Grünabfälle kosten die Stadt 53 000 Euro pro Jahr

Die Autos standen am Montag Schlange auf dem Gelände des Baubetriebshofs.

HALVER ▪ Hauptsache weg – das denken sich die Gärtner, die ihren Grünabfall zum Baubetriebshof bringen (wir berichteten). Aber wohin kommen Zweige, Laub & Co. eigentlich? Der AA hat den recht kostspieligen Weg des grünen Mülls verfolgt.

Allein die Menge ist beachtlich: Im Schnitt fallen jährlich etwa 700 Tonnen Grünabfall in Halver an. Das bestätigte Kai Hellmann, Fachbereich „Zentrale Dienste und Finanzen“, auf Anfrage. Und weil die Stadt dem Anschluss- und Benutzungszwang (siehe Infokasten) unterliegt, muss sie den Müll zur Deponie nach Kleinleifringhausen in Lüdenscheid bringen lassen. Damit ist das Unternehmen Lobbe beauftragt und stellt dafür 76 Euro pro Tonne in Rechnung. So entstehen auf das Jahr gerechnet Kosten in Höhe von rund 53 000 Euro.

Die Mülldeponie ist aber längst nicht die End- sondern nur eine Zwischenstation. Denn wieder ist es das Unternehmen Lobbe, das den Grünabfall weiter zur eigenen Anlage nach Iserlohn-Sümmern bringt. Diesmal jedoch im Auftrag des Märkischen Kreises, wie Rolf Skibinski-Palmer von der Abteilung „Abfallwirtschaftskonzept“ erklärt. Demnach verdient Lobbe also gleich zweimal am Transport und dann am Weiterverkauf: Denn entweder wird der grüne Müll kompostiert oder für die landwirtschaftliche Verwertung bereitgestellt. Und hinzu kommt: Einen weiteren Teil, den hauptsächlich hölzernen, verkauft das Unternehmen Produzenten von Biomasse oder Holzpellets.

Ein Geschäft, das laut Baubetriebshofleiter Raimund Baytz floriert. Denn unter dem Aspekt der erneuerbaren Energien sei Grünabfall immer gefragter. Deshalb habe er schon mehrmals angeregt, dass die Stadt – auch mit Blick auf die angespannte Finanzsituation – selbst in den Handel einsteigt. „Wir könnten, wenn wir wollten“, sagt er. Angesichts der Müllmenge könnte sich das für die Stadt Halver tatsächlich durchaus rechnen. Kai Hellmann macht allerdings deutlich, dass der Verwaltung die Hände gebunden seien.

Denn dafür müsste erst eine rechtliche Grundlage geschaffen werden: „Das ist eine politische Entscheidung“, macht Rolf Skibinski-Palmer deutlich. Auf Nachfrage räumt er ein, dass es bereits einige Anfragen gegeben hätte. Aber: „Das haben wir als Kreis abgelehnt.“ Zu den Gründen sagt er nichts, genauso wie zu den Kosten, die dem Kreis durch die Aufträge an Lobbe entstehen. ▪ Lisa Weber

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