Holzwirtschaft im Umbruch

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Wald ist Wirtschaftsfaktor. 120 000 Festmeter werden im Bereich des Regionalforstamts Lüdenscheid jährlich eingeschlagen. Diese Holzmengen sollen auch künftig gemeinsam vermarktet werden.

Halver - Nicht nur die bunten Herbstwälder ziehen uns in ihren Bann, sondern ganzjährig bietet uns der Wald die wichtigste Naturbegegnung. Viele Menschen genießen die Harmonie des Waldes mindestens einmal pro Woche für Freizeitsport, zur Erholung und Entspannung.

Weniger idyllisch, dennoch wissenswert sind die Fakten, die der Wald als selbstverständlicher Rohstofflieferant bietet. Über die gesamte Wertschöpfungskette der Forst- und Holzwirtschaft leisten rund 18 000 Unternehmen mit nahezu 180 000 Beschäftigten einen Jahresumsatz von 38 Milliarden Euro in einem der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren in NRW. 

Allein im Bereich des Regionalforstamts Lüdenscheid stehen 19 Forstbetriebsgemeinschaften für eine Fläche von 29.000 Hektar Wald, für 2900 Waldbesitzer und einen jährlichen Holzeinschlag von 120.000 Festmetern. Das sind zunächst die harten Zahlen der Waldwirtschaft in der Region. 

Diese Eckdaten bilden auch den Hintergrund für eine Auseinandersetzung um die künftige Ausrichtung der Waldwirtschaft. Wie der Wald in Nordrhein-Westfalen in den nächsten Jahrzehnten weiterhin nachhaltig bewirtschaftet und auch für die Naherholung genutzt wird, entscheidet sich in den kommenden Monaten. Ein Initiativkreis der Forstbetriebsgemeinschaften – im Fachdeutsch kurz FBGen – verzeichnet erste Erfolge für die waldreiche Region im Sauerland. 

Debatte um die neue Struktur 

Auf ministerieller und politischer Ebene ist das Thema endlich angekommen. Eine Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Gordan Dudas steht kurz vor der Beantwortung. Auslöser der Debatte um die neue Struktur waren kartellrechtliche Bedenken in Baden-Württemberg, die am Ende nicht einmal ausgeurteilt wurden. Die Kernfrage dabei: Inwieweit dürfen die Landesforstämter die gemeinschaftliche Holzvermarktung, gebündelt für Privat- und Staatswald, betreiben? Die rechtlichen Zwänge bestehen zwar nicht mehr, dennoch sehen sich die FBGen im heimischen Raum gefordert, den seit Jahresbeginn erarbeiteten Weg weiter zu verfolgen. 

Ihr Ziel ist der Erhalt und der Ausbau der Marktposition durch Holzbündelung unter Einbeziehung aller 19 FBGen, gegebenenfalls auch erweitert um weitere interessierte Nachbar-FBGen. Zusammen mit der bereits bestehenden Vereinigung Mark-Ruhr, ehemals Wald Holz Sauerland, ist man bemüht, zu diesem Zweck eine starke forstwirtschaftliche Vereinigung zu schaffen, wie Astrid Becker, Geschäftsführerin der FBG Halver, im Gespräch mit dem Allgemeinen Anzeiger erklärt. 

Astrid Becker, Geschäftsführerin der Forstbetriebsgemeinschaft Halver und aktiv im Initiativkreis der FBGen.

Bereits im August hat der Initiativkreis der FBGen Ursula Heinen-Esser angeschrieben, die zuständige Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes. Im Kern geht es um Fristen, die bei einem solchen Übergang keinesfalls einzuhalten wären, um den Erhalt der Kompetenz der Förster, die sich in der Praxis um die Bestände kümmern, und um juristische Risiken, wenn die bestehenden Dienstleistungsverträge mit dem Landesbetrieb nicht eingehalten werden, die eigentlich bis Ende 2020 bindend seien.

Eine konkrete Antwort darauf haben Astrid Becker, Hans-Joachim Altrogge aus Lüdenscheid sowie Rolf Brühne aus Herscheid für den Initiativkreis nicht erhalten. Wirkung gezeigt hat ihr Schreiben dennoch: Die Frist ist vom Tisch und damit der Weg möglicherweise frei für einen sanfteren Übergang. Und diesen sanfteren Übergang brauchen sowohl die Verantwortlichen, die den Zusammenschluss der FBGen vorantreiben, um zu einer schlagkräftigen und organisatorisch gut aufgestellten Einheit zu kommen, wie auch die Waldbesitzer selber. 

335 Waldbesitzer in Halver 

Ein gutes Beispiel ist die Stadt Halver, wo die FBG die mitgliederstärkste in der Region ist. 335 Waldbesitzer haben sich darin zusammengeschlossen, denen nahezu der gesamte Wald rund um die Stadt gehört. Es geht um 2600 Hektar. Das zeige im Umkehrschluss, wie klein die Flächen der privaten Besitzer sein könnten, sagt Astrid Becker. 

Wald hat Erholungswert. Auch darum geht es bei der künftigen Ausrichtung der Holzwirtschaft in der Region.

Ohne fachliche Unterstützung und Vermarktung wären diese Besitzer allein gelassen, würden Flächen unter Umständen nicht mehr bewirtschaften und den Wald für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich machen. Diese Gefahr scheint zunächst gebannt. „Auch nach dem 31. Dezember 2018 geht es weiter“, freut sich Astrid Becker über den ersten Teilerfolg und zudem darüber, dass auch die fachliche Kompetenz der heimischen Förster sichergestellt ist. So könne der FBG-Vorstand weiter an einer optimalen Lösung für die Waldbesitzer in Halver arbeiten. 

Bis zur Jahresmitte 2019 haben die Akteure dann Zeit, sich weiter zu organisieren. „Eine gemeinsame Lösung im Märkischen Kreis und vielleicht auch darüber hinaus wäre ein wirklich sehr guter Erfolg für uns alle“, so ihre Hoffnung. „Die anstehenden Entscheidungen kann man wohl als historische Weichenstellung für unseren Wald bezeichnen“, hatten die Verfasser übrigens der Ministerin Ursula Heinen-Esser geschrieben.

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