„Reine Frauendomäne ist nicht gesund für die Kinder“

Die Grundschüler in Halver werden überwiegend von weiblichen Lehrkräften unterrichtet.

HALVER ▪ Insgesamt neun Lehrkräfte und eine Lehramtsanwärterin unterrichten täglich die Schüler der Grundschule in Oberbrügge. Schulleiter Bernd Ritschel ist dabei der einzige männliche Lehrkörper. Dieses Zahlenverhältnis entspricht dem aktuellen Trend in NRW, den Information und Technik Nordrhein-Westfalen als Statistisches Landesamt jetzt bekannt gab.

Danach seien bei der Unterrichtung der jüngsten Schüler Männer deutlich unterrepräsentiert. So sei der Lehreranteil an Grundschulen zwischen 2005 von 10,9 Prozent stetig auf 9,4 Prozent im Jahr 2011 gesunken. Auch in der Grundschule in Oberbrügge wurden die Schüler jahrelang ausschließlich von Frauen unterrichtet. Seit 2003 ist mit Bernd Ritschel auch eine männliche Stimme in den Klassenzimmern zu hören. Genau die sei es laut Ritschel auch, die dem Lehrer den Umgang mit den Schülern leicht mache: „Gerade Jungs reagieren manchmal nicht, wenn der Lehrer etwas sagt.“ Dann fahre Ritschel seine Stimme einfach noch weiter in den Keller und dann klappe es auch mit dem Zuhören. Der Schulleiter hat keine eigene Klasse, unterrichtet aber einzelne Fächer wie Schwimm- und Förderunterricht.

Auch die derzeit 200 Schüler der Lindenhofschule werden überwiegend von Frauen unterrichtet. Zwölf weiblichen Lehrkräften steht gerademal ein Lehramtsanwärter gegenüber. Zudem finden sich regelmäßig ein Arabisch- und ein Türkischlehrer in der Lindenhofschule ein. Jede Menge männlichen Einfluss gibt es für die Schüler hingegen am Nachmittag. Dann betreuen einige junge Männer und ein Bundesfreiwilligendienstler die Jungen und Mädchen beim Fußball, Schwimmen und Schach.

Von so viel männlicher Unterstützung kann Petra Schreiber, Leiterin der Grundschule „Auf dem Dorfe“, nur träumen. Denn: „Wir haben gar keinen männlichen Lehrer hier bei uns.“ Darüber ärgert sich die Schulleiterin außerordentlich. Sie schätze die Arbeit ihrer Kolleginnen sehr. Aber: „Eine reine Frauendomäne ist nicht gesund für die Kinder.“ Ab dem Grundschulalter sollte der männliche Einfluss nicht fehlen. „Wenn aus irgendwelchen Gründen bei uns doch mal ein Mann vor den Kindern einer Klasse steht, ist das für die Schüler ein echter Höhepunkt“, erklärt Petra Schreiber.

Als einen der Hauptgründe dafür, dass kaum Männer als Lehrer in Grundschulen zu finden seien, sieht Petra Schreiber die geringe Bezahlung der „Familienversorger“.

Zudem gebe es nur wenige Aufstiegschancen. Deshalb seien in der Grundschule nur Idealisten oder Männer in der Position des Schulleiters anzutreffen, was aus Sicht von Schreiber sehr bedauerlich ist. ▪ jape

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