Ansturm auf Schnäppchen im Hotel Haus Frommann

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Auch Thomas Gehring, Fachbereichsleiter für Bürgerdienste, war überrascht vom Andrang auf dem Flohmarkt.

Halver - Auf enormes Interesse stieß am Samstagvormittag der Flohmarkt im ehemaligen Hotel Haus Frommann: Schon ab 9 Uhr – eine Stunde vor Beginn– bildeten sich lange Schlangen vor dem Eingang. Rund 200 Besucher stöberten allein zwischen 10 und 11 Uhr in den Räumen der künftigen Flüchtlingsunterkunft.

Während die ersten schon mit Taschen voller Geschirr und Deko-Gegenständen ihre Autos ansteuerten, warteten viele weitere Gäste noch geduldig auf der Treppe und dem Bürgersteig.

Bis zu 60 Asylbewerber sollen ab Juni in dem ehemaligen Hotel untergebracht werden. Alles, was zu diesem Zweck nicht mehr gebraucht wird, hatten Stadtverwaltung und Flüchtlingshilfe gemeinsam für den Basarverkauf vorbereitet.

Dass dieser so viele Halveraner und Einwohner der Nachbarkommunen anlocken würde, überraschte die Organisatoren jedoch. „Es hat sicher seinen Reiz, hier ein paar außergewöhnliche Sachen finden zu können – und es ist ja auch etwas Anderes als ein Flohmarkt auf dem Baumarkt-Parkplatz“, vermutete Fachbereichsleiter Thomas Gehring von der Stadtverwaltung Halver den Grund für das große Interesse. „Aber mit einem solchen Ansturm hätte ich nicht gerechnet.“ Ergebnis des Basars war ein Gesamterlös von etwas 2500 Euro. Er wird geteilt zwischen Flüchtlinshilfe und der Stadt Halver.

Christian Kaufmann, der sich in Halver als Bundesfreiwilliger um Flüchtlingsangelegenheiten kümmert, hatte den Flohmarkt in den vergangenen Wochen mit vorbereitet und war auch am Samstag durchgehend im Einsatz. Er beriet die Kunden, half ihnen, sperrige Kühlschränke oder Kisten voller Teller und Gläser zur Kasse zu tragen, und handelte Preise aus. „Wir haben im Vorfeld mit allen Helfern zusammen Richtpreise festgelegt, die uns heute als Verhandlungsbasis dienen“, erläuterte er.

Persönliche Erinnerungen

Aber nicht nur Schnäppchenjäger strömten in das leere Hotel. Etliche Besucher verbinden auch Erinnerungen mit dem Haus und wollten es deshalb noch einmal von innen sehen. „Ich finde das traurig“, sagte Rita Joergens mit Blick auf den Ausverkauf. „Das Haus Frommann war einmal eine richtig große Hausnummer.“

Die gebürtige Carthauserin, die heute in Nachrodt lebt, hatte sich zum Flohmarkt mit einer Freundin verabredet, die wie sie gegenüber vom Hotel aufgewachsen ist. „Wir haben die ganze Entwicklung von der Dorfkneipe zur guten Adresse mitbekommen – und am Ende auch den Verfall“, erinnerten sich die beiden Frauen.

Kaufen wollten Joergens und ihre Freundin auf dem Basar nichts. Andere Besucher nahmen dagegen persönliche Erinnerungsstücke mit nach Hause: „Eine Kundin hat fünf oder sechs Osterhasen gekauft. Die hatte sie selbst einmal für die frühere Inhaberin aus Holz ausgesägt und angemalt und wollte sie jetzt gerne wiederhaben“, berichtete eine Helferin der Veranstaltung.

Blick in Zimmer der Flüchtlingsunterkunft

Wer fündig geworden war und seine Schätze am ehemaligen Empfangstresen bezahlt hatte, konnte noch einen Blick in die Zukunft des Hauses werfen. Vivien Hartauer von der Stadtverwaltung zeigte den Gästen auf Wunsch zwei Zimmer in den oberen Etagen, die schon für die Ankunft der Flüchtlinge vorbereitet wurden.

Neben dem Flohmarkt-Angebot bestand auch die Möglichkeit, einen ersten Blick in die umgerüsteten Zimmer zu werfen, in denen künftig zugewiesene Asylbewerber leben werden, wie den Besuchern Vivien Hartauer (2. von rechts) seitens der Stadt erläuterte.

21 Räume stehen insgesamt für die Unterbringung von Familien und Einzelpersonen zur Verfügung. Zwei Etagenbetten bieten in den größeren Zimmern Schlafmöglichkeiten, in den kleineren steht nur ein solches Bett.

Etliche Flohmarktkunden nutzten die Gelegenheit, die Zimmer anzuschauen und Fragen zu stellen. Diese bezogen sich nicht nur auf das Haus Frommann, sondern auch auf den Alltag, der die Flüchtlinge dort erwartet. „Was machen die denn hier den ganzen Tag?“, wollte eine Besucherin mit Blick auf die Lage der Unterkunft wissen. Es gebe Busverbindungen nach Halver, Schalksmühle und Lüdenscheid, antwortete Vivien Hartauer. So hätten die Asylbewerber nicht nur eine Anbindung an die Innenstädte, sondern könnten auch ihre Einkäufe erledigen. „Außerdem kümmert sich auch die Flüchtlingshilfe.“

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