten. Mehr als 20 Veranstaltungen hat Zensen bereits jetzt für 2016 geplant. Alleine ist diese Arbeit kaum noch zu schaffen.

„Kultur ist etwas Wunderbares. Ich liebe diese Arbeit“, sagt Zensen. Sie hat Kuchen gebacken, den sie mit frischgebrühtem Kaffee an einem liebevoll gedeckten Tisch serviert. Denn heute ist ein besonderer Tag. Sie stellt das neue Kulturprogramm für das zweite Halbjahr vor. Die Vorfreude ist ihr ins Gesicht geschrieben. „Wir haben wirklich wieder tolle Künstler. Zum Beispiel Lisa Fitz. Von der war ich ja erst einmal gar nicht überzeugt“, erzählt Zensen. Der Agent der Kabarettistin habe sie angerufen. „Aus dem Fernsehen gefiel sie mir nicht so. Aber ich habe sie mir trotzdem angeschaut und war begeistert.“ Für Zensen ist es unvorstellbar, einen Künstler nach Halver einzuladen, den sie vorher nicht schon einmal selbst live gesehen hat.

„Ausschnitte aus dem Fernsehen täuschen. Die Künstler sind dort brillant. Können aber auf der Bühne wirklich nur diese 15 Minuten. Es kam schon vor, dass ein Künstler, der im TV umjubelt ist, mich mit seinem ganzen Programm so gelangweilt hat, dass ich einfach gegangen bin“, verrät sie.

Das ganze Jahr über ist sie auf der Suche nach begabten Künstlern, die – und das ist die große Herausforderung – auch ins Budget passen. Denn in Zeiten knapper Haushaltskassen sei auch im Kulturbereich Sparen angesagt.

Das derzeitige Programm ist das sechste, das Zensen in enger Absprache mit dem Kulturamt der Stadt Halver erstellt hat. „Es ist ein absoluter Traumjob. Wäre er bezahlt, würde ich dafür sogar meine Stelle an der Realschule an den Nagel hängen.“ Dabei war Zensen erst gar nicht so überzeugt, ob sie wirklich die Richtige für den Job ist. Als ihr Vorgänger Erhard Fipper angekündigt habe, nach mehr als 20 Jahren die Arbeit an den Nagel zu hängen, habe sie Angst bekommen, dass die Kultur einschlafe. Ein Nachfolger war nicht in Sicht. „Irgendwann stand ich mit Bernd Eicker am Tresen und fragte: ,Du, soll ich das mal machen?‘ Und schon hatte ich den Job.“

Es habe eine ganze Weile gedauert, bis sie richtig eingearbeitet war. Zu viel galt es zu beachten. Schließlich sei sie Lehrerin und keine Musik- oder Theaterexpertin.

„Es wäre schon eine große Erleichterung für mich, wenn sich vielleicht eine Art Freundeskreis bilden würde“, sagt Zensen. Denn auf Dauer könne sie die Arbeit alleine wohl nicht stemmen, zumal es immer mal passieren könnte, dass es vielleicht auch die Gesundheit nicht zulässt. „Passieren kann immer etwas“, so Zensen.

Es wäre also schon eine große Hilfe, wenn wenigstens ein ehrenamtlicher Unterstützer zu finden wäre. „Derjenige könnte ja langsam in die Aufgaben hereinwachsen“, sagt die Kulturbeauftragte. Noch besser fände sie allerdings eine ganze Gruppe. So könnte jeder seine Stärken dort einbringen, wo sie am hilfreichsten sind. Sei es bei der Organisation der Veranstaltungen vor Ort, bei der Planung oder bei der Betreuung der Künstler.

„Kultur ist wichtig für eine Stadt. Sie ist ein weicher Standortfaktor, der nicht zu unterschätzen ist. Und wenn wir Fachkräfte und Familien nach Halver locken wollen, müssen wir eben auch etwas bieten“, betont Zensen.

Von Lydia Machelett

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