„Gülletourismus“ ist Gremium-Thema

Martin Grünewald (links) von der Landwirtschaftskammer war beim Umwelt- und Abfallausschuss zu Gast. -  Foto: Pfannschmidt

HALVER -  Während die 18. Änderung des Flächennutzungsplanes sowie die 14. Erweiterung des Bebauungsplanes Nummer 6 „Höveler Weg“ mit je einer Gegenstimme sozusagen durchgewinkt wurden, befasste sich der Umwelt- und Abfallausschuss in seiner Sitzung am Montagabend im Sitzungssaal des Rathauses sehr ausgiebig mit einem ganz anderen Thema: mit dem Transport und der Ausbringung von Gülle durch Ortsfremde.

Wie Ausschussvorsitzender Michael Kortmann erklärte, aufgrund von Beschwerden Halveraner Bürger, die sich nicht nur geruchsmäßig belästigt gefühlt hatten (wir berichteten).

Dazu eingeladen war auch Martin Grünewald, Pflanzenschutzberater der Landwirtschaftskammer, der die Ausschussmitglieder in wesentlichen Punkten neben der Gülleverordnung auch über die Verbringungsverordnung informierte, die bundesweit seit 2010 in Kraft ist, um die aus Wirtschaftsdüngern resultierende überbetriebliche Nährstoffströme nachvollziehbar zu machen. Jeder Betrieb, egal ob Landwirt, gewerblicher Tierhalter, Biogasanlagenbetreiber, Importeur von Wirtschaftsdünger oder Lohnunternehmer, der Wirtschaftsdünger an andere abgibt, muss dies einmalig der Landwirtschaftskammer melden. Der Landwirt müsse die Menge der Gülle und der Nährstoffe, den Zeitraum der Ausbringung und die Herkunft dokumentieren. „Damit wir einen Überblick bekommen, was von außen hereinkommt und wo es eingesetzt wird“, so Grünewald.

Die Aufgabe der Landwirtschaftskammer sei, diese Angaben zu überprüfen. „Auf dem Papier.“ Kontrollen würden nur stichprobenartig durchgeführt. Wie der einzelne Landwirt es im Detail handhabe, stehe in seiner Verantwortung.

Ein Problem stelle zunehmend die überbetriebliche Aufnahme von Gülle dar. Betriebe mit wenig Grünland oder Schweinemastbetriebe ganz ohne Außenflächen wüssten mittlerweile nicht mehr wohin mit der Gülle. Im Münsterland oder in Holland stünden sie derart unter Druck, dass sie sogar den Transport ins Sauerland bezahlten. „Für einen Kubik-meter Gülle je nach Entfernung 12 bis 16 Euro“, so Grünewald. Zur Sprache kam auch, dass mit „Schnäppchen-Angeboten“ für die Abnahme von Gülle geworben werde. Dem Angebot von 8 Euro pro Kubikmeter stünden aber Anschaffungskosten für Güllebehälter entgegen – rund 80 000 Euro.

Einen „Gülle-Tourismus aus Regionen mit sehr großer Tierhaltungsdichte“ nannte es Karl-Friedrich Osenberg (Die Grünen) und warnte vor einer Entwicklung, deren Folgen nicht abzusehen seien. Ähnlich wie einst beim Klärschlamm könne es zum Beispiel durch Medikamentenrückstände zu unerwünschten Belastungen von Boden und Wasser kommen. Auch wenn die Analytik immer besser werde, gebe es immer ein Rest-Risiko, bestätigte Grünewald.

Marius Bußmann, Wasserschutzberater der Landwirtschaftskammer, der als Zuhörer der Sitzung beiwohnte, konnte auf Nachfrage nicht bestätigen, dass von der Gülleausbringung in Wasserschutzzonen gravierende Belastungen ausgingen. Die Werte seien sogar zurückgegangen. Und dass, obwohl die vorgeschriebenen Abstände zu den Bächen nicht immer ganz streng eingehalten würden. - iwo 

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