Von goldenen Teufelshaaren und moralischen Werten

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Gebannt verfolgten die Realschüler die Aufführungen des „Theaters der Dämmerung“. ▪

HALVER ▪ Der gespannten Faszination folgte der tosende Applaus: Das „Theater der Dämmerung“ begeisterte gestern Vormittag in der Aula die Klassen fünf bis acht der Realschule. Das zweiköpfige Düsseldorfer Ensemble inszenierte ein Märchen und diverse klassische Balladen als Schattenspiele.

Für die Fünft- und Sechstklässler führten Friedrich Raad und Dimitri Lermann in ihrer Guckkastenbühne das Märchen „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ der Gebrüder Grimm auf. In dem Stück geht es um einen jungen Mann, der in einer aus den Fugen geratenen Welt einem König die drei goldenen Haare des Teufels bringen muss, um seine geliebte Prinzessin behalten zu dürfen. In der Hölle trifft der Jüngling die gutherzige und hilfsbereite Großmutter des Teufels, die dem Jüngling die goldenen Haare und damit die Weisheiten des Teufels bringt. So gelingt es dem Helden, die Welt wieder in Ordnung zu bringen, seine Prinzessin zurückzubekommen und Nachfolger des habgierigen Königs zu werden.

Anschließend inszenierten Raad und Lermann unter anderem Friedrich Schillers „Der Handschuh“, Johann Wolfgang von Goethes „Der Erlkönig“ und Theodor Fontanes „Die Brücke am Tay“. Die liebevoll gestalteten Bühnenbilder, die der jeweiligen Stimmung einer Szene entsprechend farbig beleuchtet wurden, und die professionell geführten Scherenschnittfiguren zogen auch die Siebt- und Achtklässler der Realschule in ihren Bann.

Seit nunmehr 18 Jahren reist Friedrich Raad mit seinem „mobilen Theater“, wie er seine Guckkastenbühne und die zahlreichen Requisiten liebevoll nennt, durch die Republik und haucht klassischen Stücken durch sein Schattenspiel Leben ein. Perfektion steht für den 49-Jährigen dabei nicht im Vordergrund. „Wichtiger ist, dass man die Stücke seelisch auffüllen und mit Spielfreude vermitteln kann“, erklärte Raad. Nur so könne er „mit den gespielten Figuren verschmelzen“, deren Stimmen er größtenteils allein spricht.

Was den geübten Schauspieler an Märchen und Balladen besonders reizt, sei der humanistische Aspekt. „Ich finde es toll, dass diese Stücke durch die Erzählung moralische Werte vermitteln – etwa wenn ein gieriger und selbstherrlicher König am Ende die Quittung kriegt, indem er abgesetzt wird“, erläuterte Raad. ▪ Sven Prillwitz

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