"Eine schleichende Gefahr" in der Natur 

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Dirk Mesenhöller bekämpft mit Herbiziden am Oberbrügger Volmeufer einen rund drei Meter hohen Bärenklau. Die Pflanze ist hochgiftig und führt bei Hautkontakt zu starken Verätzungen und Brandblasenbildung.

Halver - Eine kräftige, ansehliche gelbe Farbe und dazu Blätter, die an einen Rucola-Salat erinnern. Der schöne Schein hat allerdings eine Schattenseite: Die beschriebene Pflanze – das Jakob-Kreuzkraut – ist sehr giftig und führt unter anderem bei Pferden nach Verzehr zu starken Leberschäden. Stadtmitarbeiter bekämpfen regelmäßig die giftigen Pflanzen, zu denen ebenfalls der Bärenklau zählt.

„Eine Faustformel gibt es nicht, allerdings sind wir in regelmäßigen Abständen in der Natur unterwegs“, erklärt Klaus Ostermann, stellvertretender Leiter des Baubetriebshofs. Etwa alle vier bis sechs Wochen machen die Mitarbeiter des Bauhofs eine große Runde durch das Halveraner Stadtgebiet. „Das nimmt dann schon mal zwei Tage in Anspruch“, sagt Ostermann.

Drei giftige Unkrautpflanzen

Man sei sich der Gefahr bewusst, die von den giftigen Pflanzen ausgeht. „Gefährlich sind in Halver der Bärenklau, der Knöterich und das Jakob-Kreuzkraut. Das sind eingeschleppte Fremdpflanzen, die so eigentlich nicht in der Region vorkommen“, erklärt Ostermann. Daher hätten die Giftpflanzen auch keine natürlichen Feinde und könnten sich ungehemmt ausbreiten. Allerdings seien die Mitarbeiter der Stadt sehr akribisch, was die Bekämpfung neuer Stauden angehe.

„Diese Aufgabe übernimmt der Kollege Dirk Mesenhöller, der einen speziellen Spritzmittelschein besitzt“, sagt der stellvertretende Leiter des Baubetriebshofs. Mesenhöller steht eine größere Giftspritze zur Verfügung – Vergleichbares gibt es natürlich auch in privaten Haushalten. Damit fährt der Mitarbeiter des Baubetriebshofs dann durch die Naturgebiete in der Stadt im Grünen.

Bärenklau am Volmeufer

„Das Unkraut vermehrt sich überall und wuchert sehr stark. Ob im Garten oder in Gewässernähe spielt dabei keine Rolle“, sagt Mesenhöller auf der Fahrt zum Oberbrügger Volmeufer. Dort bekämpft er zur Zeit sehr große Exemplare des Bärenklaus. Durchaus mit einigem Erfolg, denn im Halveraner Stadtgebiet gibt es vergleichsweise weniger dieser Pflanzen, die bei Hautkontakt starke Verätzungen verursachen. „Die Pflanze ist zäh“, weiß Mesenhöller. „Da muss man mit den Spritzmitteln dahinter bleiben. Aber über die Jahre haben wir rund 50 Prozent des Gesamtbestandes komplett vernichtet. Es ist trotzdem eine schleichende Gefahr, da die Samen sehr resistent sind“.

Meistens begleitet ihn ein Arbeitskollege aus dem Bauhof, der Mesenhöller in unwegsamen Gelände sichert und so aufpasst, dass er nicht abstürzen kann. Besonderes Augenmerk muss Mesenhöller an Bach- und Flussverläufen haben, damit das Herbizid nicht in den Boden und damit ins Wasser versickert. „Der Gewässerschutz ist gerade in Naturschutzgebieten sehr wichtig.“ Zudem muss Mesenhöller darauf achten, dass das verwendete Herbizid „Garlon 4“ – je nach Einsatzort und Pflanze – im richtigen Mischverhältnis zusammengestellt wird. „Das Mittel wird mit Wasser verdünnt. Das ist in purer Konzentration nicht nutzbar“, erklärt Mesenhöller.

Angewendet wird es ausschließlich auf das Blattwerk – niemals im Wurzelbereich. „Die Gefahr, dass es ins Grundwasser eindringt, ist groß. Das wollen wir vermeiden“, betont der Bauhofmitarbeiter. „In seltenen Fällen, wie in der Nähe von Hauswänden, graben wir die Giftpflanzen auch aus. Dann allerdings nur in kompletter Schutzkleidung.“

„Natürlich sind wir auch auf die Hinweise der Halveraner Bürger angewiesen. Das erleichtert unsere Arbeit, da wir nicht jeden Zentimeter absuchen können“, erhofft sich Ostermann Hinweise auf Standorte von giftigen Pflanzen. Mesenhöller schätzt die Anzahl der Einsätze aufgrund solcher Meldungen auf rund 60 pro Saison. Wer also bei Ausflügen oder Wanderungen in der Natur auf Bärenklauen oder Kreuzkraut stößt, kann dies den Mitarbeitern des Baubetriebshofs unter der Rufnummer 0 23 53/66 52 76 melden.

„Bloß nicht selbst wilde Experimente starten. Das wird schmerzhaft“, weiß Experte Dirk Mesenhöller aus eigener Erfahrung und zeigt auf seinen Arm.

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