Gericht gibt Verurteiltem Chance für „neues Leben“

HALVER ▪ Noch im Herbst des vergangenen Jahres war das Leben des 23-jährigen Halveraners ein großer Scherbenhaufen gewesen. Probleme in der Ehe, finanzielle Notlagen – der junge Mann rutschte immer weiter in ein Loch, aus dem er sich durch diverse Straftaten wieder frei strampeln wollte.

Seine Frau zeigte ihn sogar einmal an, wollte ihn nicht mehr in ihrer und der Nähe ihres gemeinsamen Sohnes wissen. In dieser Phase geriet der schon zuvor straffällig gewordene Mann erst richtig auf die schiefe Bahn, hangelte sich nach eigenen Aussagen von Job zu Job und bestahl letztendlich seine Arbeitgeberin, indem er durch Stornierungen rund 2170 Euro aus der Kasse der Tankstelle nahm, in der er als Kassierer jobbte.

Doch das war weitaus nicht das schlimmste Vergehen, das er in dieser Phase beging. In der Nacht vom 15. auf den 16. Oktober 2010 fuhr er zusammen mit zwei anderen Männern zu einer Bäckerei nach Plettenberg. Einer wartete im Wagen, die beiden anderen drangen in den Verkaufsraum ein, durchwühlten den Tresen und die unverschlossene Kasse. Danach hebelten sie weitere Türen zu Lagerräumen auf und durchsuchten diese nach Wertvollem, das sie zu Geld hätten machen können. Doch Anwohner wurden auf die Einbrecher aufmerksam und verständigten die Polizei. Die Beamten fanden den Angeklagten zusammengekauert in einem Versteck, er wurde im Juni dieses Jahres wegen versuchten gemeinschaftlichen Diebstahls vom Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt, da der Richter der Ansicht war, dass eine Bewährungsstrafe keine Lehre für den Mann gewesen wäre.

Gegen dieses Urteil legte der 23-Jährige Berufung ein, denn inzwischen hatte sich einiges in seinem Leben getan. Er fand eine Vollzeitstelle als Maschinenanlagenbediener, soll sogar von der Firma übernommen werden und eine Ausbildungsstelle erhalten. Auch mit seiner Ehefrau hatte er sich versöhnt und gemeinsam besucht das junge Paar mittlerweile eine Eheberatungsstelle. Eine Freiheitsstrafe hätte die gerade erst aufgebauten Strukturen schnell wieder zum Einsturz bringen können, und das Landgericht in Hagen als erste Berufungsinstanz folgte dieser Argumentation von Bewährungshelferin, Verteidigung und Angeklagtem. Am Mittwoch entschied die zweite kleine Strafkammer zugunsten des Angeklagten und setzte die Freiheitsstrafe zur Bewährung aus. Das freute den jungen Mann, der Besserung gelobte: „Denn hinter mir stehen zwei, die mich in ihrem Leben brauchen.“ ▪ Anja Grevener

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