Wenig Einsicht bei Angeklagten

HALVER - Wenig einsichtig und weitgehend beratungsresistent gaben sich ein Mann aus Halver und eine ehemalige Halveranerin am Mittwoch im Amtsgericht Lüdenscheid. Die 23 und 27 Jahre alten Angeklagten hatten im Februar 2013 ein Handy über eine Kleinanzeige beim Internet-Auktionshaus Ebay für 70 Euro zum Verkauf angeboten. Ein Münsteraner überwies den Kaufpreis auf ein Konto der Angeklagten, doch das Handy kam nie bei ihm an.

Aber auch das Geld wurde nicht zurücküberwiesen. Nach mehreren Versuchen zur Kontaktaufnahme mit den Verkäufern ging der Geschädigte den üblichen Rechtsweg, um sein Geld zurückzubekommen. Doch das blieb ohne Erfolg.

Die Angeklagten versicherten, sie hätten das Handy als „Kleinwarensendung“ abgeschickt. Es sei nicht ihr Verschulden, dass es nie beim Käufer angekommen sei. Einen Beleg über die postalische Einlieferung des Päckchens hatten die beiden jedoch nicht. „Sie müssen liefern“, erklärte Richter Wolfram Arnold den Angeklagten die Rechtslage, derzufolge die Absender hätten sicherstellen müssen, dass die Sendung ankommt oder entsprechend versichert wird. Da sie das Geld dem geprellten Käufer nicht zurückerstatteten, machten sie sich zwar möglicherweise keines Betruges, aber einer Unterschlagung schuldig. Das aber wollten die Angeklagten nicht einsehen: „Wir haben das Handy auch nicht mehr“, versicherte die 27-Jährige, die die klare Rechtslage nicht verstehen wollte oder konnte. Auch der 23-Jährige, der bereits diverse Vorstrafen auf ganz unterschiedlichen Gebieten gesammelt hatte, wollte überhaupt nicht einsehen, dass er in der Pflicht war. Richter Wolfram Arnold machte einen Vorschlag zu äußerster Güte: Gegen Zahlung der 70 Euro an den Geschädigten würde er das Verfahren einstellen. „Schwachsinnig – mein Handy ist weg“, schimpfte der Angeklagte, der richterliche Großzügigkeit offenbar nicht verdient hatte. Doch schließlich siegte ein Rest an Einsicht bei den Angeklagten. Nach einer Verhandlungspause kamen sie mit 70 Euro zurück, und das Verfahren wurde tatsächlich eingestellt. Wenig zufrieden mit diesem Ergebnis war der Geschädigte angesichts der hohen Kosten, die er bereits für die Eintreibung des Geldes gehabt hatte. - thk

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