Große Baumaßnahme in Halver-Oberbrügge für „namenloses Gewässer“

Ein Bächlein wird gefasst

Das namenlose Gewässer am Ende des Heidewegs ist zurzeit pulvertrocken.
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Das namenlose Gewässer am Ende des Heidewegs ist zurzeit pulvertrocken.

Das Bächlein am Heideweg hat nicht einmal einen Namen. Als „namenloses Gewässer“ wird es geführt. Und zeitweise ist auch kein Wasser drin. Aber es sorgt mindestens für Verwunderung in Oberbrügge und für Ärger bei den Anwohnern, die enorme Umwege in Kauf nehmen müssen, wenn sie nach Halver oder Richtung Lüdenscheid fahren müssen und nicht durch die Kanalbaustellen in der Heerstraße kommen.

Halver - „Von April bis November war hier kein Wasser drin“, sagt eine Spaziergängerin, die fast täglich dort mit ihrem Hund unterwegs ist. Das Bächlein ist pulvertrocken. Wasser führt es nach Starkregen oder der Schneeschmelze, dann aber gerade einmal knöchelhoch. Früher sei es mal etwas mehr gewesen, erinnert sie sich, doch zurzeit ist das „namenlose Gewässer“ durchgehend trockenen Fußes begehbar.

In der Vergangenheit war das Bächlein auch kein Problem. Floss doch mal was durch, verschwand das Quell- und Niederschlagswasser in einem kleinen Rohr am Ende des Heidewegs und lief über den Mischwasserkanal ab, der die befestigten Flächen der Wohnbebauung im Umfeld entwässert. Bloß: Das darf der Bach nicht.

Künftig wird der Bach am Ende des Heidewegs „gefasst“, wie es technisch heißt, und verrohrt. Dann fließt das Wasser – wenn es denn fließt – als Gewässer unterirdisch durch den Heideweg zur Heerstraße, weiter durch den Nocken und am Ende in die Kleine Schlemme und in die Volme.

Weil die Topografie für die Vorflut im freien Gefälle aber mindestens unglücklich ist, erfordert die Trassierung eine Tiefenlage in der Heerstraße von bis zu acht Metern. Entsprechend kostenintensiv ist dieser Bereich.

Acht Meter tief müssen die Rohre für den Bach in die Heerstraße gelegt werden.

„Wir sind da alle nicht glücklich drüber“, sagt Bürgermeister Michael Brosch über das unfreiwillige Großprojekt. Doch die Stadt kommt nicht daran vorbei. Die gesetzlichen Grundlagen, wie mit offenen Gewässern umzugehen ist, sind das Wasserhaushaltsgesetz (WHG), das Landeswassergesetz (LWG NRW) und die Ortsentwässerungssatzung, wie aus dem Bauamt Hubert Kowalski, zuständig für Gewässer und für die Siedlungswasserwirtschaft, auf Anfrage erklärt. Und dieses Wasser gehöre eben nicht ins städtische Abwassersystem, das rechnerisch darauf nicht auszulegen ist. Denn wenn zum Niederschlagswasser von bebauten Flächen, für die der Mischwasserkanal zu dimensionieren ist, auch noch Grundwasser und Gewässer kommen, sei der Kanal in unzulässiger Weise schnell voll.

Wir sind da alle nicht glücklich drüber.

Michael Brosch, Bürgermeister

Die Rückmeldungen der Hausbesitzer kommen dann aus den tiefer gelegenen Ortsteilen, insbesondere aus der Heerstraße, dem Ohler Weg und vom Uferweg, wenn das Wasser in die Keller zurückstaut. „Das müssen die Anwohner mindestens aus diesem Grund nicht hinnehmen“, sagt Kowalski.

Die Feststellung des Missstandes erfolgte aufgrund der Analyse der Fremdwassersituation und Erarbeitung von Handlungskonzepten im Einzugsgebiet der Ruhr, in dem Fall für das Einzugsgebiet der Kläranlage Volmetal, in 2009 durch den zuständigen Abwasserverband. Akut geworden sei die Lage nach Bekanntgabe der Untersuchungsergebnisse des Ruhrverbands, der in der Vergangenheit über Monate die tatsächlichen Niederschläge und die Abflüsse ermittelt habe. Der Zufluss sei „nicht unerheblich“.

Und die Erkenntnisse habe der Verband an die Bezirksregierung weitergereicht, die die Stadt zum Handeln aufgefordert habe, den Missstand zu beheben. Denn klar sei: Eine Einleitung in den Kanal bedürfe einer Genehmigung, und die ist nicht in Sicht.

Aus diesem Grund wird weiter gebaut in der Heerstraße und im Heideweg. Voraussichtlich am 25. Juni, so der Zeitplan, soll die Baustelle innerhalb der Heerstraße abgeschlossen sein, bevor es weiter in den Heideweg geht. Nach Fertigstellung fließt das „namenlose Gewässer“ bestimmungsgemäß unter Oberbrügge hindurch Richtung Volme.

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