Barrierefreiheit im Gymnasium

Großer Plan wird blockiert: Der AFG-Aufzug steckt schon fest, ehe er gebaut wurde

Besondere Sitzung: Zum letzten Mal kam der Hauptausschuss vor der Kommunalwahl im September zusammen.
+
Besondere Sitzung: Zum letzten Mal kam der Hauptausschuss vor der Kommunalwahl im September zusammen.

Halver - War die Entscheidung für den Entwurf eines Aufzuges im Ausschuss für Öffentliche Einrichtungen einstimmig für den Bau, stimmte der Hauptausschuss dagegen. Dafür hatten die Mitglieder Gründe, die nicht nur auf den Millionenbetrag bezogen waren.

Der geplante Aufzug, der das Anne-Frank-Gymnasium barrierefrei erschließen soll, steckt gleich im Anfangsstadium fest. Der Hauptausschuss hat am Mittwochabend den von der Verwaltung vorgelegten Baubeschluss abgelehnt. Angesichts des sich abzeichnenden Votums aus der Politik nahm die Verwaltung nach gut einstündiger Debatte den Beschluss von der Tagesordnung.

Es geht um viel Geld. Das ist die eine Seite. 990 000 Euro werden veranschlagt, um nach dem Entwurf der Architektin Cathrin Brückmann an einer Stelle alle Ebenen der Schule für Schüler und Lehrer zu erschließen, die aufgrund einer Gehbehinderung das Gebäude nicht oder nur unter Umwegen und Einschränkungen nutzen können.

Planskizze für den neuen Aufzug am AFG: Das Projekt steckt derzeit allerdings fest.

Das Argument der Barrierefreiheit wiegt dabei schwer. Das war in allen Fraktionen erkennbar. „Die Planung gefällt, das ist aus einem Guss“, sagte Sascha Gerhardt (FDP), „ich will nichts verhindern und verschleppen“, stellte Werner Lemmert (UWG) fest. Und auch Karl-Friedrich Osenberg (Grüne) will „keine primitiven Lösungen wie Raupen oder Rampen, die für Spott sorgen“.

Projekt kratzt an Millionengrenze

Doch im Hauptausschuss sitzen eben auch die Fraktionsspitzen, die nach der langen, sechsjährigen Legislaturperiode kritische Fragen an die Verwaltung richteten. Welche Alternative gibt es zur Millioneninvestition, die man nach nur kurzer Vorlaufzeit jetzt zu treffen hätte? Das wollte Werner Lemmert (UWG) wissen, aber auch Martina und Andreas Hesse von der CDU. Wie viele Betroffene es am AFG tatsächlich gebe, wollte Andreas Hesse hören. Ob eine Förderung durch Drittmittel ausreichend geprüft worden sei, war eine weitere zentrale Frage, die sich durch eine ernsthafte und wohlwollende Diskussion gegenüber der Schule zog.

SPD plädiert für Barrierefreiheit

Am ehesten hätte wohl die SPD die Verwaltungsvorlage mitgetragen und den Baubeschluss, den der Fachausschuss für öffentliche Einrichtungen in der vergangenen Woche einstimmig Hauptausschuss und Rat empfohlen hatte. Fraktionschef Martin Kastner konnte eher die Argumentation von Bürgermeister Michael Brosch verteidigen, der zwar keine Türen zuschlagen wollte, aber das Argument der Barrierefreiheit vehement ins Feld führte. Das AFG, sagt Brosch, habe „Strahlkraft in die Region und stehe der Stadt Halver gut zu Gesicht“. Man investiere in die Zukunft der Schule, um keine Schüler nach Hagen oder Lüdenscheid schicken zu müssen.

Alternativen werden geprüft

Vom Tisch ist das Thema nach dem Hauptausschuss natürlich nicht. Aufgabe für die Verwaltung ist, Alternativen zu prüfen, was technisch möglich und anders finanzierbar ist. Das werden aber nicht mehr der amtierende Rat und der jetzige Hauptausschuss tun. Gewählt wird im September. Der neue Rat tagt erstmals am 5. Oktober. Und der muss auch über den Haushalt 2021 der Stadt Halver entscheiden. Und über Barrierefreiheit am AFG.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare