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Grundschule hisst weiße Fahne: „Wir können nicht mehr“

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Von: Sarah Lorencic

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An der Fassade der Regenbogenschule Halver hängt eine weiße Fahne. „Wir wollen ein Zeichen setzen“, sagt Schulleiter Daniel Riegel und folgt mit der Schulaktion dem Appell der Gewerkschaft GEW.

Halver - An der Fassade beider Standorte der Regenbogenschule hängen weiße Fahnen. „Wir wollen ein Zeichen setzen“, sagt Schulleiter Daniel Riegel und folgt mit der Schulaktion dem Appell der Gewerkschaft GEW. Die weißen Bettlaken, Tücher und Fahnen an vielen Grundschulen im Märkischen Kreis sollen ein Hilferuf nach kurzfristigen Lösungen sein. Und seit Mittwoch sind sie neben zahlreichen Schulen in Lüdenscheid auch in Halver zu sehen.

Daniel Riegel ist der Meinung, dass die Testungen von externen Personen durchgeführt werden müssten. „Wir haben das Gefühl wir sind ein Testcenter.“ Präsenzunterricht soll durch die Testungen zwar gewährleistet werden, „aber er leidet darunter“, sagt Riegel deutlich.

Eine weiße Fahne hängt an der Regenbogenschule. Als Zeichen der Erschöpfung.
Eine weiße Fahne hängt an der Regenbogenschule. Als Zeichen der Erschöpfung. © Daniel Riegel

Information über Presse

Am Montag mussten drei Schulklassen zu Hause bleiben, weil die Pool-Tests positiv waren. Auf Einzelergebnisse warteten Eltern und Schüler erneut, weil die Labore überlastet waren und sind. Am Dienstag wartete man noch immer auf die Mitteilung, welche Kinder wirklich positiv sind und welche dementsprechend wieder in die Schule dürften.

Aber stattdessen erreichte den Schulleiter die Information, dass Einzelergebnisse jetzt und fortan nicht mehr ausgewertet werden. „Wir schwammen in der Luft“, sagt Riegel und wusste zunächst nicht, was er auf die vielen Anfragen, die ihn erreichten, antworten sollte. Die Erschöpfung merkt man dem Schulleiter an. „Zitieren Sie mich lieber nicht, ich bin momentan nicht zitierfähig“, sagt er.

Schulmail kommt nachts

Am Dienstagabend schickt der Schulleiter eine E-Mail an die Eltern raus, um sie über das weitere Vorgehen zu informieren. Denn laut neuer Anordnung sollen die Schüler der positiv getesteten Pools zur Schule kommen und mittels Schnelltest erneut getestet werden. Offiziell aber war es am Dienstag noch nicht. Erst mit der Schulmail, die kurz vor Mitternacht ankam – wenngleich sie mit 22.30 Uhr gekennzeichnet ist. „Selbst 22.30 Uhr finde ich zu spät“, sagt Riegel. „Die Schulen, die reagiert haben, haben nur auf Pressemitteilungen reagiert“, sagt Monika Lauterbach, Leiterin der Lindenhofschule. In Halver war das der Fall.

So kam es, dass Daniel Riegel am Mittwochmorgen um 5.30 Uhr eine weitere Mail verfasste und um Erscheinung der Schüler bat. Nicht alle sind gekommen, aber unter denen, die von den positiven Pools waren, war ein Schüler positiv. Andere Eltern schrieben der Schulleitung bereits vorab und informierten über ein positives Ergebnis, denn auch ein Bürgertest kann vorgelegt werden. Wie viele Schüler genau positiv sind, kann Daniel Riegel nicht sagen. Nur so viel: „Es hat uns überrollt.“

Ähnliche und kurze Informationen aus der Lindenhofschule: Seit dieser Woche gibt es viele positive Fälle, sagen Schulleiterin Monika Lauterbach und ihre Stellvertreterin Sara Nothjunge. Insgesamt sind es derzeit mehr als zehn. Auch hier schlägt die Omikron-Welle zu. Dass es nur eine Frage der Zeit war, wussten die Schulleiter schon kurz nach den Weihnachtsferien. Getestet wurde am Mittwochmorgen vor Schulbeginn nur zum Teil an der Schule, der Großteil der Schüler hat sich extern testen lassen.

Kritik am Vorgehen

Auch Eltern hinterfragen die neuen Strategien. Das können Monika Lauterbach und Sara Nothjunge verstehen – so auch die Kritik am Schnelltest in der Nase. Weil die Schüler es nicht alle könnten und auch Angst davor hätten, wurde entschieden, dass es Lolli-Tests gibt. Jetzt gibt es doch wieder die Abstriche in der Nase und einen erheblichen Mehraufwand – erst recht, wenn es mit den positiven Pools mitten in der Omikron-Welle so weitergeht.

In der Schulmail komme es so rüber, als wäre die neue Regelung für die Grundschulen leicht umsetzbar. Aber das ist nicht der Fall, sagt Daniel Riegel. „Für uns ist das Verfahren weder routiniert noch eingespielt.“ Auch für die Kinder nicht. Sie benutzen die Lollis oft falsch und sollen sich jetzt selbst in der Nase testen, merkt der Regenbogenschulleiter an. Monika Lauterbach schließt sich dem an und sagt: „Man kann keine Teststrategie innerhalb eines Tages ändern.“

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