Langsamer Abschied der Telefon-Dinosaurier

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Die stilvolle, wenn auch etwas heruntergekommene Telefonzelle aus Hautmont ist seit langem nur noch eine leere Hülle.

HALVER - Sie wirken wie Dinosaurier einer längst vergangenen Telekommunikations-Epoche: Telefonzellen sind Überbleibsel einer Gesellschaft, in der Mobiltelefone noch keine Rolle spielten. Doch mit dem Siegeszug der Handys sank nach und nach auch die Bedeutung der „öffentlichen Fernsprecher“. Nur noch sechs stehen den Halveranern in der Innenstadt zur Verfügung - Tendenz fallend.

Laut George McKinney, Pressesprecher der Deutschen Telekom, verfügt jeder Deutsche im Durchschnitt über 1,3 Handys. Und das wirke sich natürlich auf die Nutzung der Telefonzellen aus. „Es ist einfach so, dass selbst der Großteil der Notrufe mittlerweile von Handys und nicht mehr vom Festnetz abgesetzt werden“, sagt McKinney. Dabei sind es insbesondere die Notfall-Telefonate, die manchen Standort noch retten: Sie veranlassen einige Kommunen dazu, sich gegen einzelne Abbau-Pläne des „magenta Riesen“ aus Bonn zu wehren. „Diesen Gedanken führen auch wir in den Gesprächen immer wieder an“, sagte etwa Peter Kaczor, der in der Stadtverwaltung mit dem Thema betraut ist.

Dennoch musste er zuletzt im vergangenen Jahr mit der Telekom über die Aufgabe eines Standorts sprechen: So bedauert Peter Kaczor, dass das Unternehmen den Fernsprecher an der Bahnhofstraße deinstalliert hat - ausgerechnet in der wohl schönsten Zelle Halvers: einem Häuschen aus der Partnerstadt Hautmont. „Die Umsätze waren so marginal, dass sich ein weiterer Betrieb für die Telekom einfach nicht gelohnt hat“, so Kaczor, der diesen Schritt betriebswirtschaftlich verstehen könne. Und immerhin sei als Ausgleich die Telefonsäule am Alten Markt eingerichtet worden - sogar, wie bereits im AA berichtet, mit einem so genannten Hotspot, der das mobile Internetsurfen per schnellem Drahtlos-Netzwerk ermöglicht. Auf diese Möglichkeit weist auch Peter Kaczor die Halveraner nur zu gerne noch einmal hin, denn: „Wenn sich dieser Standort für die Telekom auch nicht rechnet, wird sie wahrscheinlich auch dort Konsequenzen ziehen müssen.“

Dies gilt laut Telekom-Sprecher McKinney generell für sämtliche der offiziell rund 50 000 Telefonzellen und -säulen im gesamten Bundesgebiet. „Wir haben nur ein Kriterium: Der Kunde entscheidet mit seiner Nutzung darüber, ob ein Standort bleibt oder nicht bleibt.“ Die Telekom, nach kurzem Aufbäumen einzelner Wettbewerber größter Anbieter in diesem Bereich, könne den Kommunen detailliert die Umsätze der einzelnen Geräte darstellen. „Wenn die dann nur einstellig sind, rechnet sich das nicht mehr“, sagt George McKinney. Schließlich gehöre zum Anschluss einer Telefonzelle auch Strom, Reinigung und Pflege - sowie Reparatur, wenn einmal mehr Rowdys ihr Unwesen getrieben haben.

Rechtlich sei die Telekom nicht verpflichtet an neuralgischen Punkten Fernsprecher aufzustellen. Laut einer Vereinbarung mit der Bundesnetzagentur müsse das Unternehmen lediglich ein „bedarfsgerechtes Netz“ an öffentlichen Fernsprechern zur Verfügung stellen, so George McKinney - und dieser Vereinbarung komme der Konzern natürlich nach. So werde beim Veto einzelner Kommunen nicht der Telefonanschluss stillgelegt, sondern: In der Unterhaltung weitaus günstigere Säulen, wie die am Alten Markt, ersetzen dann die Telefonzellen.

Doch einige werden auch ersatzlos gestrichen - wie in Anschlag und Schwenke geschehen. Wer in Halver ohne Handy unterwegs telefonieren will, kann dies noch an der Mühlenstraße/Ecke Kantstraße, am Berliner Platz, am Alten Markt, an der Von-Vincke-Straße (Zufahrt Bürgerzentrum), zwischen Rathaus und Einkaufszentrum und an der Hagedornstraße/Ecke Oesterberg. - Frank Zacharias

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