Haare schneiden in Corona-Zeiten

Friseure haben geschlossen - für manche ein Problem?

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Die Friseure haben weiterhin geschlossen.

Es wächst. Über den Ohren, hinter den Ohren und runter in den Nacken. Die Friseure haben geschlossen und die Haare werden nicht geschnitten. Aber wie behelfen sich die Menschen?

Halver – Die Haare wachsen kreuz und quer. Davon kann auch Halvers Bürgermeister Michael Brosch ein Lied singen. „Mir wachsen wieder meine Corona-Locken“, sagt er und lacht. Aber das ist nicht so tragisch, sagt er. „Man sieht ja momentan eh nur sehr wenige Menschen.“

Aber lange ertragen konnte der Bürgermeister es dann wohl doch nicht, wie er zugibt. Seine Töchter Anna und Lena haben kurzerhand die Haarschneidemaschine ausgepackt und dem Vater die Haare geschnitten. Das ist nichtmal schlecht geworden, wie Michael Brosch sagt. Aber auf einen Termin beim Friseur freut er sich trotzdem, wenn es wieder möglich ist.

Kurzhaarschnitt schon immer

Andrea Reich müsste dringen zum Friseur, sagt sie im Gespräch. „Aber es geht noch.“ Die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung trägt einen Kurzhaarschnitt – und das schon immer. „Ich wollte als Kind keinen Zopf und seitdem trage ich die Haare kurz.“ Das höchste der Gefühle waren Haare bis zum Kinn, die mit einer Dauerwelle getoppt wurden, erzählt Andrea Reich und lacht über die vergangene Frisur.

Andrea Reich trägt die Haare schon immer kurz.

Es geht also schlimmer als mit der Corona-Frisur, so viel ist klar. Normalerweise geht sie alle vier bis sechs Wochen zum Friseur, und das sehr gerne. „Frisch geschnittene Haare sind einfach ein cooles Gefühl.“ Jetzt hat sie theoretisch einen Termin bei ihrem Friseur am 2. Februar. Online kann sie Termine machen und sie wieder anpassen, wenn der Lockdown dann doch wieder verlängert wird. Dass sie am 2. Februar den Nacken rasiert bekommt, bezweifelt sie stark. Die Haare wachsen wie sie wollen, denn der letzte Termin zum Haare schneiden war im November. „Es wächst in alle Richtungen im Nacken – aber das sehe ich ja sowieso nicht.“ Andrea Reich sieht ihre Frisur mit Humor.

Der Bart kommt ab

Kai Hellmann trägt im Gesicht mehr Haare als auf dem Kopf. Und er geht damit nicht regelmäßig zum Friseur, sondern zum Barbier. Außer momentan. Was macht Mann dann? Alles auf zwei Millimeter abrasieren. Ist nicht wahr? „Doch“, sagt Kai Hellmann. „Ich habe es nicht mehr ertragen.“ In vier Wochen ist der Bart doch wieder da, sagt der stellvertretende Fachbereichsleiter für Bürgerdienste beruhigend.

Und hoffentlich haben die Barbiere dann wieder geöffnet. Weil: Kai Hellmann kann es einfach nicht, gibt er zu. „Auch ein Bart ist eine Frisur, auch ein Bart hat Wirbel.“ Da muss ein Profi dran. Jetzt sitzt die Maske dafür besser. Und er spart sich das Kämmen des Bartes, wenn die Maske abgenommen wird. Ja, auch das muss Mann tun, wenn er einen ordentlichen Bart trägt.

Claudia Wrede trägt ihre Haare immer etwas länger als ihr Kinn. Jetzt gehen ihr die Haare bis zur Schulter und sie kann sogar schon einen Zopf tragen, erzählt sie und lacht über ihre neuen Möglichkeiten. Normalerweise wäre sie schon zum Friseur gegangen, und klar, toll findet sie die Haare auch nicht unbedingt, aber: es gibt Schlimmeres. Sie will endlich wieder ihre Freunde sehen und sie in den Arm nehmen, sagt die Leiterin des Bürgerzentrums. Und dann ist es ihr auch egal, wie deren Haare aussehen.

Dauerwelle bei Seniorinnen

Seniorinnen tragen ab und zu noch eine Dauerwelle. Zum Beispiel Elke Durstewitz. Die 84-Jährige war zum Glück noch vor Weihnachten beim Friseur, wie sie erzählt. Aber jetzt könnten die Haare wieder etwas geschnitten werden, damit die Frisur wieder besser sitzt. Ja, die Haare sind schon ein Thema bei ihr und einigen Freundinnen. Aber kein großes, „da müssen wir jetzt durch“, sagt die Halveranerin. Wegen den Haaren lässt sich keiner hängen, man lacht eher noch drüber. „Ich mag es, wenn Leute sich nicht hängen lassen“, sagt sie. Bis sie wieder zum Friseur kann, macht sie das Beste aus den Haaren mit dem Fön.

Regina Reininghaus, Vorsitzende des Ortsvereins des Awo-Seniorentreffs in Halver, weiß, dass die Dauerwelle immer seltener wird. Sie merkt sogar, dass die Seniorinnen immer selbstbewusster werden, was sie sehr freue. Statt einer Dauerwelle, tragen die Frauen höheren Alters einfach ihre Haare glatt und dazu noch in Naturhaarfarbe – weiß oder grau. Ob Corona das begünstigt hat, wagt sie nicht zu behaupten, aber einen Zusammenhang könnte es geben. „Ich finde das toll“, sagt Reininghaus, denn zu solch einer Veränderung gehöre auch Mut. Und der steht bekanntlich allen gut.

Damit die Menschen auch mal lachen, hat Emil Lorencic seine Erlaubnis für das Foto gegeben, auf dem klar zu erkennen ist, dass seine Mutter keine Friseurin ist.

Emil Lorencic würde wahrscheinlich sagen: „Mama, was hast du getan?“ Der fünfjährige Junge trägt seine blonden Haare eher lang – die Mutter mag rasierte Nacken nicht so gerne, sagt sie im Gespräch mit sich selbst. Aber dann wurde der Pony bei ihrem Sohn so lang, dass der Junge bei jeder Bewegung den Kopf sehr stark schwingen musste, um etwas sehen zu können – und Haarspangen? „Ih, die sind nur für Mädchen.“ Weil die Mutter früher aber einen Golden Retriever hatte, hat sie auch eine Haarschneidemaschine. Und klar, Bastelscheren hat man auch zuhause.

Kann ja nicht so schwer sein, dachte sich Emils Mama. Schnipp, schnapp, Pony ab. Heraus kam ein Kind, das einen noch schlimmeren Pony hatte als vorher. Zum Schluss wurde ein Youtube-Video zur Hilfe genommen, um noch zu retten, was zu retten war. Ach, was freuen wir uns alle auf den Tag, wo Friseure wieder öffnen.

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