Halver – laut LWL-Karte eine Stadt im Bergischen

Links der punktierten Linie befindet sich das Bergische Land (22): Die Karte zeigt, dass Halver mitnichten eindeutig zum Märkischen Sauerland zählt. ▪ LWL

HALVER ▪ Nein, es handelt sich nicht etwa um einen verspäteten Aprilscherz. Rösrath, Engelskirchen und Halver vereint etwas, das nicht wenige Einheimische überraschen dürfte: Alle drei Städte gehören dem Bergischen Land an. Zumindest, wenn man einer Karte der Kulturlandschaften Glauben schenkt, die im Auftrag der Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) erarbeitet wurde.

Wo ist noch Westfalen, wo beginnt das Rheinland? In den Köpfen hat sich die Grenze zwischen protestantisch und katholisch geprägten Gegenden seit Jahrhunderten festgesetzt – Halveraner kennen die Demarkationslinie zwischen Anschlag und Kreuzberg ganz genau. Und mit dieser Grenze galt auch die räumliche Trennung von Sauer- und Bergischem Land als unumstößlich. Doch die neue Karte rüttelt nun an diesem Weltbild. Die Ämter für Archäologie, für Denkmalpflege und für Kulturlandschaftspflege haben ein Gutachten erstellt, das der „Landesplanung in Nordrhein-Westfalen“ dienen soll. Den Anlass lieferte laut Udo Woltering vom LWL die Fortschreibung des Landesentwicklungsplanes in seiner letzten Fassung aus dem Jahr 1995. „Gerade für die Landesplanung besteht die Aufgabe darin, dem Verlust an Eigenart und Charakter der Kulturlandschaften zu begegnen“, schreibt Woltering in der aktuellen Ausgabe des Magazins „Heimatpflege in Westfalen“, das vom Westfälischen Heimatbund herausgegeben wird.

Das ganze Land wurde anhand von Kriterien wie naturräumlicher Gliederung, Landschaftsbild, Siedlungstypen, Baukultur et cetera analysiert und in 32 Kulturlandschaften gegliedert. Die Überraschung: Ein Großteil des Halveraner Stadtgebiets gehört demnach dem Bergischen Land an – nur die äußersten östlichen und nordöstlichen Bereiche (Oberbrügge, Halverscheid, In der Hälver) zählen laut LWL-Definition zur Region des Märkischen Sauerlands, das gemeinsam mit dem Kölnischen Sauerland bis nach Winterberg eine kulturlandschaftliche Einheit bildet.

Schwenke, im äußersten Westen Halvers gelegen, zählt kartographisch sogar zu einem der „bedeutsamen und landesbedeutenden Kulturlandschaftsbereiche“, denen im Gutachten ein eigenes Kapitel gewidmet wird: Als kulturhistorisch besonders wertvoll wird nämlich die Region um Radevormwald mit ihren zahlreichen Schlackenhalden und Rennfeueröfen eingestuft. Dazu zählt auch das Gebiet um Schwenke – die Geschichte der alten Zeche Anna-Ida-Glück war in den vergangenen Jahren immer wieder Bestandteil von Forschungen. Hobby-Montanarchäologe Karsten Binczyk hat im Oktober 2005 an die Entstehungsgeschichte der Erzstollen erinnert: Der Grubenbesitzer habe aufgrund von Indizien wie Rennfeuern und Schlackehalden Eisenerz im Boden vermutet. Jene alten Rennfeuerstätten gelten als besonderes Merkmal der „bedeutsamen“ Kulturregion bei Radevormwald. ▪ Frank Zacharias

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