Gedächtnistraining mit Suppengrün und Kartoffeln

Der Besuch auf dem Wochenmarkt war für Martha Gläser und Emmi Weinem ein tolles Erlebnis. Einen ganzen Korb voller Obst und Gemüse kauften sie ein. - Fotos: Machelett

Halver - Die Farben, die Gerüche, das Stimmgewirr: All das weckt bei Martha Gläser und Emmi Weinem Erinnerungen. Die beiden Seniorinnen besuchten am Freitag den Wochenmarkt. Nicht selbstverständlich, denn eigentlich leben die Frauen im Haus Waldfrieden. Die Einkaufstour war ein besonderes Erlebnis.

Gläser und Weinem sind schon ein bisschen aufgeregt. Sie haben sich hübsch gemacht – ganz so wie früher. Damals haben sie das auch so gemacht, bevor sie auf den Markt gingen. „Der Besuch auf dem Wochenmarkt war schon etwas Besonderes für mich“, verrät Gläser. All zu oft sei man nämlich gar nicht in die Stadt gegangen. Alles, was man brauchte, wuchs daheim im Garten.

Heute soll es eine kräftige Erbsensuppe in der Pflegeeinrichtung geben. Gläser und Weinem haben den Auftrag, frische Zutaten zu besorgen. Begleitet werden sie dabei von Gisela Koch vom sozialen Dienst des Hauses. „Wir haben zuvor überlegt, was wir für eine Suppe alles brauchen“, erklärt sie. Die Einkaufsliste ist lang. Unter anderem sollen die Frauen für das Suppengemüse sorgen.

Einkaufen und Kochen wie früher

„So ein Besuch auf dem Markt hat für uns nicht nur einen Beschäftigungs-Aspekt. Das ist für die Senioren Gedächtnis- und Erinnerungstraining“, erklärt Koch. Die vielen Einflüsse auf dem Markt würden Erinnerungen an ihr früheres Leben wecken. „Schon auf dem Weg hier her haben mir die beiden erzählt, was sie früher eingekauft und gekocht haben“, freut sich Koch.

Eingehakt in den Arm der anderen geht es los. „Ein wenig langsamer als früher“, wie die beiden zugeben. Die Stände locken mit ihren Gerüchen und Angeboten. Doch erst gilt es, den Auftrag auszuführen und für das Mittagessen einzukaufen. Zielstrebig geht es zum Gemüsestand. „Was brauchen wir denn alles?“, fragt Koch. Lange überlegen müssen die beiden Senioren nicht. Sie sind echte Suppenexperten. „Petersilie, Möhren, Knollensellerie und Steckrüben“, sagt Gläser. „Und Porree“, ergänzt Weinem. Aber letzterer ist gerade ausverkauft. „Ist ja klar, Samstag ist bei vielen Suppentag. Das war bei uns auch immer so“, sagt Gläser.

"Kartoffeln muss man immer im Keller haben"

Vergnügt beobachtet die Betreuerin die rege Diskussion zwischen den beiden Frauen. Genau das ist es, was sie erreichen wollte. Völlig selbstverständlich führen sie Gespräche. „Es ist wichtig, dass wir solche Diskussionen immer wieder anregen und für Abwechslung und Gesprächsstoff sorgen“, sagt Koch. Daher fahre sie, sofern es das Wetter zulässt, jede Woche mit einzelnen Bewohnern auf den Markt. „Wichtig ist, dass der Markt oder das Geschäft nicht zu groß ist. Zu viele Reize dürfen es nicht sein. Hier in Halver ist das optimal – auch was die Mischung betrifft“, erklärt die Mitarbeiterin des sozialen Dienstes.

Derweil sind die beiden Senioren in ihre Gespräche vertieft. „Das Wichtigste waren immer Kartoffeln. Die musste man immer im Keller haben“, sagt Gläser. Daraus habe sie alles gemacht, was vorstellbar sei: „Bratkartoffeln, Kratoffelbrei und Kartoffelsalat“, erzählt sie weiter. „Und natürlich Kartoffelpuffer, die haben sie bei mir immer besonders gerne gegessen“, ergänzt Weinem. Beide Frauen sind sich einig, dass die Sachen damals, aus dem eigenen Garten, besser geschmeckt haben als die aus der Tiefkühltruhe.

Ein kleines Mutter-Tochter-Treffen zum Abschluss

Noch ein kleiner Abstecher zum Obst und dann geht es auch schon zurück. Die Zeit drängt. Schließlich muss das ganze Gemüse auch noch verarbeitet werden. „Geben Sie mir den Korb, der ist doch viel zu schwer“, sagt Gläser zu Koch. Zupacken kann die Seniorin heute offensichtlich noch genauso gut wie früher. Das sind die Momente, in denen Koch lächeln muss. „Es ist schön zu sehen, wie gut gelaunt die Senioren bei so einem Ausflug sind.“

Auf Emmi Weinem wartet dann noch eine Überraschung. Durch Zufall trifft sie ihre Tochter auf dem Markt. „Das haben wir oft, dass die Bewohner hier Bekannte oder Familienangehörige treffen. Das genießen sie dann so richtig. Dann sind sie nämlich wieder mitten drin.“

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