Entsorgung von Grabsteinen

Der letzte Weg des Grabsteins: Er ist nicht einfach nur Müll

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Diese Grabsteine haben ausgedient: Von einem Entsorgungsproblem sprechen die Verwalter des evangelischen Friedhofes zwar nicht, aber noch liegen sie haufenweise hinterm Zaun.

Halver - Gräber werden nach Ablauf ihrer Liegezeit aufgelöst. Während unter der Erde das meiste vergeht, bleiben oben Grabsteine zurück, die niemand mehr braucht. Wir haben hinterfragt, wo sie hinkommen.

Von einem Entsorgungsproblem möchte man auf dem Evangelischen Friedhof in Halver nicht reden. Ulrich Streppel sagt, die Entsorgung der Grabsteine wurde vor sich hergeschoben – und jetzt liegt ein Berg von Grabsteinen hinterm Zaun des Friedhofs. Der Leiter des Friedhofs gibt zu, dass es soweit nicht hätte kommen müssen, aber es habe bisher niemanden gestört. Jetzt sei es aber an der Zeit. „So kann es nicht bleiben.“ Kein weiterer Stein wird mehr dem Haufen hinzugefügt. 

Stattdessen steht an der Werkhalle des Friedhofs ein Container vom Entsorgungsunternehmen Misterek und Gliese GmbH bereit. Nach und nach sollen die Steine von der Kippe am anderen Ende des Friedhofs dort hineinkommen. Aktuell bietet der Steinhaufen Schlangen und Eidechsen einen Unterschlupf, wie die Mitarbeiter Frank Petzel und Matthias Barwanitz sagen. Das sei das Positive an dem Steinhaufen, aber auch sie sind der Meinung, dass er nicht noch höher werden sollte. Aber die Arbeit sei nicht zu unterschätzen. 

Die Steine sind schwer

An jedem Stein haftet ein schweres Fundament, das eine Umlagerung nur mit Bagger und Frontlader ermöglicht. Mal eben sei das nicht gemacht. Es muss in den Arbeitsalltag der Mitarbeiter so integriert werden, dass es passt, sagt Streppel. Auf rund 25 Euro belaufen sich die Kosten für eine Tonne Bauschutt, als welche Grabsteine am Ende gelten, wie Tobias Misterek sagt. 

Seit rund einem Monat steht vom Entsorgungsunternehmen der Container bereit – abgeholt wurde er bisher noch nicht, wie der Geschäftsführer des Unternehmens sagt. Wenn der Container gefüllt ist, werden die Steine auf die nächstgelegene Deponie nach Ennepetal gebracht. 

Emotionaler Wert der Grabsteine

„Ich weiß, dass an Grabsteinen ein emotionaler Wert haftet“, sagt Misterek. „Aber am Ende sind sie Bauschutt.“ Vom Gefühl her sei das zwar komisch, sagt er, aber immerhin seien Grabsteine mineralischen Ursprungs. Zum einen ist dadurch die Entsorgung vergleichsweise günstig, weil keine Verbrennung erforderlich ist. Zum anderen besteht die Chance, dass Grabsteine recycelt werden. 

Die Möglichkeit des Recycelns

Wenn sie aus Beton bestehen, werden sie höchstwahrscheinlich zu Schuttgut weiterverarbeitet und im Straßenbau eingesetzt. Früher sei es so gewesen, sagt Streppel, dass die Steine teilweise für den Wegebau des Friedhofs genutzt wurden. Daran kann auch er sich noch erinnern. Andere wurden entsorgt oder an Steinmetze übergeben. Den Steinhaufen schätzt er auf rund zehn Jahre. 

Hin und wieder komme es vor, dass Angehörige den Grabstein selbst an einen Steinmetz übergeben, wie der Halveraner Steinmetz Achim Scholz sagt. Aber wenn, dann wollen die Angehörigen ein Teil vom Stein fachgemäß abmontiert haben – das kann beispielsweise eine Blume sein. „Als Andenken behalten Angehörige selten den kompletten Stein.“ 

Wiederverwenden möchte er den Stein nicht. „Das ist äußerst unüblich“, sagt er. „Als würde ein Brief durchgestrichen und auf der Rückseite neu beschrieben werden.“ Buchstaben herunterzuschleifen sei zu teuer und aufwendig. „Es gibt genug Steine auf der Welt und auch genug kreative Menschen, die neue Grabsteine entwerfen“, sagt er.

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