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„Genauso schlimm wie Corona“: Händler und Gastronomen klagen über Baustelle im MK

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Von: Sarah Lorencic

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Ömer Konuk von Döner 2000 wartet noch einen Monat ab. Wenn keine Besserung in Sicht ist, schließt er den Laden, sagt er.
Ömer Konuk von Döner 2000 wartet noch einen Monat ab. Wenn keine Besserung in Sicht ist, schließt er den Laden, sagt er. © Lorencic, Sarah

In der Innenstadt wird die Volksbank für einen Neubau abgerissen. Das beeinträchtigt die angrenzenden Gastronomen. Der erste denkt übers Aufhören nach.

Halver – An der Frankfurter Straße entsteht das neue Gebäude der Volksbank. Die alte Bank musste dafür weichen und liegt mittlerweile in Schutt und Asche. Drumherum verzweifeln die Inhaber der anliegenden Geschäfte. Dreck und Lärm, fehlende Parkplätze und eine Einbahnstraße, die zeitweise auch komplett gesperrt ist. Mit Sorge blicken die Gastronomen und Händler auf die nächsten rund anderthalb Jahre, die für Abriss und Neubau angesetzt sind.

Konuk Ömer von Döner 2000 wartet nicht mehr so lange ab. „Vier Wochen noch“, sagt er, „wenn es nicht besser wird, schließe ich.“ Der Inhaber des Imbiss hat kaum noch Kunden, wie er sagt. Die Tür muss geschlossen bleiben, sonst halte man die Geräuschkulisse an der Straße nicht aus. Abschreckend sind dazu die vielen Mülltonnen der gegenüberliegenden Häuser vor seinem Geschäft. „Wie sieht das aus? Das sind nicht meine.“ Im Geschäft verweilt niemand mehr. Nur noch schnell einen Döner auf die Hand und weg – wenn es denn jemand zu ihm schafft.

Domenico Gulotta verzeichnet einen Kundeneinbruch. Der Außenbereich ist nicht mehr nutzbar
Domenico Gulotta verzeichnet einen Kundeneinbruch. Der Außenbereich ist nicht mehr nutzbar. © Lorencic, Sarah

Wenn, dann ist das eher abends der Fall, wie Manuela Walter weiß. Sie wohnt und arbeitet direkt gegenüber. Die Inhaberin des Beauty-Points stört sich weniger an der Baustelle, ihr setzt die Parkplatzsituation mehr zu. Die Laufkunden sind alle weg, sagt sie. Und die älteren Kundinnen und Kunden, die zur Fußpflege müssen, kommen gar nicht mehr. „Sie schaffen es nicht den Berg hoch, wenn sie an der Jugendheimstraße parken“, erzählt die 55-Jährige. Ab und zu hilft sie ihren Kunden. Aber meist bleiben sie von vornherein dem Laden fern. „Wenn das jetzt so lange weitergeht, ist das eine Katastrophe. Das ist genauso schlimm wie Corona.“ Manuela Walter wohnt über ihrem Geschäft. Auch dort vermisst sie Ruhe. Schon um 6 Uhr morgens fangen die Arbeiten an.

Weniger gestört fühlt sich davon Stefanie Kiedrowski. Sie wohnt über dem Sonnenstudio und hat zwei kleine Kinder. Bis jetzt habe der Mittagsschlaf immer geklappt, sagt die 37-Jährige und ist froh. Denn: es ist laut. Derzeit bohrt eine Maschine acht Meter tiefe Löcher entlang des Bürgersteigs in den Untergrund. Rund zwei Stunden dauert es, bis sich der Bohrer durchs Gestein gearbeitet hat, erklärt Rolf Höngen. Das ist laut, ja. Aber er macht mit seinem Tiefbauunternehmen nur seine Arbeit, sagt er.

Für niemanden eine leichte Situation

Aus seiner Perspektive seien die Umstände auch nicht einfach: Ein enger Zeitrahmen und wenig Platz. Immer wieder müssen Lkws rangieren und rückwärts neben das Restaurant „Bei Domenico“ fahren. Erst vor wenigen Tagen gab es wieder keinen Strom und kein Internet. Gebohrt wurde mitten in ein Kabel, wie Höngen bestätigt: „Passiert.“ Eine so große Baustelle mitten in der Innenstadt – das ist schon außergewöhnlich, sagt Höngen. Immer wieder stehen Schaulustige am Zaun und sehen bei den Arbeiten zu.

Das italienische Restaurant aber bleibt leer, wie Domenico Gullotta sagt. Das Mittagsgeschäft ist sein Geschäft. Um 12 Uhr ist der Laden am Dienstag aber so gut wie leer. Die Stühle und Tische im Außenbereich sind gestapelt, keiner sitzt mehr draußen. „Das ist vorbei.“ Die Baustelle ist unmitelbar neben dem Restaurant. „Es ist der absolute Horror, eine Katastrophe“, sagt Gulotta. Aber er kann nichts machen, wie er sagt. Nur „abwarten.“ Er fragt sich, wer für seinen wirtschaftlichen Verlust aufkommt.

Kathrin Tackmann von Sun Dreams Halver dachte eigentlich, dass hier bald Parkplätze reserviert werden. Stattdessen stehen jetzt blaue Container in den Parkbuchten.
Kathrin Tackmann von Sun Dreams Halver dachte eigentlich, dass hier bald Parkplätze reserviert werden. Stattdessen stehen jetzt blaue Container in den Parkbuchten. © Lorencic, Sarah

Auf der Straßenseite gegenüber ist die Situation auch nicht besser. Nikolaos Bozilidis schüttelt nur noch den Kopf. „Ich habe es noch nie so ruhig im Shop erlebt, nicht einmal während Corona.“ Die Mitarbeiter seines Telekom-Shops hat er jetzt in den Urlaub geschickt, weil ohnehin nichts los ist. Während das Sonnenstudio nach wie vor ausreichend Kunden hat, weichen die Kunden des Telekom-Shops ins Internet aus. Bevor sie den Weg ins Geschäft unternehmen, schließen sie ihren Vertrag online ab, sagt Nikolaos Bozilidis. „Wir haben Corona überstanden und jetzt kommt das.“

Kathrin Tackmann von Sun Dreams Halver sagt: „Wir sind eigentlich eine Entspannungsoase.“ Doch das geht bei dem Lärm auch nicht mehr. Die Kunden kommen zwar noch, aber sind irritiert. Die Mehrheit kommt nicht aus Halver wie die meisten Kunden der Geschäfte an der Straße im Stadtzentrum. Halveraner kommen vielleicht gut mit der Situation zurecht, Leute von außerhalb aber nicht, sagt Nikolaos Bozilidis.

Besserung in Sicht

Versprochen wurde Besserung im Hinblick auf die Parkplatzsituation. Wo eigentlich vier Plätze für die Geschäfte reserviert werden sollten, stehen aber jetzt blaue Container. „Das war so nicht abgesprochen“, sagt Lutz Eicker. Der Leiter des Ordnungsamts kümmert sich um eine Lösung. Voraussichtlich nach der Kirmes soll es sechs Stellplätze geben. Die Abbrucharbeiten sind so gut wie geschafft, sagt Eicker. Parken war ohnehin nicht erlaubt, weil ein Sicherheitsrisiko bestand. Als nächstes wird ein Kran auf die linke Seite der Frankfurter Straße in Fahrtrichtung Nicolai-Kirche aufgebaut. Mehrere Monate wird er stehen und beim Bau der neuen Volksbank eingesetzt. „Das ist für alle eine unbefriedigende Situation“, sagt Eicker. Seitens der Stadt wolle man den Geschäftsleuten helfen so gut es geht. Die Baustelle ist jetzt da. „Wir müssen das Beste daraus machen“, appelliert Eicker. „Wir sind immer ansprechbar.“

Als ansprechbar zeigte sich auch die Volksbank in Halver und lud alle Anwohner zum Essen und Gespräch bei Domenico ein. Nicht alle kamen, sagt Nikolaos Bozilidis, der die Einladung annahm. Er sagte den Verantwortlichen: „Die Situation ist geschäftsschädigend.“ Man versprach Besserung. Darauf hoffen die Leidtragenden.

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