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Gaspreis ist dramatisch fürs Handwerk im MK

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Von: Florian Hesse

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Autoprofi Frank Turck spricht über explodierende Gaspreise.
Autoprofi Frank Turck spricht über explodierende Gaspreise. © Florian Hesse

Die explodierenden Gaspreise bringen Verbraucher und auch das Handwerk enorm unter Druck. Der Chef eines Kfz-Betriebes legt Zahlen offen.

Halver - Einen Ausweg ohne Schmerzen sieht Frank Turck zurzeit nicht. Und in seiner Ratlosigkeit ist er nicht allein. Sein Facebook-Post über seine frische Gasrechnung wurde 127-mal geteilt. Fast ebenso viele Kommentare stehen drunter. Die Preisexplosion beim Gas erwischt das Handwerk und dessen Kunden mit Macht.

Rechnung vervierfacht

Auf Anfrage des Allgemeinen Anzeigers legt der Chef des Kfz-Meisterbetriebs an der Hermann-Köhler-Straße die Zahlen offen, die ihn verzweifeln lassen. Anfang des Monats teilte ihm sein Versorger die neuen vorläufigen Pauschalen fest. Sie betragen ziemlich genau das Vierfache, was er zuvor hatte zahlen müssen. 1200 Euro netto monatlich hat er bislang zahlen müssen, damit die acht Mitarbeiter der Werkstatt bei 18, 19 Grad Raumtemperatur hatten arbeiten können. Der Abschlag neu: 4768,91 Euro jeden Monat. 57 600 statt 14 400 Euro im Jahr. Annähernd 200 Euro jeden Tag muss sein Betrieb künftig also allein für die Heizung erwirtschaften.

Ob es das Ende der Fahnenstange ist, weiß er nicht einmal. Die Umlage zur Rettung der Gasimporteure hat sein Anbieter mit 1,5 Prozent eingepreist, das macht rund 2600 Euro auf der Jahresrechnung aus. Diese Umlage könnte aber auch noch steigen auf bis zu 5 Prozent.

Ich möchte das nicht an die Kunden weitergeben. Aber ich kann das sonst hier nicht halten.

Frank Turck

Das Problem des eingesessenen Kfz-Betriebes lässt sich auch auf der Verbrauchsseite nicht beheben. Die Fenster? Schall- und wärmeisoliert, ebenso das Dach. 60 Millimeter Dämmung liegen auf der Fassade. Und der Brennwertkessel für den Betrieb ist gerade fünf Jahre alt. Um 700 Quadratmeter Betriebsfläche zu versorgen, ist sein Verbrauch somit geradezu moderat.

700 Quadratmeter Werkstatt müssen geheizt werden.
700 Quadratmeter Werkstatt müssen geheizt werden. © Hesse, Florian

Damit wird die Gaskrise, für die sich ein Ende nicht abzeichnet, auf lange Sicht zur existenziellen Angelegenheit. „Was treten wir da los?“, fragt sich Turck. „Ich möchte das nicht an die Kunden weitergeben. Aber ich kann das sonst hier nicht halten“, stellt er beim Blick auf die harten Zahlen fest. Rund 10 Euro mehr, so seine erste Schätzung, müsste eine Arbeitsstunde kosten, um die Preisexplosion zu kompensieren.

„Ich muss niemanden entlassen“, sagt er mit Blick auf seine Belegschaft an der Hebebühne und im Büro. Auch die Mitbewerber müssten sich letztlich den höheren Kosten stellen. Schwieriger werde es aber auf Dauer, wenn den Menschen das Geld fehle, um ihre Autos warten und reparieren zu lassen. Das könne den Betrieb tatsächlich in eine Schieflage bringen.

Diese Gefahr sieht der selbstständige Kfz-Meister tatsächlich auf die privaten Haushalte zukommen. Mehr als 48 Prozent der Haushalte in Deutschland, hat er recherchiert, werden mit Gas beheizt. 1400 Kubikmeter Gas, das entspricht 14 000 Kilowattstunden, braucht eine vierköpfige Familie mit 100 Quadratmetern Wohnfläche in etwa jährlich. Treffe die Preiswelle nun mit voller Wucht Hauseigentümer und Mieter, werde das in jedem Lebensbereich spürbar werden, ist er sicher. Doch den Notausgang – siehe oben – kennt er nicht.

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