Mitgliederzahlen gehen zurück

Immer weniger Christen - die Entwicklung in Halver

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Die Anzahl der Mitglieder in den Kirchengemeinden schrumpft.

Halver - Die Mitgliederzahlen in der Katholischen und in den Evangelischen Kirchengemeinden sind gesunken. Auch Halver ist von dieser Entwicklung betroffen.

In der Katholischen wie in den Evangelischen Kirchengemeinden in Halver ist die Zahl der Gemeindemitglieder im vergangenen Jahr zurückgegangen. Damit einhergehend wurden auch weniger Trauungen, Kommunionen und Konfirmationen gefeiert. 

Die Pfarrei Christus König ist zwar die flächenmäßig größte Pfarrei des Bistums Essen, gehört aber aufgrund ihrer Lage in einem dünn besiedelten Gebiet und des geringen Katholikenanteils der Einwohner zum Schlussfeld bei der Katholikenzahl, wie dem Jahresbericht des Bistums zu entnehmen ist. Demnach gab es 2018 in Halver und Oberbrügge 2815 Katholiken. 

2851 Katholiken in Halver und Oberbrügge

Für die gesamte Pfarrei Christus König, die insgesamt fünf aktive Standorte umfasst (Halver,Oberbrügge, Schalksmühle, Breckerfeld und Hagen-Dahl) zählte das Bistum 7899 Katholiken, 115 weniger als noch 2017. 

Auch die Evangelische Kirchengemeinde Halver ist im vergangenen Jahr kleiner geworden und zählte noch 5668 Gemeindemitglieder – 2017 waren es noch 5803. Die Evangelische Kirchengemeinde Oberbrügge präsentiert sich da momentan konstanter. 2018 zählte sie 1018 Gemeindemitglieder – lediglich zwei weniger als im Vorjahr. 

Es sei nichts schön zu reden

An der Gesamtentwicklung, dass Gemeinden Mitglieder verlieren, gebe es nichts schönzureden, aber die Gründe dafür seien komplex, sagt Matthias Willnat, Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim Evangelischen Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg, zu dem die Evangelische Kirchengemeinde Halver gehört. Der demografische Wandel, also dass es mehr Sterbefälle als Taufen gebe, sei ebenso ein Faktor wie der Umstand, dass es mehr Austritte als Eintritte gebe. 

Nicht alle Verluste sind Austritte

Allerdings seien nicht alle Verluste einer Gemeinde – etwa die 135 Gemeindemitglieder, die Halver von 2017 auf 2018 verloren habe – durch Austritte zu begründen. Es gibt noch einen weiteren Grund. „Es ziehen weniger Leute ins Sauerland als wegziehen“, sagt Willnat. Der Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg sei davon stärker betroffen als andere Kirchenkreise. „Das ist ein großes Problem, mit dem die Kirchengemeinden zu kämpfen haben.“ 

Die Zahl der Gemeindemitglieder gehe seit Jahren stetig zurück, mit durchschnittlich 60 pro Jahr, bestätigt Pfarrer Martin Pogorzelski. Das sei ein allgemeiner gesellschaftlicher Trend. „Wir merken aber, dass die Besucherzahl in den Gottesdiensten eher kontinuierlich gestiegen ist.“ 

Die durchschnittlichen Besucherzahlen für die Evangelische Kirchengemeinde Halver sind mit 120 im Zeitraum von 2017 bis 2018 konstant – für die Evangelische Kirchengemeinde Oberbrügge liegen keine Zahlen zu den Gottesdienstbesuchern vor. Pressereferent Willnat weist allerdings darauf hin, dass es schwierig sei, die Besucherzahl zu ermessen. Auch laut Pfarrer Martin Pogorzelski seien die Zahlen der Zählsonntage nur bedingt aussagekräftig. 

Moderne Gestaltung ist eine Herausforderung

In manchen Gottesdiensten habe man nur 100, in anderen 150 bis 200 Teilnehmer. Man versuche, mit besonderen Gottesdiensten insbesondere auf Familien zuzugehen und das werde auch gut angenommen. „Bei Gottesdiensten für Familien und Jugendliche sind die Besucherzahlen sogar steigend, das ist eine interessante Entwicklung“, sagt Pogorzelski. Bei denen, für die die christliche Botschaft eine große Rolle spiele, steige die Identifikation mit der Gemeinde. „Aber es ist eine Herausforderung, eine moderne Gestaltung der Gottesdienste und des Gemeindelebens zu haben, ohne dass dabei die Inhalte flacher werden.“ 

Bei der Teilnahmequote an den Gottesdiensten gehört die Pfarrei Christus König innerhalb des Bistums Essen zum Schlussfeld und landet auf Rang 40 von 42. Im Schnitt der jeweils zwei Gottesdiensttermine nahmen 370 Personen an den Gottesdiensten an allen fünf Standorten der Pfarrei teil. Das sind gerade einmal 4,7 Prozent der Katholiken, im Vorjahr nahmen noch 5,8 Prozent der Katholiken oder 464 Personen an den Gottesdiensten in der Parrer teil. 

Massiver Abfall in Christus König

Der massive Abfall ist allerdings überwiegend auf die Standorte in Breckerfeld, Schalksmühle und Hagen-Dahl zurückzuführen. Die Kirche Christus König mit durchschnittlich 102,5 Teilnehmern der bestbesuchte Standort der Pfarrei (2017: 104). In St. Georg Oberbrügge verzeichneten die Gottesdienste durchschnittlich 43 Teilnehmer (2017: 44). Weniger Menschen in den Gemeinden bedeutet auch, dass weniger Amtshandlungen durchgeführt werden. Wie schon bei der Gottesdienstteilnahme rangiert die Pfarrei Christus König auch bei Trauung, Taufe und Erstkommunion auf den hinteren Plätzen im Bistum Essen. 

Bezogen auf die Katholikenzahl ist die Quote der Erstkommunionen unterdurchschnittlich hoch, hier kommt die Gesamtpfarrei 2018 noch auf Rang 30. 2015 war Christus König noch Spitzenreiter bei der Quote der Erstkommunionen. 47 Erstkommunionen gab es 2018 in der Gesamtpfarrei, zwölf davon in der Kirche Christus König Halver; immerhin zwei mehr als 2017. Zehn Kinder wurden 2018 am Halveraner Standort getauft sowie fünf am Oberbrügger Standort St. Georg. 41 Taufen waren es 2018 in der gesamten Pfarrei, innerhalb des Bistums Essen ein weit unterdurchschnittlicher Wert mit Rang 35 von 42. Ähnlich sieht es bei der Trauungsquote aus (Rang 37). 

Weniger Trauungen und Taufen

In der gesamten Pfarrei gab es acht Trauungen, drei weniger als 2017. Drei Trauungen wurden am Standort Christus König Halver durchgeführt, zwei weniger als im Vorjahr. Mit 37 Firmungen dagegen belegt Christus König mit seiner Quote einen Platz in der Spitzengruppe (Rang 5). Bei den Protestanten zeigt sich ein differenziertes Bild. In der Evangelischen Kirchengemeinde Halver gab es 2018 fünf Trauungen, 2017 waren es neun. Die Zahl der Taufen sank im gleichen Zeitraum von 47 auf 35 und die der Konfirmationen von 56 auf 40. Anders sieht es dagegen in der Evangelischen Kirchengemeinde Oberbrügge aus. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Taufen gegenüber 2017 von 8 auf 9, die der Konfirmationen von 8 auf 19. Außerdem gab es zwei Trauungen, im Vorjahr hatte es dagegen keine gegeben.

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