Familienvater muss sich vor dem Amtsgericht Lüdenscheid verantworten

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Mehrfach hatte der Angeklagte vor der Verhandlung gegen das Straßenverkehrsrecht verstoßen.

Halver - Überlastung im Beruf, Alkohol, Verlust der Fahrerlaubnis, noch schlimmere Überlastung im Beruf – ohne Auto, Burnout, Arbeitslosigkeit. Diesen finsteren Niedergang schilderte ein 39-jähriger Angeklagter jetzt im Amtsgericht Lüdenscheid.

„Ich bin mit dem Stress auf der Arbeit nicht mehr fertig geworden und darüber an den Suff gekommen“, gestand er. Auch der Entzug seiner Fahrerlaubnis hatte ihn nicht davon abhalten können, sich am 12. Oktober angeblich spontan und aus Angst vor einem Gesichtsverlust gegenüber seiner Tochter wieder ans Steuer zu setzen und den Birkenweg in Halver zu befahren, als er in eine Polizeikontrolle geriet.

„Ich wollte vor ihr nicht eingestehen, ein Loser zu sein“, erklärte der Angeklagte, der seiner Familie offenbar einige persönliche Katastrophen verschwiegen hatte. Und so trieb er irgendwo siegelähnliche Objekte auf, klebte diese auf die entstempelten Kennzeichen seines Fahrzeugs, koppelte einen Bootsanhänger an und rückte aus, um mit dem Gespann ein Boot vom Gelände seines Arbeitgebers in Halver abzuholen. Ein Polizist, dem er während der Fahrt begegnet war, zeigte sich wenig begeistert davon, nach langer Anfahrt und dem Geständnis des Angeklagten gar nicht mehr vernommen zu werden. Kopfschüttelnd verließ er den Gerichtssaal und fuhr zurück nach Warstein.

Der Angeklagte, der sich aus der großen Krise heraus in psychologische Behandlung begeben hatte, gab sich reumütig: „Ich habe nicht überlegt, was alles hätte passieren können“, sagte er mit Blick auf die Fahrt ohne Versicherungsschutz. Fahren ohne Fahrerlaubnis und ohne Haftpflichtversicherungsvertrag sowie Urkundenfälschung – es kam ein bisschen was zusammen.

Das Problem wurde verschärft durch die Vorstrafen – auch auf dem Gebiet des Verstoßes gegen die Regeln des Straßenverkehrs. Die letzte Strafe war erst kurz vor der verbotenen Fahrt auf dem Birkenweg verhängt worden.

Richter Thomas Kabus sah dennoch keinen Anlass für die Verhängung einer Haftstrafe und verurteilte den Angeklagten zu einer schmerzhaften Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 15 Euro. Außerdem darf die Straßenverkehrsbehörde dem Angeklagten nicht vor Ablauf von weiteren neun Monaten eine neue Fahrerlaubnis erteilen.

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