Pressemitteilung Wupperverband

"Jegliches Leben in Bachabschnitt vernichtet"

+

Halver - Die Empörung über den Gülle-Unfall vor gut einer Woche in Kotten ist groß. 1,7 Millionen Liter Gülle waren aus einem Behälter in Richtung der Neyetalsperre gelaufen und haben seither große Teile des Naturschutzgebietes verseucht.

Von Friederike Domke

Auszug aus der Pressemitteilung des Wupperverbandes vom 25. März:

"So ist im Neyebach oberhalb der Talsperre am Tag der Einleitung in der Spitze ein Wert für Ammonium-Stickstoff in Höhe von 1.800 mg/l ermittelt worden. Für Fische beginnt es bei einem Wert von 0,5 mg/l kritisch zu werden. Dies hatte zur Folge, dass es zu einem Fisch- und Amphibiensterben gekommen ist und jegliches Leben in dem betroffenen Bachabschnitt vernichtet worden ist."

Kein unbeschriebenes Blatt

Wie hoch die Wellen schlagen werden, ist derzeit noch nicht überschaubar. Die ersten Auswertungen der Wasserproben des Wupperverbandes stehen noch aus.

Fest steht aber schon jetzt, dass der betroffene Landwirt kein unbeschriebenes Blatt ist: Bereits im vergangenen hatte die Kripo auf seinem Hof in Kotten ermittelt, nachdem eine kleinere Menge Gülle aus eben diesem Tank ausgetreten war.

Die Ermittler hatten schon damals festgestellt, dass der Gülletank so nicht genehmigt worden war. Das teilte der Märkische Kreis auf Anfrage des Allgemeinen Anzeigers mit.

Seitens der MK-Pressestelle heißt es: „Bereits im September 2014 stellte sich heraus, dass der neue Gülletank so nicht von der Bauaufsicht genehmigt worden war. Statt 5,80 Meter ist der Behälter 8 Meter hoch. Genehmigte Füllhöhe ist 5,80 Meter.“

Der zuständigen Behörde sei zugetragen worden, dass der Behälter oft randvoll gewesen sein soll.

Rückhaltevorrichtung sollte gebaut werden

Der Landwirt sei daraufhin aufgefordert worden, eine Rückhaltevorrichtung zu bauen. Zudem habe die Baubehörde prüfen wollen, ob der neue Güllebehälter standsicher und dicht ist. Dafür müsse der Güllebehälter aber leer sein, das heißt, dassder Landwirt keine Gülle mehr zufüllen darf.

„Der Betreiber wurde mehrmals aufgefordert, mit Verhängung von Zwangsgeld, den Güllebehälter zu leeren. Jetzt hat der Landwirt der Bauaufsicht zugesagt, den Behälter bis zum Ende der Woche zu leeren“, heißt es seitens des Märkischen Kreises.

Baugenehmigung wirksam?

Geschehe dies nicht, würde die Behörde selbst tätig werden. Auch für diesen Einsatz müsste der Landwirt die Kosten dann tragen. Außerdem prüfe die Baubehörde, inwieweit die Baugenehmigung für den Güllebehälter wirksam ist, da die Genehmigung lediglich im Zusammenhang mit dem Bau eines Viehstalls erteilt worden sei. Besagter Stall wurde aber bis heute nicht errichtet.

Ermittlungen: Verdacht auf Sabotage

Im Falle der ausgelaufenen Gülle ermittelt die Kripo dennoch weiterhin auf Verdacht der Sabotage. Josef Tumbrinck, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Oberberg, spricht von einem „Gülle-Gau“.

Das Naturschutzgebiet Neyetalsperre gelte seitdem als ökologisch tot. Der Fall aus Halver zeige, dass die Entsorgung von industriell erzeugter Importgülle zunehmend zu einem Problem im ganzen Land werde.

Der Nabu fordert Umweltministerium und Behörden auf, „schonungslos zu klären, welche Behörden in diesem Fall in den letzten Jahren versagt haben“.

Laut Medienberichten befindet sich ein Großteil der Gülle auf dem Grund vor der Staumauer in Wipperfürth. Es habe sich eine Gülle-Blase in 18 bis 25 Metern Tiefe gebildet.

„Wenn sie platzt, ist laut Experten nichts mehr zu retten“, heißt es. Bereits jetzt habe an der Neye ein „verheerendes Tiersterben“ eingesetzt. Die Vegetation sei zerstört.

Lesen Sie zum Gülle-Skandal auch:

- Gülle: Kein Trinkwasser aus der Neyetalsperre

- Gülle in Richtung Neyetalsperre abgelassen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare