Abschiebung

Abschiebung ohne Frau und Kind - Mann aus Halver hilft 

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Günter Melzer-Dost hat nach der Abschiebung eines Pakistaners alles daran gesetzt, dass dessen Familie ebenfalls ausreisen kann. Das in Eigenregie zu organisieren, war kompliziert.

Halver - Vor drei Monaten wurde ein in Halver lebender Pakistaner abgeschoben, getrennt von seiner Frau und seiner kleinen Tochter. Die Familie wieder zusammenzuführen, gestaltete sich schwieriger als erwartet.

„Es hat länger gedauert, aber nach zwei Monaten hat es geklappt“, sagt Günter Melzer-Dost. Der seit der Abschiebung von Mubeen Mubashar am 12. Juni wochenlang versuchte, die Frau und das Kind möglichst rasch aus Deutschland zu bekommen. Das alles habe man in Eigenregie organisieren müssen.

„Was hier in diesem Staat abgeht, da schäme ich mich echt, dass ich ein Deutscher bin“, empört sich der Halveraner deswegen. Sieben Jahre lang hat er sich um den abgeschobenen Mubeen Mubashar gekümmert, seit fünf Jahren auch um dessen Frau Shaistoh. Das Paar aus Pakistan – er 38, sie 34 Jahre alt – hat außerdem eine Tochter, Hania Noor, die im April 2018 zur Welt kam. „Das war meine Familie“, sagt Melzer-Dost. „Als ich im Krankenhaus lag, hat Mubeen mich jeden Tag besucht.“

Schlaflose Nächte

Auch als er daheim ein paar Tage krank war, hätten sich die beiden um ihn gekümmert. So wie er sie auch bei vielen Behördengängen, Arztbesuchen und Fahrten zum pakistanischen Konsulat unterstützte. Diese Familie wurde Anfang Juni nach einem Behördengang auseinandergerissen. Die Erinnerung daran lässt Melzer-Dost keine Ruhe, er hatte schlaflose Nächte deswegen. Vor allem die Umstände der Festnahme empören ihn.

Mubeen Mubashar habe immer Angst gehabt, nachts aus der Wohnung geholt und abgeschoben zu werden, so wie es ihm Bekannte berichtet hätten, erzählt Melzer-Dost. Er selbst habe sich solch ein Vorgehen der Behörden nicht vorstellen können. „Stattdessen hat man ihn dann am helllichten Tag festgenommen wie einen Schwerverbrecher.“ Da die Asylanträge der Familie abgelehnt wurden, hatten die Mubashars keinen Aufenthaltstitel, mussten ihre Duldung alle drei Monate verlängern, so auch Anfang Juni.

Viele Behördengänge

Melzer-Dost begleitete Mubeen Mubashar wie bei so vielen Behördengängen zuvor. Dessen Frau und Tochter wären normalerweise auch bei dem Termin dabei gewesen, aber das kleine Mädchen befand sich für mehrere Tage im Krankenhaus in Lüdenscheid in Behandlung, die Mutter war deswegen bei ihr. Bei dem Termin wurde Mubeen Mubashar mit der Begründung, er halte sich illegal in Deutschland auf, festgenommen. „Ich verstehe das Wort ,illegal’ nicht“, sagt Melzer-Dost. „Er war hier gemeldet, hatte eine eigene Wohnung. Und dass er nicht arbeiten gehen durfte, dazu konnte er nichts.“ 

Melzer-Dost musste das Zimmer verlassen, während Mubashar sich ausziehen musste, um durchsucht zu werden. Danach konnte Melzer-Dost sich noch einmal von ihm verabschieden: „Er hat bitterlich geweint, weil er sich von seiner Frau und seiner Tochter verabschieden wollte.“ Das habe man ihm jedoch nicht ermöglicht. 

Festnahme und dann Abschiebung

Melzer-Dost informierte Shaistoh Mubashar über die Festnahme ihres Mannes, die von der Nachricht ebenso am Boden zerstört war. Erst ein paar Tage später gab es ein kurzes Wiedersehen in der Unterbringunseinrichtung für ausreisepflichtige Ausländer in Büren. Eine Woche später, am 12. Juni, wurde Mubeen Mubashar dann nach Pakistan abgeschoben. Nach seiner Ankunft dort hielt Mubeen Mubashar über Telefon, Whatsapp und Videoanrufe Kontakt mit seiner Frau, berichtet Melzer-Dost. So wusste sie, dass er dort mit Hilfe von Angehörigen versucht, ein neues Zuhause für seine Familie herzurichten. Bis sie zu ihm kommen konnte, sollten allerdings noch einige Wochen vergehen. 

Auch Shaistoh Mubashar musste wenige Tage nach der Festnahme ihres Mannes wegen der Verlängerung ihrer Duldung zur Ausländerbehörde. Bei dem Termin habe er gefragt, warum nicht die ganze Familie zusammen nach Pakistan abgeschoben würde, berichtet Melzer-Dost. „Es gab dann die Begründung, das Kind könnte man nicht abschieben.“ Daher sei die Duldung noch einmal verlängert worden. 

In Deutschland wollte die Pakistanerin aber selbstverständlich nicht bleiben, sondern so schnell wie möglich zu ihrem Mann. Melzer-Dost glaubt, dass es einen anderen Weg gegeben hätte als den, die Familie zu trennen: „Es wäre einfacher gewesen, der Mann wäre noch ein paar Wochen hiergeblieben. Dann hätten sie zusammen ausreisen können.“ Wäre Shaistoh Mubashar auf sich allein gestellt gewesen, wäre sie mit der Organisation ihrer Ausreise völlig überfordert gewesen, sagt Melzer-Dost: „Sie war ganz fix und fertig, das hätte sie nicht geschafft.“ 

Von den Behörden allein gelassen

Auch er fühlte sich dabei von den Behörden ziemlich allein gelassen, denn Unterstützung bei der Organisation gebe es nicht. „Ich musste allein dreimal nach Frankfurt zum pakistanischen Konsulat fahren.“ Dort musste die Ausreise beantragt werden, aber um diese endgültig zu genehmigen, bestand das Konsulat auf der Vorlage der Tickets. Der Antrag für die Übernahme der Tickets musste erst beim International Office of Migration (IOM) in Nürnberg beantragt werden. Und er musste rechtzeitig bewilligt werden, ehe die vorläufigen Ausreisepapiere des pakistanischen Konsulats ungültig werden. 

Die ursprüngliche Frist bis zum 21. Juli ließ sich nicht einhalten, erst am 6. August klappte es mit der Ausreise. „Sie ist pünktlich abgeflogen und angekommen und war glücklich, dass sie mit ihrer Tochter wieder bei ihrem Mann sein konnte“, sagt Melzer-Dost, der ebenfalls froh ist, dass die Zusammenführung letztlich geklappt hat. Auch wenn seine adoptierte Familie nun in Pakisten lebt, will er sie weiterhin unterstützen. „Solange ich noch lebe, werde ich helfen“, sagt er. „Das ist das Einzige, was ich noch machen kann.“

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