Halveraner Landwirt ist sauer

Gerichtsvollzieher entzieht Feckinghaus Kühe

+
Eine der Kühe aus dem Bestand von Tobias Feckinghaus. Das Tier hat sichtliche Schmerzen und hält das rechte Hinterbein in die Luft. „Man kann auch erkennen, dass die Kuh nicht richtig ernährt wurde. Normalerweise dürfte man das Dreieck zwischen Hüftknochen und Rippenbogen gar nicht sehen“, erklärt der Landwirt, der sich derzeit um die Tiere kümmert. - Fotos: Machelett

Halver -  Landwirt Tobias Feckinghaus ist sauer. Er beklagt, dass eine Kuh beim Verladen von einem Vieh-Transporteur gequält worden sei. Gleichzeitig werden aber auch neue Vorwürfe gegen den Halveraner laut. Die Tiere seien in einem schlechten Zustand gewesen und nicht ordentlich gekennzeichnet.

Das Geschehen ereignete sich am Samstag, 6. Juni. Am Morgen kamen Lkw des Neuenrader Viehhändlers Jürgen Humke auf den Hof am Kotten. Begleitet von zwei Vertretern der HW Leasing aus Wismar und einem Gerichtsvollzieher. 57 Kühe, die sich im Besitz der Leasing GmbH befinden, sollten abgeholt werden. „Ich verstehe bis heute nicht warum“, sagte Feckinghaus gestern im Gespräch mit dem Allgemeinen Anzeiger. Er gibt zwar zu, mit den Raten aus verschiedenen Gründen im Rückstand gewesen zu sein, jedoch habe er sich mit HW Leasing geeinigt, diese nachzuzahlen. „Ich kann zu dem Fall nichts sagen. Nur so viel: Es gab ein Urteil und auf Grund dessen wurden die Tiere abgeholt“, erklärte eine Mitarbeiterin der GmbH.

Video zeigt Verlademanöver

Die Kühe wurden also an besagtem Morgen auf die Lkw verladen. Nur eine sträubte sich. Auf einem Video ist zu sehen, wie das Tier geschlagen wird und später versucht wird, es mit einem Radlader auf die Rampe zu schieben. „Ja, es stimmt. Das war nicht korrekt. Wir haben einfach versucht, so viele Tiere, wie möglich, mitzubekommen und die Kuh hat nachweislich keine Verletzungen. Zudem habe ich den Vorgang dann auch selbst abgebrochen“, entgegnet Jürgen Humke auf die Vorwürfe. Feckinghaus hat den Unternehmer derweil angezeigt. Allerdings auf Sachbeschädigung, da bei der Verladeaktion Futter verunreinigt wurde.

Auf die Frage, warum er bei dem Prozedere nicht eingegriffen hat, entgegnet er: „Was sollte ich denn machen? Hätte ich etwas gesagt, hätte der Gerichtsvollzieher die Polizei alarmiert.“

Jürgen Humke beklagt derweil „den Zustand der Tiere, der zu wünschen übrig lässt“. Die Tiere hätten Ekzeme, Geschwüre, ungepflegte Klauen und Eiterstellen. 13 Kühe hätte er zudem nicht mitnehmen können, weil die Ohrmarken zur Erkennung fehlten. „Das ist Quatsch. Die Tiere waren in einem guten Zustand, als sie verladen wurden. Sie sind jetzt zwei Wochen auf dem anderen Betrieb, was weiß ich, was dort mit ihnen gemacht wurde“, sagt Feckinghaus.

AA-Recherchen auf einem der Höfe, auf dem die Kühe untergebracht wurden, die noch gemolken werden, zeigten die Tiere, die gesundheitlich angeschlagen waren. „Die Kühe sind schon schlecht dran. Vor allem die Füße sind schlecht gepflegt“, erklärte der Landwirt (Name der Redaktion bekannt). Einen Vorwurf, den Feckinghaus nicht auf sich sitzen lassen möchte: „Der Klauenpfleger kommt bei mir halbjährig. Er war da, nachdem die Tiere abgeholt wurden.“

Was den Landwirt, der die Tiere derzeit für die Leasinggesellschaft beherbergt, aber richtig ärgert, ist die Tatsache, dass bei Milchproben sogenannte Hemmstoffe gefunden wurden. Vermutlich aufgrund der Gabe von Antibiotika. Eigentlich hätten diese Tiere speziell gekennzeichnet werden müssen. „Wären diese Hemmstoffe in meine Milch gekommen, hätte mich der wirtschaftliche Schaden meine Existenz kosten können“, sagt der Landwirt. Feckinghaus hat auch dafür eine Erklärung: „Die Tiere haben ihre auf dem Fell angebrachten Markierungen vielleicht auf der Fahrt durchs Schwitzen verloren. Zudem saugen einige Tiere am Euter der anderen und können so die Stoffe aufgenommen haben. Bei mir haben die Kühe daher einen Nasenring getragen. Den habe ich vor der Abholung allerdings entfernt.“ Zudem könne er nicht immer alles im Blick haben.

„Es kann schon mal sein, dass man eine vergisst.“ Die Gabe von Medikamenten, die zu den sogenannten Hemmstoffen zählen, ist laut Gesetz allerdings dokumentationspflicht.

Feckinghaus betont, dass er explizit darauf hingewiesen hätte, dass vor dem ersten Melken Proben genommen werden sollten, um das Verunreinigen der Milch auszuschließen. Wenig später fügt er noch einmal hinzu: „Vielleicht will mir auch einer was. So eine Spritze ist schnell in der Kuh.“

Auffällig sei zudem, dass die Kühe sehr viele Löcher in den Ohren haben und einige Ohrmarken per Hand geschrieben wurden, sagt der Landwirt, der die Tiere pflegt. Natürlich könne es mal sein, dass ein Tier eine Marke verliert. Aber nicht in so einem Maße. Zudem seien die Löcher dann meist eher ausgerissen. Feckinghaus: „Bei mir hatten die Kühe alle Stallmarken. Die habe ich vor der Abholung natürlich herausgenommen.“ Der Verdacht, er habe vielleicht bewusst versucht zu täuschen und Tiere falsch ausgezeichnet, um die guten Tiere behalten zu können, sei „absoluter Unsinn“.

Wie es mit den 44 Tieren weiter geht, ist unklar. „Eine Kuh hat so eine schlimme Euterentzündung, dass sie es vermutlich nicht schafft“, erklärt der Landwirt. Für die Tiere, die vorerst bei Jürgen Humke untergebracht sind, kommt am Samstag der Klauenschneider. Feckinghaus betont: „Meine Kühe waren top. Was auf dem Weg und in den letzten Tagen alles passiert ist, weiß ich nicht.“ Seitens des Märkischen Kreises bestätigt Pressesprecherin Ursula Erkens, dass Anfang April eine Kontrolle durch den Amtsveterinär auf dem Hof stattgefunden habe und es keine Beanstandungen gab.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare