Kampf den Schrottimmobilien

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Das Gebäude der einstigen Gaststätte „Unter den Linden“ gilt in Halver als die „Schrottimmobilie“ schlechtin. ▪

HALVER ▪ Sie gelten als „Schandfleck“ im Stadtbild: So genannte Schrottimmobilien sind nicht nur Passanten ein Dorn im Auge, sondern auch den Kommunen, die neben dem optischen auch den Sicherheits-Aspekt dieser verwahrlosten Gebäude berücksichtigen. Nur: Den Städten und Gemeinden sind die Hände weitestgehend gebunden. Grundsätzlich kann kein Eigentümer zur Sanierung gezwungen werden. Doch das könnte sich bald ändern.

Wer Ruinen in Halver sucht, wird gleich mehrfach fündig: Da ist etwa der einstige Getränkemarkt an der Karlshöhe, der seit Jahren vor sich hin gammelt. Oder das Mehrfamilienhaus an der Volmestraße, das jedem Autofahrer, der aus Richtung Halver die Heerstraße herunterfährt, ins Auge springt. Auch vom einstigen Kino am Bächterhof ist nach dem Brand im Jahr 2007 kaum etwas übrig. Der deutlichste Kontrast zwischen frisch saniertem und marodem Altbau offenbart sich jedoch wenige Meter weiter, an der Marktstraße: Links neben dem vor zwei Jahren runderneuerten „blauen Haus“, immerhin Baujahr 1880, wirkt die einstige Gaststätte „Unter den Linden“ wie ein Häufchen Elend. Mit seiner zentralen Lage ist es für viele Halveraner ein Symbol für die vielen herunter gekommenen Häuser in ihrer Stadt.

Allzu gerne würde Franz Helmut Engel, Fachbereichsleiter „Bauen und Wohnen“, dagegen etwas tun. Doch das ist nicht ohne weiteres möglich: „Erst, wenn vom Gebäude Gefahr ausgeht, ist der Eigentümer verpflichtet zu handeln“, so Engel. Bei konkreter Gefahr für Passanten oder Nachbargebäude beschränke sich die Reaktion der Eigentümer dann aber meist nur auf das Notwendigste. Hier wird eine Schraube festgezogen, dort ein Schutz vor herabfliegenden Fassadenstücken befestigt – das genügt dem Gesetzgeber.

Noch. Denn die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) wies jetzt auf eine Gesetzesinitiative der Länder Bremen und Nordrhein-Westfalen hin, die in den kommenden Wochen im Bundestag beraten werde. Danach sollen Städte und Gemeinden künftig mehr Rechte erhalten, um eine Sanierung durchzusetzen. Als letzte Möglichkeit soll mit Hilfe des neuen Gesetzes sogar der Zwangsabriss des Gebäudes möglich sein.

Franz Helmut Engel sind die Bemühungen um einem größeren Spielraum für die Kommunen bekannt. „Das würden wir natürlich sehr begrüßen“, sagt der Bau-Fachbereichsleiter, der dann auch hofft, dass aus der Initiative tatsächlich ein Gesetz erwächst, „wenn darin auch geregelt ist, dass wir nicht in finanzielle Vorleistung treten müssen.“ Engel erinnert sich an zahlreiche Gespräche mit Besitzern ungenutzter Bauruinen, die für die Stadt ernüchternd endeten. Immer wieder seien Verbesserungen zugesagt, aber nie realisiert worden. In der Folge müsse der Märkische Kreis als Bauaufsichtsbehörde auf Anfrage von Nachbarn oder Kommunen regelmäßig den Baubestand überprüfen. „Das macht auf Dauer keinen Sinn“, so Engel. ▪ Frank Zacharias

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