„Wir wollen eine Sekundarschule ohne Geburtsschmerzen“

Karl-Friedrich Osenberg.

HALVER - „Ich glaube, ich war auf einer anderen Sitzung.“ Karl-Friedrich Osenberg, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Halveraner Rat, zeigte sich von der Stellungnahme des Bürgermeisters zur Sekundarschul-Zukunft überrascht. Und auch der Überschrift unserer Zeitung („Sekundarschule liegt auf Eis“) konnte er nichts abgewinnen.

Denn: „Es war eine Sitzung des Aufbruchs“, erinnert er sich an die Zusammenkunft der Fraktionsspitzen am Montagabend, die sich in nichtöffentlicher Runde getroffen hatten.

Obwohl sich die Befürworter der Sekundarschule sicher seien, dass ein Anmeldeverfahren mindestens 75 Fünftklässler für das kommende Schuljahr zur Folge hätte, wolle man diese Schulform nicht „einfach durchdrücken“, so Osenberg. Denn: „Ein Schulkampf in Halver wäre der ganzen Sache nicht dienlich.“

Eine Verschiebung des Schulstarts auf das Jahr 2015/16 bedeutet für den Fraktionssprecher außerdem keineswegs ein Einlenken auf Kritiker-Positionen oder gar eine Niederlage der Sekundarschul-Befürworter. Bezogen auf den Wunsch des Bürgermeisters, einen Konsens zu erzielen, sagte Osenberg: „Unter Konsens verstehe ich nicht, dass alle zustimmen, sondern dass wir eine insgesamt größere Zustimmung erfahren.“ Grundsätzlich würden weiterhin alle Befürworter zur Teilintegration und zum Ganztagsmodell stehen. Doch sei es von hoher Bedeutung, den Sinn dieses Konzeptes besser darzustellen. „Es gab eine intensive Analyse. Und dabei haben wir festgestellt, dass vieles nicht vermittelt wurde. Man hat nicht genügend auf berechtigte und auch kritische Fragen der Elternschaft reagiert.“ Und: „Es wurde eine ganz schlechte Öffentlichkeitsarbeit gemacht.“

In Vorbereitung auf einen Sekundarschulstart 2015/16 gelte es nun, sich intensiver mit den Ängsten von Eltern und Lehrern – insbesondere an der Realschule – auseinanderzusetzen. Dabei dürfe allerdings nicht die reale Notwendigkeit eines Sekundarschulkonzeptes, wie es nun vorliegt, aus den Augen gelassen werden. Denn nach jetzigem Stand der Dinge, werde bereits im kommenden Jahr keine Hauptschulklasse mehr gebildet werden können – die für diese Schulform in Frage kommenden Schüler würden dann wohl die Realschule besuchen, vermutet der Grüne. „Die Realschule kann aber unter den jetzigen Bedingungen die großen Herausforderungen einer noch bereiten Spreizung der Unterrichtsanforderungen nicht erfüllen.“ Das Erfolgsmodell könne allein aufgrund der Lehrkräfteverteilung (Stichwort: Unterrichtsausfall) nicht länger aufrecht erhalten werden. Für Karl-Friedrich Osenberg steht fest: „Die Realschule wird nicht mehr die Schule sein, die sie in der Vergangenheit war.“

Von Frank Zacharias

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