Verabschiedung

Die gute Seele geht in den Ruhestand

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Halver - Die „gute Seele“ der GTS Halver geht in den Ruhestand. Matthias Schinner ist für viele ein Teil der Schule, so wie sie einer von ihm war und wohl auch bleiben wird. Doch diesmal geht der Dank nicht an ihn – er geht an alle anderen, vor allem an die „Kleinen“.

Wer an seine Schulzeit zurückdenkt, wird auch an seinen Hausmeister zurückdenken. Untrennbar ist doch diese Person mit der Schule verbunden. Nicht nur, wenn Kreide fehlt, die Tür nicht schließt oder Erste Hilfe benötigt wird. So ein Hausmeister ist meist ein Mann mit Herz, jemand, der Kinder gut finden muss. Matthias Schinner war so einer. 

Matthias Schinner, besser bekannt als Hausi, wurde auch mal laut. „Langsam laufen“, „Türen nicht knallen“ oder „Heb den Müll wieder auf“. Ja, oft wird er es gesagt haben und nie werden die Schüler gehört haben. 

Aber was so ein Hausmeister eigentlich sagen will, ist doch einerseits, „pass auf dich auf“, und andererseits: „Pass auf meine Schule auf.“ Denn selbst, wenn sie ihm nicht gehört, ist es doch ein Teil des Mannes, der das Licht sowohl ein- als auch ausschaltet. 

Die letzte Woche trug er jeden Tag ein T-Shirt mit der Aufschrift „Der letzte Hausmeister der GTS Halver“. Seine Frau, genannt Kiki, hat es jeden Tag gewaschen und getrocknet – was bei den Temperaturen über der 30-Grad-Marke zum Glück schnell ging. Und was sie auch jeden Tag tat, war winken. Jeden Tag, den ihr Mann das Haus morgens verließ, stand sie am Fenster und winkte ihm zu. Freitag, an seinem letzten Arbeitstag, „winkte sie ganz, ganz feste“. Unwirklich erscheint es ihm noch, dass er nach dem Wochenende in den Ruhestand geht. Thomas Gehring wünschte ihm ein langes Leben. „100 sollst du werden“, sagte er. Klar, sagt Schinner, „Mit dieser Frau kann man 100 werden.“ 

Über die 15 Jahre als Hausmeister, vier davon an der Grundschule Ost und elf an der GTS Halver, stand sie hinter ihm. Jetzt freuen sich beide auf eine neue Zeit. Vor allem auf die Zeit, die sie gemeinsam haben. Aber auch Zeit für seinen 87-jährigen Vater, Hobbys, Freunde, Motorradausflüge, Reisen zur See oder nah Belgien, wo seine Familie wohnt. 

Aber vieles wird er vermissen. So sehr, dass ihm Tränen kommen, wenn er daran denkt, nicht mehr jeden Tag mit seinen Kollegen zu verbringen. „Das Kollegiale, gar das Familiäre, wird mir fehlen.“ Danke sagen will er vor allem denen, die oft nicht zu Wort kämen. 

Seine Freunde von der Hochbaukolonne, Oswald Binder und David Greiner –besser Ossi und Vasilli. Die Mitarbeiter des Bauhofs, die immer da waren, wenn er Hilfe brauchte. Und sein Kollege vom Anne-Frank-Gymnasium, Peter Feest und seine Frau Rosi. „Sie waren in jeder Lebenslage für mich da.“ So erzählt auch seine Frau Kiki, dass, wenn ihr Mann manches Mal Zuhause anrief, weil etwas vorgefallen war, sie froh war, wenn er auf einmal sagte: „Peter ist da.“ Dann wusste sie, war er in guten Händen. 

So ein Hausmeister heißt im Fachjargon Gebäudemanager. Denn alles alleine reparieren und warten kann er nicht. Ein großes Netzwerk aus Handwerkern und Reinigungskräften ist es, worauf er sich immer stützen konnte. Mit größtem Respekt möchte er für die stets „hervorragende Arbeit“ danken. 

Es fiel ihm nicht leicht, zu gehen. Als er hörte, dass die Schule 2019 ihre Pforten als GTS Halver schließen wird, sah er sich schon in Rente. Denn er hätte eher gehen können, wollte es aber nicht. So blieb ihm Zeit zum Abschiednehmen. Vor allem aber schloss er mit den letzten Schülern einen Pakt: „Komm Hausi, lass uns zusammen abhauen.“

Und das taten sie – fast. Donnerstag gingen die Schüler, Freitag er. Aber sie haben gemeinsam den Abschied gefeiert. Drei Salutschüsse aus einem Standböller hatte Matthias Schinner von den Fanfaren organisiert. Und als sich dafür alle erheben sollten, hörten sie auf ihn.

„Wenn der Hausmeister sich noch mit der Schule identifiziert, ist noch alles gut mit der Schule“, sagte Thomas Gehring, Fachbereichsleiter Bürgerdienste. Und das war es bis zum Schluss. Und der Ruhestand wird es bestimmt auch. Dann kommt ihn zwar kein ehemaliger Schüler mehr in der Schule besuchen, aber sein Garten, so sagt er, steht immer offen.

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