Ratsmehrheit macht Druck beim Thema Kindervilla

+
Die Politik baut Druck auf: Die Stadtdirektorenvilla soll Kindervilla werden.

Halver - Eine breite Ratsmehrheit macht Druck zur Umwandlung der sogenannten Stadtdirektorenvilla zur Kindervilla. Geplant ist neben einer Großtagespflege eine Offene Kinder- und Jugendarbeit als tägliches Angebot für Kinder zwischen fünf und elf Jahren.

Für Kinder dieser Alterslage gebe es seit dem Umzug des Jugendzentrums ins Jugendcafé Aquarium keinerlei Angebot. Der Junior-Tag, der mit zwei Stunden in der Woche im neuen Bürgerzentrum angeboten werde, sei völlig unzureichend, werde nicht angenommen und sei reine Alibi-Veranstaltung, so die Feststellung der Initiatoren. 

Das müsse und werde sich mit der Installierung des Offenen Kindertreffs grundlegend ändern. Antragsteller sind die Fraktionen von CDU, UWG, Grünen und FDP, die bereits im September die Initiative in diese Richtung ergriffen hatten. Geschehen sei bis dato nichts, so die Kritik bei der Vorstellung des Antrags, der am Mittwoch im Rathaus eingereicht wurde.

 Die Initiative bedeutet zugleich, das eine zweite Großtagespflege in dem Gebäude nicht eingerichtet würde, wie es zurzeit in der Verwaltung in Erwägung gezogen wird. Konkret geht es um Folgendes: 

  • Die alte Stadtdirektorenvilla wird unter Berücksichtigung der folgenden Punkte zur Kindervilla umgebaut. 
  • Im Erdgeschoss des Hauses wird ein Kindertreff mit Offener Kinder- und Jugendarbeit eingerichtet. Zielgruppe sind Schulkinder von fünf bis elf Jahren. 
  • Im Obergeschoss wird eine Großtagespflege installiert.
  • In den Gebäudekomplex wird eine öffentliche Toilette für den neuen zentralen Spielplatz integriert. 
  • Dem Jugendamt und dem Jugendhilfeausschuss des Märkischen Kreises wird empfohlen, mit der Umsetzung beider Projekte – Offene Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) und Großtagespflege – die gemeinnützige Sentiris GmbH Halver zu betrauen. 
  • Die Projektumsetzung beginnt unverzüglich, sobald die finanziellen Mittel aus dem Haushalt 2019 zur Verfügung stehen. Eingeplant sind 380 000 Euro. 
  • Prüfung der Einrichtung einer weiteren Großtagespflege durch andere Kita-Träger in Halver, möglicherweise eine Großtagespflege im alten Jugendzentrumsgebäude. 

Die bisher in Halver angebotene offene Jugendarbeit umfasst eine Größenordnung von 26,5 Stunden. Mittelfristig soll es Ziel sein, einen vergleichbaren Umfang auch für Kinder zwischen fünf und elf Jahren an fünf oder sechs Tagen anbieten zu können, für die in der Stadt Halver nichts Entsprechendes vorgehalten wird. Das Angebot passe in das gesamte Quartierskonzept mit dem neuen zentralen Spielplatz und auch der Tagespflege im ersten Stock. Zurzeit wird das Gebäude noch vom Pflegedienst „In guten Händen“ genutzt.

Die personelle Ausstattung könne gewährleistet werden über den Märkischen Kreis, der Personalstellen entsprechend einem sogenannten Einwohnerwert bereitstellt. Wie die Kommunen diese Stellen aufteilen, entscheiden sie weitgehend eigenständig. Die Versorgung der Kinder dieser Alterslage ist per Gesetz kommunale Pflichtaufgabe. „Wir investieren Unsummen in Steine. Aber warum investieren wir nicht in Kinder?“, fragt Sabine Wallmann aus der UWG-Fraktion.

Begierig auf Zuwendung und soziale Kontakte

Nach der Schließung des Kindertreffs am Jugendheimplatz sei eine Generation von Kindern in Halver aufgewachsen, die von derartigen städtischen Angeboten nie habe Gebrauch machen können. Dabei seien Kinder in dieser Alterslage begierig auf Zuwendung und soziale Kontakte. „Die wollen doch gar keine Ballerspiele an der Playstation.“ Wie die Angebote aussehen könnten, ist durchaus offen.

Die Antragsteller erhoffen sich die Beteiligung von Vereinen, Gemeinden und anderer Institutionen, die sich an der Mittelstraße einbringen könnten. Wichtig sei aber, dass es sich um kein festes Betreuungsangebot handele, bei dem die Kinder abgegeben und zu einer festen Uhrzeit wieder abgeholt würden. 

Neuland beschreiten wollen die Antragsteller mit der Großtagespflege, die im ersten Obergeschoss untergebracht werden soll. Sie sollte eine verlässliche Betreuung gewährleisten durch die Übertragung an einen freien Träger. Im Märkischen Kreis wäre diese eine Premiere. Üblicherweise werden Tagespflegeplätze privat angeboten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare