Lidl will in die Innenstadt

+

Halver - Lidl will in die Innenstadt. Ob der Discounter das darf, ist offen. Bei der zuständigen Baubehörde im Lüdenscheider Kreishaus liegt eine Bauvoranfrage, die zentrale Bedeutung für die Entwicklung der Stadt haben könnte. Beschieden ist sie bislang nicht.

Es geht um das Interesse des Discounters, auf dem Wippermann-Gelände im Bereich zwischen Frankfurter Straße und Bahnhofstraße Fuß zu fassen und sich damit im Bereich zwischen dem entstehenden Einkaufszentrum am Bahnhof und dem Rewe-Markt mitsamt der umgebenden Geschäfte anzusiedeln. Der AA hat erfahren, dass erst vor Kurzem ein Vermessungstrupp im Auftrage Lidls auf dem Wippermann-Gelände gesichtet wurde.

In Politik und Verwaltung wird das Vorhaben mit Skepsis betrachtet. Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatte die Stadt Halver dem Kreis gegenüber auch offiziell ihr Einvernehmen versagt. Lidl würde, sollte es zur Genehmigung kommen, also gegen erklärten städtischen Willen bauen. Kommt es hart auf hart, könnte das auch auf eine juristische Auseinandersetzung hinauslaufen.

Fachmarkt-Zentrum als Auslöser

Ausgelöst wird das Lidl-Interesse an dem Gelände nicht zuletzt durch die Entwicklung am Bahnhof. Dorthin zieht es bekanntlich den Aldi-Markt, der zurzeit noch an der Hagener Straße untergebracht ist. Ist Aldi weg, dürfte die Kundenfrequenz nachlassen und dies auch den gegenüberliegenden Lidl treffen.

Ob aber die Innenstadt einen zusätzlichen Discounter verträgt, bezweifeln Politik und Verwaltung. Erstes „Opfer“ wäre der Werkhof, der einem Neubau weichen müsste. Doch die Einrichtung mit immerhin 59 Mitarbeitern sei als Sozialkaufhaus Alleinstellungsmerkmal für Halver in einem großen Umkreis, heißt es.

Dass die Stadt noch mehr Einzelhandel auf engem Raum benötigt, wird ebenfalls bezweifelt. Nach Fertigstellung des Fachmarktzentrums liegt Halver in Sachen Versorgung etwa 40 Prozent über dem Durchschnitt anderer Städte. Und das Lidl-Angebot dürfte kaum über das der neuen Kaufland-Niederlassung hinausreichen, die am Bahnhof entsteht. Beide Unternehmen sind Töchter der Schwarz-Gruppe.

Auswirkungen für Rewe-Markt

Eine Überversorgung in der Innenstadt dürfte sich zudem auf andere Einzelhandelsstandorte niederschlagen. So besitzt der Rewe-Markt, ehemals Kaufpark und Famka, seit Jahrzehnten eine zentrale Nahversorgungsfunktion, verstärkt in den letzten Jahren durch das Seniorenwohnen im Bereich der Lindenhofschule. Falls aber Rewe als Ankermieter dort die Segel streicht, würde das Auswirkungen auf das Umfeld haben, so die Befürchtung.

Auch die Erschließung dürfte problematisch sein. Eine Anbindung über die Wiese oberhalb der Polizeiwache an der Frankfurter Straße könnte die Lage verschärfen, wenn dort auf engstem Raum mehrere Straßen ineinander münden. Ein Discounter löst weiteren Verkehr aus.

Rechtlich ist die Lage unübersichtlich. Für die Wippermann-Flächen gibt es keinen gültigen Bebauungsplan. Maßgeblich ist demnach der Paragraph 34 des Baugesetzbuches. In Absatz 1 ist geregelt, dass eine Bebauung unter bestimmten Voraussetzungen zulässig ist. Doch im Allgemeinen geht es darin eher um einen Lückenschluss in einer vorhandenen Bebauung, nicht um einen großflächigen Discounter mitten in der Stadt. Im Falle der Zustimmung des Kreises zu den Lidl-Plänen könnte sich also die Stadt Halver in ihrer Planungshoheit verletzt sehen, vermuten Insider.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare