Erstes Geschäft hat Mietvertrag am ehemaligen Bahngelände gekündigt

Fachmarktzentrum: Nicht alle sind zufrieden - und zwar aus diesem Grund

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Ein Laden weniger im Fachmarktzentrum am ehemaligen Bahngelände. Das Spielzeuggeschäft Gato-Toys hat seinen Mietvertrag gekündigt. Grund ist zum einen die Lage, die keine Kunden anlockt, zum anderen der Online-Handel.

Halver - Gut zweieinhalb Jahre ist es nun her, dass das Fachmarktzentrum am ehemaligen Bahngelände eröffnet hat. Das erste Geschäft hat jetzt seinen Mietvertrag gekündigt.

Bereits nach rund einem Jahr sagte Gato-Toys-Chef Thomas Tourountzas im Interview mit unserer Zeitung, dass es sich nicht gelohnt habe, eine Filiale am Fachmarktzentrum zu eröffnen. Mit dem Standort sei er „sehr unzufrieden“. Selbst Mitarbeiter anderer Geschäfte im Fachmarktzentrum geben an, erst nach mehr als einem halben Jahr durch Zufall mitbekommen zu haben, dass es einen Spielzeugladen gleich nebenan gibt. 

Der Laden befindet sich gegenüber von Aldi, neben dem SB-Terminal der Sparkasse. In der Ecke ist der Laden schlecht bis gar nicht einzusehen. Kunden bleiben aus. Das hat nun Folgen. „Wir haben den Mietvertrag bereits gekündigt“, sagt Thomas Tourountzas. Noch bleibt das Geschäft jedoch im Fachmarktzentrum, denn auf Verhandlungen habe sich der Vermieter nicht eingelassen.

Mietvertrag für fünf Jahre

Der Mietvertrag war auf fünf Jahre festgesetzt. Eher raus kommt Gato-Toys nicht einmal, wenn die gesamte restliche Miete im Voraus gezahlt werden würde, sagt der Geschäftsführer. Aber der Spielzeughändler sei dennoch froh, denn immerhin habe man ihm damals einen 15-Jahres-Vertrag „andrehen wollen“, sagt er. Da seien die fünf Jahre im Vergleich schon gut. Ein großer Verlust ist es für Gato-Toys nicht. „Wir machen den 15-fachen Umsatz mit unserem Kerngeschäft, dem Großhandel.“ 

Tourountzas habe sich vor zweieinhalb Jahren auf den Versuch eingelassen, eine Filiale zu eröffnen, weil es kein Spielzeuggeschäft in Halver gab. „Aber anscheinend brauchen die Halveraner keinen Spielzeugladen“, sagt er und bezieht sich auf den Online-Handel, der jedem Einzelhandel schwer zu schaffen mache. Auch von anderen Geschäften im Fachmarktzentrum habe er gehört, dass es nicht so gut laufe, wie erhofft. 

Es gibt auch positive Rückmeldungen

Auf Nachfrage unserer Zeitung heißt es bei Kodi, das Geschäft laufe gut. Filialleiterin Brigitte Kotschenreuther sagt weiter, das Geschäft könne seine Kundenzahl stetig steigern. „Alles ist gut, das kann man nicht anders sagen“, sagt sie. „Wir fühlen uns hier sehr wohl und auch von Kunden bekommen wir positive Rückmeldungen.“ Auch beim Bekleidungsgeschäft Jeans Fritz läuft es nach Angaben der Mitarbeiter gut. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Regionalleiter Harald Fabisch. „Es läuft gut in Halver.“  Das können auch die Mitarbeiterinnen vor Ort bestätigen. Filialleiterin Claudia Moch ist ebenfalls zufrieden. 

Auch Luftballons locken nicht die Kunden an. Gato-Toys schließt fristgerecht. In zweieinhalb Jahren gibt es einen Laden weniger im Fachmarktzentrum.

Bei Ernsting‘s Family gibt es ebenfalls „absolut keine Überlegungen“, den Mietvertrag nicht zu verlängern. Auch wenn ein Geschäft nicht so gut laufe, wie erhofft, halte man sich an den Standorten so lange fest, wie man könne. Auch Takko-Fashion will am Standort bleiben. „Grundsätzlich sehen wir in Fachmarktslagen, wie wir sie in Halver vorfinden, ein passendes Umfeld für unsere Filialen“, sagt Katharina Petermann aus der Pressestelle. 

Einzelhändler haben es schwer

Einfach haben es Einzelhändler nicht, wie aus dem Online-Monitor 2019 des Handelsverbands Deutschland hervorgeht. Demnach mache es der Online-Handel vor allem dem Modehandel schwer. 2018 gaben die Bundesbürger laut Studie im Internet rund 13,2 Milliarden Euro für Kleider, Jeans, Schuhe und Accessoires aus. Das war eine Milliarde Euro mehr als im Vorjahr. Und der Zuwachs ging eindeutig zulasten der Einzelhändler. Denn bei ihnen fehlten am Ende im Jahresvergleich rund 1,1 Milliarden Euro in der Kasse – ein Umsatzrückgang von 3,1 Prozent. Schlimmer war es nur im Elektrohandel. Dort gingen die Umsätze um 4,3 Prozent zurück. 

Bei Lebensmitteln sieht es noch anders aus. Das größte Geschäft im Halveraner Fachmarktzentrum ist Kaufland. Es gibt nur gute Rückmeldungen. „Die Geschäftsentwicklung unserer Kaufland-Filiale in Halver entspricht unseren Erwartungen, und wir sind sehr zufrieden“, sagt Anna Münzing, Pressesprecherin von der Kaufland-Stiftung. Auch das Fachmarktzentrum im Ganzen ist aus Sicht von Kaufland gut für Halver: „Wir machen die Erfahrung, dass die Kunden gerne das vielfältige Einkaufsangebot im Fachmarktzentrum nutzen. Auch die gute Erreichbarkeit und die entspannte Parksituation sind schlagkräftige Argumente.“ Für Kaufland sei Halver „ein wichtiger Standort“. 

Was in das Ladenlokal in der Ecke des Fachmarktzentrums nachzieht, in dem sich derzeit noch Gato-Toys befindet, ist noch ungewiss. Zweieinhalb Jahre wird das Spielzeuggeschäft dort noch bleiben müssen.

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