Über das Leben zwischen Grenzen

Faten Mukarker berichtete am Mittwoch über das Leben zwischen Grenzen, über das sie 1998 ein Buch veröffentlichte.

Halver - „Wir sind die Opfer: die Zivilisten – in Israel und bei uns.“ Über das Leben zwischen Grenzen, über das sie 1998 ein Buch veröffentlichte, berichtete die christliche Palästinenserin Faten Mukarker am Mittwochabend im Gemeindezentrum der Nicolai-Kirche aus erster Hand.

Auf großes Interesse stieß der Begegnungsabend mit der in Deutschland aufgewachsenen Reiseleiterin, die Touristengruppen die Sehenswürdigkeiten von Bethlehem – voran die Geburtskirche – zeigt. „Wir nennen sie Kirche-rein-raus-und-wieder-weg-Touristen“, dazu die Friedensaktivistin. Vor voll besetzten Rängen hieß Presbyterin Beate Turck die Referentin, die sich derzeit auf Vortragsreise durch Deutschland befindet, in Halver willkommen. Sie komme aus Lüneburg und fahre nach Marienheide weiter. Seitens des Arbeitskreises Deutsch-Israelischer Dialog in Halver schickte ferner Andrea Reich dem Vortrag einige Begrüßungsworte voraus.

Anliegen war ihr der langjährige freundschaftliche Austausch zwischen Jugendgruppen aus Halver und Pardess Hanna Karkur in Israel. „Der Jugendaustausch läuft im nächsten Jahr 25 Jahre.“ In den vergangenen Jahren seien die Gruppen dabei auch jedes Mal in Bethlehem gewesen. „Die Jugendlichen sollen sich von beiden Seiten ein Bild machen.“

In diesem Jahr werde die Gruppe, die an diesem Sonntag Richtung Israel startet, erstmals auch dort übernachten. „In Palästina ist das 21. Jahrhundert noch nicht angekommen“, erklärte Faten Mukarker, die den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern aus persönlicher Betroffenheit schilderte. „Warum lernt der Mensch nicht?“, lautete ihre Frage. Ein Besuch des Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar, wo sie unlängst war, ging dieser Frage voraus. Die Nähe zur Stadt habe sie erschreckt, räumte sie ein. „Ein Ort des Grauens.“ Buchenwald habe sie besucht, um zu verstehen, woher Israel „die Lizenz zu dem, was es tut“, zu nehmen glaubt. Auf den Unterschied zwischen legitimer Kritik an Menschenrechtsverstößen und Antisemitismus spielte sie an.

Weit in die Geschichte ging Faten Mukarker zurück, um die Ursachen des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern zu ergründen. Aus Sicht der Palästinenserin schilderte sie Stationen eines endlos schwelenden Konflikts und einer Spirale von Gewalt. Ihr Großvater habe ihr einmal gesagt: „Was hier geschehen ist, ist niemals Antisemitismus. Weil wir selber auch Semiten sind.“ Im Zionismus erkannte sie die Ursache des Konflikts. In der Bibel seien beide Völker erwähnt. „Deswegen hat keiner das Anrecht, in diesem Land allein zu leben.“

Viele Protagonisten der Weltgeschichte – angefangen bei Theodor Herzl bis zu Jitzchak Rabin und Jassir Arafat – zog sie beim Streifzug durch die Geschichte heran. Kriege, Intifada, Siedlungen und Trabantenstädte sprach sie an. Den Extremen auf beiden Seiten redete sie ins Gewissen. Der Weg zu Frieden und Sicherheit könne nicht ohne die sieben Millionen Israelis und nicht ohne die vier Millionen Palästinenser in den besetzten Gebieten gelingen.

Von Monika Salzmann

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