Kleine Jecken übernehmen das Kamelle-Kommando

„Kamelle, Kamelle“, riefen die Kinder und sofort flogen die Bonbons durch die Luft und in die Tüten der Kinder.

Oberbrügge - Kamelle, Helau und Alaaf: Ausnahmezustand in Oberbrügge. Hunderte kleine Jecken übernahmen am Dienstag das Kommando auf den Straßen. Wer ihnen entkommen wollte, musste zahlen – und zwar mit Süßigkeiten.

Von den Anwohnern wurden die Kinder schon sehnsüchtig erwartet – und sie waren gut vorbereitet. Bonbons und Schokolade standen auf den Terrassen und vor den Türen bereit. Denn seit Jahren ziehen die Kinder der Grundschule und des Kindergartens „St. Georg“ am Veilchendienstag durch die Straßen.

Die kleinen Narren waren mächtig aufgeregt, so auch Lisa. Die Fünfjährige ist zum ersten Mal dabei. Als Löwe verkleidet und mit einem großen Jutebeutel um den Hals, wartete sie auf den Start. Was sie genau erwartet, wusste sie noch nicht. „Mama hat gesagt, die Leute werfen Bonbons und wir müssen die dann suchen“, erklärte sie. Ganz anders Lukas: Der Viertklässler ist schon ein echter Profi und hat gemeinsam mit seinen Kumpels eine Kamelle-Strategie erarbeitet: „Am besten geht man ganz vorne oder ganz hinten. Da bekommt man die meisten Bonbons“, sagte er und drängte sich ganz dicht vor die Absperrung.

Dann ging es endlich los. Mit Karnevalsmusik im Gepäck ging es auf die gut zweistündige Tour durch die Straßen von Oberbrügge. Schon nach wenigen Metern wurde der Zug von den Anwohnern erwartet. Binnen Sekunden flogen die ersten Süßigkeiten durch die Luft. Patrik hatte direkt eine gewinnbringende Idee. Er hielt einfach seinen großen Cowboyhut in die Luft und fing so auf Anhieb zahlreiche Bonbons.

Karnevalsumzug der Kinder durch Oberbrügge

Wenige Meter weiter flogen die Kamelle vom Balkon eines Wohnhauses. Den hatten die Bewohner extra bunt mit Luftschlangen geschmückt. Im Kostüm und mit jeder Menge guter Laune begrüßten sie die Kinder. Sofort kam der Ruf „Kamelle, Kamelle“ – und gepaart mit den Kindern in süßen Kostümen konnte dem wohl niemand widerstehen. Und so flogen erneut Süßigkeiten durch die Luft. Mittlerweile wurden die Beutel der Kinder im voller und schwerer. Ganz schön anstrengend war es, den Burgweg hinauf zu laufen. Gut, dass einige Eltern und Großeltern mit dabei waren, sie wurden kurzerhand zum Tragen engagiert. „Oma halt mal, dann kann ich schneller die Bonbons sammeln.“ Mike fand, dass er mit der großen Tüte zu unbeweglich war. „Ich stecke die solange in meine Taschen. Zwischen den Häusern komme ich dann zum Ausleeren“, erklärte der kleine Spiderman seiner Oma die Taktik. Und so wurde der Karnevalsumzug auch ein Lehrstück in Sachen Bonbon-Logistik: Je weiter es ging, desto einfallsreicher die Kinder.

„Wenn man ganz hinten oder bei den kleinsten Kindern geht, haben die Leute immer Mitleid, dann bekommt man die Bonbons manchmal sogar direkt in den Beutel.“ Diese Erkenntnis stammt von Daniel, dem kleinen Drachen. Lisa hingegen sind Taktik und Logistik völlig egal. Die Fünfjährige ist begeistert. Für sie ist der Umzug ein großes Abenteuer. Mittlerweile hatte die Kleine ihre Scheu verloren und kämpfte sich ganz nach vorne. „Aber wenn ich alle Bonbons esse, bekomme ich bestimmt Bauchweh“, sagte sie. Doch das war erst einmal egal. Vielleicht, so überlegte sie, gibt sie ja ihrem Bruder auch ein Bonbon ab.

Von Lydia Machelett

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